Persönliche Gedanken zum Weltfrauentag

Heute ist Weltfrauentag. Gefeiert wird dieser seit 1921 am 8. März. Und immer noch scheint er nötig zu sein, da es keine Gleichberechtigung gibt, trotz hundert Jahre Frauenwahlrecht, der MeToo-Debatte oder zahlreichen Lippenbekenntnissen. Im Gegenteil: Schauen wir in den Deutschen Bundestag, sehen wir, dass die Anzahl der weiblichen Delegierten abnimmt. Ist es da ein Zufall, dass gerade die AfD, aber auch CDU/CSU große Schwierigkeiten haben, Kandidatinnen zu finden, die sich engagieren wollen? Glücklicherweise sind andere Parteien da deutlich besser aufgestellt, was das Geschlechterverhältnis angeht.

Für mich persönlich wird dieser Internationale Frauentag seit 1998 immer mit einem persönlichen und tiefgreifenden Erlebnis in Verbindung stehen, das ausnahmslos Frauen vorbehalten ist: der Geburt eines Kindes. In meinem Fall war es im Alter von zwanzig Jahren mein zweites. Und auch dieses habe ich nach der Hälfte der Schwangerschaft tot zur Welt gebracht; am 8. März, dem Weltfrauentag. War mir bis zu diesem Tag die Bedeutung dieses Tages wenig wichtig, wurde das durch den Verlust meiner Tochter stark verändert. Als junge, gesunde Frau gehst Du davon aus, dass – selbst nach   e i n e r   Totgeburt – eine Schwangerschaft mit der Geburt eines hoffentlich gesunden Kindes endet. Danach wird Dir bewusst, gerade als Frau eine bittere Niederlage erlitten hast. Natürlich ist auch der Vater des Kindes betroffen, das möchte ich ihm nicht absprechen. Aber als Frau und eben nicht Mutter bist Du diejenige, die das unter die Füße bekommen und Dein Leben weiterleben musst, als wäre nichts gewesen. Du musst Dir von Pastorinnen anhören, Dein Kind sei zu Höherem bestimmt gewesen und ähnliche Floskeln, von denen, die wussten, dass Du „in freudiger Erwartung“ warst. So hat frau ja zumindest die Gelegenheit, die Ausbildung auf jeden Fall abzuschließen. Wie oft habe ich auf dem Weg dorthin überlegt, mit etwas anderem abzuschließen? Heute (schon ein Jahr später im selben Krankenhaus bei meiner Bettnachbarin erlebt) bekommt man zumindest in Deutschland in den meisten Fällen die Möglichkeit, sein totgeborenes Kind zu sehen und sich so von ihm zu verabschieden und es häufig sogar beerdigen zu können. Vielleicht macht es das erträglicher: Ich weiß es nicht. 

Mein (zweiter) Sohn ist vierzehn Monate später gesund zur Welt gekommen und ich habe mein Leben gut auf die Reihe bekommen. Dennoch: Die Frage „Wie viele Kinder haben Sie?“ ist eine der profanen Fragen, die ich bis heute nicht beantworten kann und mag. Und es vergeht immer noch keine Woche, in der ich gar nicht an ‚meine Kinder‘ denke.

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