Vom äußersten Nordwesten über Nordspanien nach Usedom

Endlich Urlaub: Ab nach Nordspanien

Strand auf Usedom bei Ückeritz

Strand auf Usedom bei Ückeritz

Vielleicht müssen wir es auf 51 durchgearbeitete Tage mit langen Abenden am Stück schieben, dass wir im August 2016 tatsächlich vom äußersten Nordwesten Deutschlands über Nordspanien nach Usedom gefahren sind. Gut ist es dann auf jeden Fall, wenn man nach dem Motto „Der Weg ist das Ziel“ unterwegs ist und sich über jeden Flecken, den man bis dato noch nicht kannte, freut. Direkt nach den Gezeitenkonzerten haben wir jedenfalls den Kastenwagen gepackt, geguckt, ob sich die Großwetterlage vielleicht doch noch zu Gunsten des Baltikums geändert hat und sind dann mit dem Ziel Nordspanien losgefahren. Ich hatte mir aus der Bücherei im Winter einen Reiseführer Nordspanien ausgeliehen und faszinierende Bilder im Kopf abgespeichert. Da war die Rede von tollen, langen Sandstränden, hübschen Fischerdörfern, leckerem spanischen Essen und Löchern in Wassernähe, aus denen Fontänen emporschießen sowie tollen Radwegen und Wandermöglichkeiten u. a. in den Picos de Europa.

Der Hinweg

Ortsdurchfahrt Auxerre

Ortsdurchfahrt Auxerre

Da wir zuerst einmal nach siebeneinhalb Wochen ausschlafen wollten, kamen wir am ersten Tag nur mal wieder bis Wachtendonk. Und auch diesmal war das portugiesische Restaurant überfüllt, sodass wir bei Büskens draußen noch eine Kleinigkeit gegessen und ein großes Bier getrunken haben. Fürs nächste Mal haben wir uns vorgenommen, den Yachthafen in Venlo anzusteuern, der von der Autobahn ganz einladend aussieht. Weiter ging es auf der uns bekannten Strecke über Maastricht (man kann jetzt schon besser durchfahren: 2016 soll die Baustelle angeblich fertig sein), durch Liège (wann verpassen wir mal nicht die Umgehung?) über Bouillon, an Reims vorbei, durch das schöne Auxerre und weiter entlang der Yonne. Auf dem ersten angesteuerten Campingplatz sagten sie uns fairerweise gleich, dass es abends Live-Musik gebe und es etwas lauter werden könne. Daraufhin sind wir weitergefahren und letztendlich in Vincelles auf dem Campingplatz Les Ceriselles gelandet. Der war jetzt nichts Besonderes, aber schön gelegen. Das „Restaurant“ vorne neben der Rezeption mit Blick auf den  Kanal war eher ein Imbiss und von einer geschlossenen Gesellschaft belegt. Etwas weiter den Kanal entlang gab es eine Crêperie, die uns aber nicht locken konnte. Also haben wir auch mal den Grill angeworfen. Salatzutaten gab es im nahegelegenen Supermarkt, Würstchen hatten wir dabei. Wäre das Wetter nicht schlechter geworden, hätte ich mir vorstellen können, einen weiteren Tag hier zu verbringen. Am Canal du Nivernais und der nicht weit entfernten Yonne soll man prima Rad fahren können.

This sign just left me speechless

This sign just left me speechless

Stattdessen ging es weiter, u. a. entlang der Loire in die Nähe von Douville. Dort gab es unterhalb eines Restaurants einen kleinen Campingplatz D’Orphéo Negro an einem See, dessen Beschreibung sich sehr nett anhörte. Ich hatte ja schon von einer kleinen Abkühlung geträumt, doch der See entpuppte sich als Angelteich mit witziger Beschilderung: Nein, es war nicht der Google-Translator! Da wir an diesem Tag sogar halbwegs früh unser Etappenziel angesteuert hatten, blieb noch Zeit, die ausgewiesenen Wanderrouten zu verfolgen: Der helle Wahnsinn! Etwas mehr Hingabe hätte man schon aufbringen können, anstatt den Weg an den Teich und um eine Wiese herum zu führen. Hätte man den Wald noch mit einbezogen, wäre es nicht ganz so schlimm gewesen. Die Pferde auf den Weiden hat es gefreut, ließen die Bremsen sie doch für einen Moment in Ruhe und stürzten sich auf uns. Gegessen haben wir zusammen mit weiteren deutschen Gästen, die auf dem Jacobsweg wanderten und sich dort einquartiert hatten, im Hotel Tropicana oben an der Straße. Das war sowohl preislich als auch vom Essen her in Ordnung. Vom Wagen aus haben wir dann noch lange den Blick über den wunderbaren See genossen.
Auf abenteuerlichen Wegen führte uns das Navi am folgenden Tag durch schöne Wälder schließlich bei Dax auf die Autobahn. Überhaupt war in Frankreich wenig los: Wir kamen wunderbar durch die Städte. Manche erschienen fast wie ausgestorben.

Gens du Voyage
Aus Erfahrung wissen wir, dass es selbst in der Nebensaison eine Wahnsinnskurverei ist, die Nebenstrecke an der Atlantikküste durch Bayonne und Biarritz zu durchfahren und man an dieser Stelle tatsächlich besser Geld in die Mautgebühren investieren kann, weil es die Nerven schont. Die seltenen Ausblicke aufs Meer entfallen leider fast komplett. Uns kamen auffällig viele weiße Kastenwagen und Wohnwagengespanne auf dieser Autobahn entgegen. Es waren deutlich mehr als 50. In Frankreich gibt es Plätze, zumeist außerhalb der Städte, auf denen sich das „Fahrende Volk“, (französisch „gens du voyage“) niederlassen darf/muss. Als wir die ersten Male durch Frankreich fuhren, fielen uns die Schilder „Aires d’acceuil de gens du voyage“ auf und wir fragten uns einen Moment lang, ob das eine Art Campingplatz sein sollte. Angesichts dieser Massen kam bei uns der Gedanke auf, dass es sich um einen großen Umzug dieser Menschen ohne festen Wohnsitz, die ihr Geld zumeist als Handwerker, Saisonarbeiter oder durch den Verkauf verschiedener Waren verdienen, handeln müsse. Ein Blick ins Internet verriet später, dass tatsächlich ein großer Platz bei einem Stadion in Bayonne von der Polizei aufgelöst worden war, nachdem es zu einer unerlaubten Erweiterung des Platzes und Nutzung über die vereinbarte Dauer hinaus gekommen war. (Quelle: http://www.sudouest.fr/2015/08/16/bayonne-les-gens-du-voyage-investissent-le-stade-jean-daugier-puis-le-quittent-2098236-4018.php)
Bei den „gens du voyage“ handelt es sich immerhin nach Schätzungen um rund 400.000 Menschen, von denen die meisten ganzjährig ohne festen Wohnsitz leben, die restlichen einen großen Teil des Jahres. Es sind Franzosen! Die Roma zählen laut Definitionen nicht zu dieser Ethnie. Sie müssen sich einigen strengen Bedingungen unterwerfen, beispielsweise gibt es eine Art Pass, in dem Daten zur Person erfasst sind, der alle drei Monate bei der jeweiligen Polizeidienststelle abgestempelt werden muss. Möchten Familien weiterziehen, müssen sie dies beantragen. (Quelle: http://www.lefigaro.fr/international/2015/08/26/01003-20150826ARTFIG00144-gens-du-voyage-roms-des-realites-bien-differentes.php)
Der Staat bezuschusst die Einrichtung solcher Plätze mit Strom- und Wasseranschlüssen, die dann von den gens du voyage für eine bestimmte Zeit gemietet werden. Allerdings gibt es von ihnen Beschwerden, dass die Gemeinden dieser Verpflichtung nicht nachkämen, nur Alibi-Plätze einrichten, die nicht für die Menge der gemeinsam Reisenden ausreichen. (Quelle: http://www.midilibre.fr/2015/07/28/les-aires-alibis-fachent-les-gens-du-voyage,1196107.php)

In Nordspanien

Blick auf die nordspanische Küste von der Autobahn

Blick auf die nordspanische Küste von der Autobahn

Bei Donostia verließen wir die kostenpflichtige Autobahn und fuhren durch schöne Berge mit frischem Grün entlang eines Flusses Richtung Küste. Ein richtiges Ziel gab es nicht. Wir wollten uns einfach treiben lassen, bis wir einen Camping- oder Stellplatz sichten, der uns gefällt und nach Möglichkeit Meerblick bietet. Orio, Zarautz und Zumaia ließen wir gleich links liegen oder fanden sie zu voll. Itziar hätte uns gefallen, aber da standen an der Straße bereits Schilder mit dem Hinweis, dass der Platz voll sei und zusätzliche Informationen zu Wartezeiten an der Rezeption. So langsam dämmerte uns, warum es in Frankreich und Spanien im Binnenland so leer war: Alle Spanier (und vermutlich auch die Franzosen), die es sich irgendwie leisten können, sind im August an der Küste. Ab diesem Zeitpunkt nahmen wir dann auch die Stellplätze intensiver in unsere Überlegung auf und waren froh, dass wir schon am frühen Nachmittag in Nordspanien angelangt waren. Seit Donostia begegneten wir immer wieder einem deutschen Pärchen, das ebenfalls im Kastenwagen auf Platzsuche war. Quasi gemeinsam steuerten wir auf den Stellplatz in Bermeo, nicht ganz leicht zu finden, zu. Während sie ihn anfuhren, blieben wir unterhalb stehen, guckten uns die umliegenden Hochhäuser an und nahmen Reißaus. Unser Gedanke war, dass es bestimmt auch noch Plätze an der Küste gibt, die nicht im ACSI-Führer verzeichnet sind. Unser Navi schlug einen kurzen Schlenker Richtung Landesinnere vor, dem wir gerne folgten. Plötzlich standen wir oberhalb von Bermeo auf einem Hof. Das Navi meinte, wir sollten geradeaus durch die Wiese fahren. Die Besitzer fanden die Idee nicht so gut. Nachdem sie festgestellt hatten, dass wir ihnen nichts Böses wollten, sondern nur blöde Touristen sind, die ihren Weg verloren hatten, wiesen sie uns freundlich aber bestimmt auf Spanisch an zu wenden und über die Hauptstraße wieder zurück durch die Berge zu fahren um Richtung Bilbao zu kommen. Ich muss doch noch mal mehr Spanisch lernen!

nordspanische Berge

nordspanische Berge

Ein Stellplatz, der zwischen Fluss und Küste lag, hätte uns vielleicht gefallen, allerdings fühlten wir uns beide nicht ganz so wohl in der Umgebung mit den Hochhäusern. So gerne ich sonst auch alleine auf Stellplätzen stehe: Im Hochsommer in Spanien machte mich es eher skeptisch, dass dort nur zwei Wohnmobile standen. Der Campingplatz in Islares war über eine sehr enge Straße erreichbar, wo ich mich nur gefragt habe, wie die Dickschiffe sie passieren sollten. Außerdem war er so voll, dass er mich an einen mallorquinischen Strand erinnerte. Der nächste entsprach ebenfalls nicht unseren Vorstellungen. Mittlerweile war es halb neun und Zeit einen Platz zu finden, der nicht überfüllt und in keinem Zentrum war. Von Santander aus haben wir entsprechend Cabarceno als Ziel eingegeben, ein Stellplatz am Safaripark für 50 Wohnmobile rund zwanzig Kilometer im Landesinneren. Da müsste sich doch etwas finden lassen, dachten wir. Platz gab es tatsächlich noch, aber es standen bestimmt schon 50 spanische Wohnmobile dort. Zusätzlich gab es noch wenige andere mit deutschen und niederländischen Kennzeichen. Auch hier gab es einen kleinen See – wohl eher einen Teich, auf dem Schwäne ihre Runden zogen, unbeeindruckt von den spanischen Familien, die am Ufer picknickten und spielten. Im Naturpark, der ab 09:30 Uhr geöffnet ist, gibt es Giraffen, Ziegen, Nashörner, Zebras, Affen u. v. m., die man per Seilbahn beobachten kann. Im Dorf war noch viel los, obwohl die Safari schon ab 18:00 Uhr beendet war. Wir hatten keine Lust mehr auf Touristen-Trubel und waren froh, endlich irgendwo angekommen zu sein. So beobachteten wir beim Spagetti-Kochen das Treiben vor uns auf dem Parkplatz. Kurz vor Einbruch der Dunkelheit rollte dann auch der weiße Kastenwagen mit dem Pärchen ein, das wir zuletzt in Bermeo gesehen hatten. Am nächsten Morgen waren sie vor uns aufgebrochen.

Was nun? Oder: Wie man auf die Idee kommt, von Nordwestdeutschland über Nordspanien nach Usedom zu fahren

Stellplatz am See

Stellplatz am See

Natürlich hätten wir vorher auf die Idee kommen können, dass die Spanier ihren Urlaub an der Küste verbringen. Vermutlich haben wir gedacht, dass die spanische Küste groß genug ist und bestimmt mehr Leute ihre Ferien an der Costa Brava oder sonst wo im Süden, aber nicht im weniger wetterstabilen Norden verbringen. Außerdem wollten wir schon immer mal in diese Region, sodass es zu verlockend war, es auszuprobieren. Nach dem letzten Jahr war es aufgrund der späten Sommerferien nach dem Ende unseres Festivals für uns die zweite und vermutlich vorerst letzte Gelegenheit, im Sommer Urlaub zu machen. Im März oder Ende Oktober lockt es uns nicht an die spanische Nordküste: Sturm haben wir auch zu Hause. So saßen wir also im Wagen und überlegten, wohin die Reise gehen könnte. Portugal – immer wieder gerne ein Ziel – schied aus, da es dort nicht nur die Portugiesen, sondern auch die Spanier an die Küste zieht. Sie haben eine andere Vorstellung von Urlaub und Lebensfreude als wir kühlen Nordlichter. Und es sei ihnen gegönnt! Nach einigen stummen Überlegungen guckte ich Dirk an, sagte trocken: „Tja, und nun? Usedom?“ und bekam zurück: „Daran habe ich auch gerade gedacht!“

Dazu muss man wissen, dass wir schon seit ein paar Jahren immer mal wieder ein verlängertes Wochenende in Usedom einschieben, wenn es die Zeit erlaubt und das Wetter halbwegs ansprechend ist. Es gibt dort jedes Mal etwas Neues zu entdecken. Der Campingplatz in Ückeritz ist etwa 4,5 km lang, sodass man sich dort selbst im Sommer noch aus dem Weg gehen kann. Der Strand ist noch länger und lädt mit seinem herrlichen Sand und dem Wasser, das – im Gegensatz zu unserer Nordsee – immer da ist, zum Entspannen oder Baden ein. Die Kaiserbäder würde ich im Sommer vermutlich wegen drohender Überfüllungsgefahr nicht unbedingt ansteuern, aber die Wälder und Wiesen und vor allem der Bodden wollen auch erkundet werden. Per Rad geht das sehr gut.

Auf dem Weg nach Usedom
Also fuhren wir am nächsten Tag zuerst durch wunderschöne, fast menschenleere Straßen durch saftig-grünes Hinterland mit hübschen kantabrischen Orten der Autobahn entgegen, die uns zurück an die 250 Kilometer entfernte französische Grenze bringen sollte. Station machten wir wieder in Douville, allerdings auf dem schönen Campingplatz Lestaubière mit wiederum einem kleinen See, in dem man allerdings bei höherem Wasserstand hätte schwimmen können, auf dem es auch einen Swimmingpool und ein kleines Restaurant mit Pizza auf Vorbestellung gab. Die niederländischen Besitzer hatten den Platz sehr schön angelegt. Abends gab es eine niederländische Kinderanimation mit Schnitzeljagd, an der so gut wie alle Knirpse auf dem Platz (ca. 30) teilnahmen. Das war nett anzusehen, wie sie mit Eifer dabei waren. Ich vermute, die eine Animateurin war die Tochter der Betreiber.

Der Yonne statteten wir ebenfalls einen weiteren Übernachtungsbesuch ab. Auf dem Camping des Berges de l’Yonne in Coulanges sur Yonne bekamen wir einen Platz direkt am Wasser hinten auf der Wiese zugewiesen, was uns sehr entgegen kam. Weit genug von uns entfernt nächtigte in Zelten eine Fahrradgruppe. Im vorderen Bereich waren noch weitere Gäste, aber wir waren sehr zufrieden. Im Ort gibt es zwei Bäcker, ein Hotel und ein – in unserem Fall geschlossenes – Restaurant (Le cheval blanc) sowie das „La Guinguette“ neben dem Schwimmbad und der Minigolf-Anlage, in dem es Pommes und ähnlich anspruchsvolles Essen gibt. Glücklicherweise erspähten wir auf der anderen Straßenseite einen Proxi Marché, sodass wir uns dort frische Zutaten für einen Salat besorgen und vorm Wagen am Wasser grillen und lecker essen konnten.

Forêt domaniale de Corgebin, Chaumont, Champagne-Ardenne

Forêt domaniale de Corgebin, Chaumont, Champagne-Ardenne

Bis nach Troyes kannten wir die Strecke am nächsten Tag. Dann ging es interessant weiter, teilweise über absolute Nebenstrecken, über Brienne, Saint Dizier in Richtung Nancy bis wir in der Nähe von Saarbrücken wieder die deutsche Grenze überfuhren. Von dort aus ging es über die A 6 via Kaiserslautern Richtung Frankfurt. Als wir den Großraum Frankfurt erreichten, gab es noch keine Staumeldungen und es war relativ früher Nachmittag, sodass es sich nicht lohnte den ausgewiesenen Stellplatz in Eltville anzusteuern. Schlau wie wir sind, fuhren wir dementsprechend schön in den Feierabendverkehr im Ballungsraum und mussten dann, um nicht den Folgetag gleich wieder mit Stau zu beginnen, bis Grünberg, ca. 80 Kilometer nördlich von Frankfurt, durchfahren. Das war dann von der Fahrtdauer etwas grenzwertig, vor allem, weil die letzten drei Stunden nervig waren. Grünberg ist ein nettes Städtchen mit vielen Fachwerkhäusern. Leider habe ich auch an diesem Abend vergessen, Fotos zu machen: Es hätte sich gelohnt. Im Biergarten der Gaststätte Schirn haben wir einen lauen Sommerabend bei einem großen hessischen Bier genossen und uns ein wenig umgeschaut. Erfreulicherweise waren viele junge Menschen, vermutlich Studenten, unterwegs, was ich angesichts der Umgebung gar nicht erwartet hätte. Der Stellplatz in Grünberg selber war ein nicht wirklich schöner Schotterplatz (in einigen Bereichen sehr schräg), sodass wir länger im Biergarten sitzen geblieben sind. Während Dirk am nächsten Morgen Brötchen holte, bekam ich beim Frühstück machen Besuch von unserem Nachbarn. Er war mit seiner Frau mit dem Wohnwagengespann unterwegs, liebäugelte aber nun mit zunehmendem Alter mit einem kleinen, wendigen Kastenwagen und wollte mal gucken. Das durfte er von mir aus gerne, aber seine Frau war offensichtlich nicht so glücklich, dass ihr Mann mit einer jungen, fremden Frau sprach.
Weiter Richtung Usedom ging es für uns beide nun durch eher unbekannte Teile der Bundesrepublik. Dementsprechend gab es viel zu gucken. Wenn es nicht so diesig gewesen wäre, hätte ich am liebsten im Saaletal noch einen Zwischenstopp eingelegt. Überhaupt fand ich die Region um Weimar oder Jena schön anzusehen. Über Leipzig entlang des berühmten Cospudener Sees ging es über die A 9 nordwärts. Bei Bitterfeld fielen die vielen Solaranlagen ins Auge, und es kam die Assoziation „Solar Valley“ auf. Ein Blick ins Internet verriet aber leider, dass diese Ära nur kurz währte und man sich nicht gegen die Konkurrenz aus Fernost durchsetzen konnte. Schön ist die Veränderung, die durch die Flutung ab 1999 der durch den Tagebau entstandenen Löcher entstanden ist. Von der Autobahn aus sieht man viel blaues Wasser, was ich in dieser Ecke nun wirklich nicht erwartet hätte. Dort war ich tatsächlich 1990 schon einmal gewesen und fand es als Kind sehr bedrückend. Jetzt sehen der Goitzschesee und das Drumherum nach einem lohnenswerten Ausflugsziel aus. Kurz darauf folgt die Elbe, die in östlicher Richtung durch die Lutherstadt Wittenberg, die vor 25 Jahren unser Ziel war, fließt. Aber wir hatten ja ein anderes Ziel vor Augen. Kurz vor drei Uhr näherten wir uns Berlin und waren gespannt auf den Verkehr. Es war voll, das Navi führte uns über die Stadtautobahn mittendurch, aber um etwa halb fünf, diesmal vor Feierabend, waren wir in der Nähe von Oranienburg angekommen.

Neubrandenburg

Neubrandenburg

Dann ging es erstaunlicherweise über die B 96 über Land weiter. Es war nicht so viel los, sodass wir das durchaus genießen konnten und dementsprechend weiter über kommende, lohnenswerte Ausflugsziele sinnierten. Auch in der Müritz waren wir schon einmal – bei schlechtem Wetter und umgeben von Rentnern in riesigen Reisemobilen, was wir furchtbar fanden. Nun fuhren wir an Seen und Flüssen vorbei, die Havel blitzte blau und einladend, die Wälder spendeten Schatten, denn mittlerweile war der Himmel aufgerissen und die Sonne schien. Kurz hinter Neubrandenburg ging es bei Glienke wieder auf die Autobahn.

Wolgast

Wolgast

Von dort aus waren es noch etwa anderthalb Stunden bis Usedom, wo wir gegen 19:00 Uhr in der vollen Rezeption des Naturcampingplatzes „Am Strand“ Ückeritz standen. Vor uns hörten wir schon, dass der Platz vollbelegt sei. Glücklicherweise waren wir nicht das erste Mal da, hielten unsere Karte für die Schranke bereit und fragten leise und vorsichtig, ob es nicht doch noch ein Plätzchen für uns und unseren Kastenwagen gebe. Da wir noch zehn Tage Zeit hatten und die nach der Tour von Nordwestdeutschland über Nordspanien nach Usedom auch gerne an einem Ort verbringen wollten, hatten wir Glück und bekamen den allerletzten Platz zugewiesen. Das Pärchen vor uns wollte nur kurz bleiben. Einen Tag später mussten wir noch einmal umziehen, und nach einer Woche haben wir uns, nachdem sich der Platz spürbar geleert hatte, selber noch ein anderes Fleckchen gesucht und haben nach Rücksprache gewechselt und uns unseren Lieblingsausguck mit Blick aufs Wasser gesichert. Mehr zu den zehn Tagen auf Usedom gibt es in einem weiteren Beitrag zu lesen.

Naturcamping Ückeritz auf Usedom

Naturcamping Ückeritz auf Usedom

 

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