Insel im blauen Meer unter Wolken, im Vordergrund grün und zwei Tothölzer rechts und links

Nordspanien und ein Abstecher nach Portugal

Einstieg über die Pfalz

Über Landau, da dort bei der Firma Caratec noch etwas am Wagen gemacht werden sollte, sind wir nach einer Station an der Südlichen Weinstraße direkt und unbemerkt über die Grenze nach Frankreich gefahren. Für uns liegt normalerweise ja immer mindestens ein Land dazwischen. Die Station in der Pfalz war auf einer Wiese vor viel Wein am Fuße eines touristischen Örtchens Rhodt. Als wir eine ausgedehnte Besichtigungstour machten, stießen wir als allererstes auf einen Bus aus Emden, der gerade eine Reisegruppe im Hotel abgesetzt hatte. Auch sonst waren bis zum Abend sehr viele Touristen aus den verschiedensten Regionen Deutschlands, aber auch mit ausländischen Kennzeichen unterwegs. In Rhodt gibt es ein vielfältiges gastronomisches Angebot, allerdings stehen auf der Karte in unseren Augen nicht so wahnsinnig lecker anmutende Dinge wie Saumagen und ähnliche Eingeweide, die ich als Ostfriesin nicht zuordnen kann. Aber es gibt ja auch Pasta und angesichts der Temperaturen für mich eine Weißwein-Schorle. 

Wir hätten auch direkt bei Caratec auf dem Firmengelände oder in Landau am Schwimmbad stehen können, fanden unser Plätzchen aber deutlich schöner. Während der Wagen bearbeitet wurde, haben wir uns die Laufstrecken und Einkaufsmöglichkeiten an der Peripherie Landaus angeschaut. 

Ein Blick in die wirklich sehr gelungenen Magazine von Caratec mit vielen Berichten über die Region machte eigentlich neugierig darauf, sie sich einmal näher anzuschauen, aber uns lockte die Ferne und Sprachen, die wir aus gutem Grund nicht verstehen. So erfolgte die nächste Übernachtung auch auf einem hübschen Campingplatz mit einer sehr netten Platzwartin in Villersexel (Franche-Comté) am Ognon. Dort ließen sich neben Fischen auch Ratten beobachten, die sich am Ufer des Flusses vermutlich häuslich niedergelassen hatten. 

Unterwegs in Richtung Nordspanien

Wieder einmal ließen wir die Stellplätze vor Clermont-Ferrand links liegen: Es war einfach noch zu früh. So ergab sich eine ähnliche Situation, wie wir sie vor ein paar Jahren schon einmal hatten. Der Stellplatz in Issoire unweit der mautfreien Autobahn Richtung Süden war überlaufen und nicht schön. Stattdessen fanden wir nach längerem Suchen den in Solignat – mitten in der Pampa, aber dafür mit weitem Blick zwischen Schule und Friedhof. Das Dorf selbst hat mittlerweile leider nicht einmal einen Bäcker, sodass es schon wieder Spaghetti und dazu Dosenbier gab. Tatsächlich kann das ein Genuss sein. [Eine Alternative zu diesem Stellplatz etwas näher an der Autobahn wäre Massiac gewesen. Dort steht man auch gut und die Infrastruktur ist deutlich besser.]
Einen malerischen Picknickplatz – inklusive Eisvogelsichtung – fanden wir am Ufer des Doubs bei Navilly mit Blick auf türkisblaues Wasser und alte Brückenbögen. Wir waren nicht alleine, aber es fühlte sich auch niemand gestört: im Gegenteil. Es war allen klar, warum man hier gerne eine Pause einlegt. 

Bogebrücke über den Doubs
Bogenbrücke beim schönen Picknickplatz bei Navilly

[Ein interessanter Ort mit Stellplatz im weiteren Verlauf der Etappe hätte es in Auch gegeben.]
Kurz vor den Pyrenäen steuerten wir jedoch Arrau an, um festzustellen, dass der Platz dort bereits voll besetzt war. Seltsam, hatten wir doch das Gefühl, irgendwo im nirgendwo zu sein. Übernachtet haben wir schließlich auf einem Großparkplatz am Stadion in Saint-Lary-Soulan für 9 Euro. Schön ist der Ort nicht, aber funktional. Es sieht so aus, als wäre er am Reißbrett ausschließlich für die Touristen, die hier vor allem Ski fahren, entworfen worden. Zumindest haben wir uns aus drei Pizzerien vermutlich die richtige am Kreisel gegenüber der Kirche ausgewählt. Gleichzeitig wurden hier regionale Produkte verkauft und an der Wand hingen Plakate der jährlichen Pyrenäen-Wanderung ab dem Jahr 1985.

Wollte uns das Navi am Vorabend noch durch zwei Meter breite Straßen mit Gegenverkehr schicken, hatte es am nächsten Morgen ein Einsehen und lotste uns mittels vieler Tunnel auf unbekanntem Terrain Richtung Spanien. An Huesca vorbei ging es Richtung spanische Nordküste. Wir wollten nach unserem Kurztrip im Hochsommer einen weiteren Versuch starten und in Ruhe gucken, was sich in unseren Augen lohnt. In unseren Augen heißt: Wo kann man gut stehen, wo ist es schön und nicht überlaufen. Erinnerungen an die erste Fahrt kamen schnell auf: Egal, wo man hinguckt, es ist immer schön und immer grün. Eine Wohltat fürs Auge.

Somo-Suesa

Gischt über Wellen, im Hintergrund das Festland auf der anderen Seite
Auch das ist Ribamontán al Mar – mit Blick auf Santander

Etwa 25 Kilometer vor Santander steuerten wir die Bucht auf der gegenüberliegenden Seite bei Somo-Suesa an. Dort gibt es einen Stellplatz direkt neben einen Campingplatz für 66 Wohnmobile. Schön ist der nicht, aber die Lage ist gut! Die langen Strände von Loredo sind in der unmittelbaren Nähe und Fahrrad fahren kann man auch. Wir waren so früh dort, dass wir erst zu Fuß einkaufen und anschließend mit dem Rad zum Strand Ribamontán al Mar fahren konnten. Dort wehte uns der Wind den Sand durchs Gesicht und wir konnten den Surfern zuschauen: durchaus sehenswert! Wieder zurück hatten wir nach ein paar Tagen unterwegs mal wieder Sehnsucht nach einer Dusche. Da der Platz immer noch nicht so stark frequentiert war, konnten wir die kalte Außendusche nutzen. So hatte man zumindest das Gefühl, wieder etwas sauberer und vor allem frischer zu sein, wobei die WaLa-Dusche durchaus ausgezeichnet funktioniert, außer vielleicht fürs Haarewaschen. Abends füllte sich der Platz und erstaunlich viele Mitsteher verließen ihr Mobil in Richtung Campingplatz-Restaurant (vorgelagert, also für jeden zugänglich). Dort gab es für uns Arroz de Marisco auf spanische Art: unerwartet lecker und günstig. Allein der wäre eine Wiederholung wert. Von Santander aus gehen übrigens auch Fähren nach Portsmouth und der Platz ist auch nur etwas mehr als 20 Kilometer vom Naturpark Cabárceno entfernt, wo wir vor ein paar Jahren für eine Nacht im Hochsommer Zuflucht gesucht haben. Außerdem gibt es hier Ver- und Entsorgungsmöglichkeiten, Wi-Fi und „absolute Sicherheit“ (Kostenpunkt: 9 Euro, inklusive Strom: 12 Euro). 

Bei Llanes

Von dort aus ging es für uns am nächsten Morgen weiter in Richtung Llanes, wobei wir im Nachhinein festgestellt haben, dass man den Ort besser von Ribadesella aus anfahren kann. Das Städtchen ist hübsch, aber recht touristisch. Busse parken unweit des Stellplatzes und lassen im kurzen Takt ihre Ladung frei. Hier gibt es sogar zwei Stellplätze vor den Dünen: einen mit Schranke gesichert (2 Euro plus 2/2 Euro für Ver- bzw. Entsorgung) und einen gratis direkt davor. Llanes ist offensichtlich eine Station auf dem Jakobsweg. Von dort aus ist es nicht weit bis zur Bucht von Niembro (Playa de Torimbia), die uns gut gefallen hat. Schade, dass es dort keine Stellplätze gibt, aber so, wie die Zufahrten zu den Stränden beschaffen sind, ist das vermutlich aus gutem Grund: Sie sind sehr schmal und schon die Autos sehen teilweise ordentlich angeschrammt aus. 

Unterwegs gerieten wir in Nueva am helllichten Tag am 14. September in den Umzug zu den Fiestas del Santo Cristo del Amparo de Nueva de Llanes: viele Menschen, ausgelassene Stimmung und wir hatten keinen Plan, was uns das sagen sollte. 

Möglichst an der Küste entlang tasteten wir uns weiter. Ein zweites Frühstück gab es bei viel Wind im Wagen mit geöffneter Schiebetür am Strand bei Barreiros, ca. 10 Kilometer vorm Campingplatz Gaivota, den wir auch schon kannten. Verpasst haben wir leider den Strand der Kathedralen. Dort war sehr viel los und es wurden Parkgebühren kassiert, sodass ich in dem Moment fürs kurze Gucken keine Lust hatte, dort Station zu machen. Aufpassen muss man hier ein bisschen mit den Eisenbahnbrücken, deren Höhe häufig zu niedrig für Kastenwagen sind. Ein anderer Platz unter einen normalen Brücke war leider bereits besetzt: Der hätte mir gefallen. 

San Cibrao bei Lugo

Langsam wurde es Zeit, wieder einen Stellplatz anzusteuern. Einen schönen Umweg haben wir, bevor es uns an die Küste zog, durch die Wälder bei Belén und Xove gemacht und tolle Blicke auf alte Gemäuer genossen. So kamen wir von der anderen Seite nach San Cibrao und sahen in der nordwestlichen Bucht erst einmal das Aluminiumwerk, das leider nicht wirklich einladend aussah. Aber der Stellplatz beim Stadion ist auf der anderen Seite und baden wollten wir heute nicht. Vorm Kochen schauten wir uns schnell noch den Ort, den wir von dort aus sehen konnten, an. Im Hochsommer ist hier bestimmt sehr viel los: In der Nebensaison begegnet man kaum einem Menschen auf dem Weg zum Leuchtturm. Außer uns standen dennoch einige Spanier, ein Franzose und ein Deutscher, der sich mit seinem Mercedes-Super-Van von den Normalos abgrenzte, indem er sich außerhalb des Platzes ins Grün stellen musste. Wir haben den Grill angeschmissen und das Grillgut und den Salat mit dem Blick auf den beleuchteten Ort genossen. Es sah fast schöner aus als am Tag, konnte man so die Bauruinen nicht als solche identifizieren.

Erstes Highlight: Umweg durch die Berge und spanische Herzlichkeit in Galicien

Blick aufs weite Meer mit Felsen, davor grüne Wälder und Macchia
Cedeira – A Coruña: Spektakuläre Ausblicke

In Viveiro haben wir uns noch einmal mit Brot eingedeckt: Richtige Spanisch-Kenntnisse wären hier hilfreich gewesen. Aber sehr niedlich war bei einer Pinkelpause ein Spanier mittleren Alters, der mit seinem Motorrad hielt und fragte, ob wir uns verloren hätten. Er habe das deutsche Kennzeichen gesehen und wollte bei Bedarf gerne helfen. Nach schönen Blicken in die Bucht von Ortigueira ging es bei Cariño ins Gebirge, weil wir nicht den gleichen Weg zurückfahren wollten und irgendwie das Gefühl hatten, das könnte ein schöner Umweg Richtung Cedeira sein. Das war es auch, aber ganz oben betrug die Sicht auf einmal nur noch 20 Meter und man musste äußerst vorsichtig fahren, um die Wildpferde, die hier heimisch sind, nicht vor den Wagen zu bekommen. Auch die Kühe laufen hier frei. Danach riss der Himmel wieder auf und gab atemberaubende Blicke auf die Küste frei und durch einen mystischen Wald ging es in Serpentinen langsam wieder bergab. Oberhalb von Cedeira legten wir dann bei famosen Ausblicken eine Ess-Pause ein. Als ich gerade beim Abwaschen war, kamen zwei ältere Männer direkt an den Wagen. Im ersten Moment wusste ich nicht, was das werden sollte. Aber auch sie hatten das deutsche Kennzeichen gesehen und hatten beide 40 Jahre lang in Deutschland gearbeitet; der eine in Memmingen, der andere irgendwo anders in Bayern. Der Bruder konnte nicht so viel deutsch, aber beide hatten mich spontan ins Herz geschlossen und mir wurde kurzerhand gezeigt, dass man sich hier in Spanien mit zwei Küsschen links und rechts begrüßt. Das war nicht aufdringlich, sondern einfach nur herzlich. Dirk wartete etwas besorgt in der Ferne, merkte aber schnell, dass hier keine Gefahr drohte. Ihr altes Auto – mit Kennzeichen Santiago de Compostela – war mit verschiedenen deutschen Aufklebern ausgestattet. Ich habe mich so über diese Herzlichkeit gefreut! 

Weitere schöne Buchten, aber wenige Stellplätze und die Nähe zu Portugal in der anderen Waagschale führten dazu, dass wir entgegen unserer ursprünglichen Planung, die Halbinsel von Arousa, und vielleicht auch die Vorgelagerte, genauer unter die Lupe zu nehmen, doch mehr oder weniger direkt nach Caminha fuhren. 

Caminha und die Ecopísta entlang des Río Minho

Die Stadt am Río Minho ist nach wie vor wunderschön und es gibt so viel zu entdecken, dass man hier theoretisch immer wieder herfahren kann. Der Orbitur-Campingplatz wird nach wie vor eher als Durchgangsplatz genutzt, was man inzwischen dem Personal deutlich anmerkt. Die Kosten haben sich im Gegensatz zum letzten Mal um 30 Prozent gesteigert, sodass man ohne Strom knapp 19 Euro für die Übernachtung bezahlt. Für Nordportugal ist das recht viel. Rabatte auf irgendwelche Karten wie ADAC oder ACSI etc. werden nicht gewährt. Einzig den 3-Tages-Rabatt gibt es noch, aber Bárbara musste lange nach ihm suchen. Obwohl wir nun deutlich früher als sonst hier waren und ich in den vergangenen Jahren schon mehrfach danach gefragt hatte und vermute, dass ich nicht die einzige war, gab es leider immer noch keine Karten oder Informationen zur ausgeschilderten Ecopísta entlang des Río Minho. Bárbara wusste nicht einmal, dass es die gibt und wo sie lang führt. Egal, wir haben sie bis Valença in Richtung Norden befahren und haben uns über die zumeist gut ausgeschilderten Wege (wenn man denn den Einstieg findet) gefreut. Angeblich soll sie zumindest bis Monçao führen. Nicht erfreulich, sondern beklemmend, war hingegen die Beobachtung der Löschung eines Waldbrandes mit Flusswasser per Helikopter. Aber in diesem Fall scheint sie auf jeden Fall erfolgreich gewesen zu sein.

Eine Erkenntnis, die wir hier durchaus schon einmal gemacht haben: Seenebel ist kalt und hartnäckig. Fährt man allerdings zehn Kilometer ins Binnenland, merkt man von ihm nichts mehr und kann in der wärmenden Sonne im T-Shirt radeln. Gerne wären wir die Ecopísta auch noch in Richtung Süden gefahren, aber irgendwie haute das mit der Kommunikation zwischen Bárbara und mir in diesem Jahr nicht hin, sodass wir uns dort auf dem Platz nicht so heimisch gefühlt haben wie sonst. Dementsprechend fiel uns der Abschied diesmal nicht so schwer, vor allem, da es im Nationalpark Peneda do Gerês im portugiesisch-spanischen Grenzgebiet zum ersten Mal, seitdem wir versuchen, dorthin zu kommen, nicht regnen sollte – und die Waldbrandgefahr auf der anderen Seite hoffentlich auch nicht mehr so groß war. 

Peneda do Gerês – ein weiteres Highlight

Ein portugiesischer Ort, dahinter die Berge und blauer Himmel
Campo do Gerês – malerischer Ort

Von Caminha aus fuhren wir Richtung Serra de Arga – eine abenteuerliche Strecke, da zu dem Zeitpunkt die halbe Straße aufgrund von Bauarbeiten fehlte. Wäre der LKW uns nur ein bisschen früher entgegengekommen, hätten wir alle ein Problem gehabt. Danach ging es – mautfrei – auf die Autobahn bis Viana do Castelo, wo wir in Richtung Braga/Ponte do Lima fuhren. Vorbei an der Rotorblatt-Fertigung von Enercon in Lanheses ging es auf der N 101 bis zum Campingplatz Entre Ambos-os-Rios bei Ponte do Lima, dann rechts hoch über schmale Straßen mitten durch die Berge, wo noch deutliche Waldbrandschäden aus dem Vorjahr zu sehen waren. In einer ansonsten hübschen Ortsdurchfahrt hat’s dann den rechten Spiegel an der Hauswand erwischt – beim Ausweichen, aber er hat nur Schrammen davongetragen. Je weiter wir uns nach oben schraubten, desto stärker beschlich uns das Gefühl: Hier kommt nichts mehr. Dann sahen wir einen weiteren Stausee und es wurde wieder etwas grüner. Unser Ziel war der Campingplatz Parque Cerdeira in der Nähe von Terras de Bouro mitten im Naturpark. Als wir ihn erreichten, waren wir erstaunt: Hier hat jemand vor mehr als 25 Jahren ein ausgezeichnetes Gespür dafür gehabt, mitten im Nichts einen wunderschönen Campingplatz anzulegen, der mit den Jahren behutsam modernisiert wurde. Eins mit der Natur zu sein und Nachhaltigkeit sind hier offensichtliche Maxime. Die nächste Überraschung kam beim Fahren auf den Platz. Hatten wir gedacht, dass sich kaum größere Kastenwagen hierher verirren könnten, sahen wir doch gleich die üblichen Verdächtigen mit ihren Wohnmobilen, deutlich größer als unseres. Die Zufahrt von der anderen Seite schien deutlich komfortabler zu sein. Egal! Witzig fand ich als gebürtige Ostfriesin das englische Wohnmobil mit dem Aufkleber „Freistaat Ostfriesland“ rechts neben dem Nummernschild. Ich durfte es fotografieren. Und der Besitzer meinte nur lakonisch, er habe es bereits so gekauft. 

Erkundeten wir am ersten Tag eher den malerischen Ort Campo de Gerês mit der Pferderanch, dem Hochseilgarten, dem Museum und der anschließenden Rundbogenbrücke sowie vor allem seinen vielen Hórreos, die wir schon aus Galizien kannten, ging es am zweiten Tag zu Fuß in den Nationalpark. Nach zehn Kilometern kreuz und quer ohne Karte und Plan mit diversen Geckos, blauen Heuschrecken und einer Blindschleiche hatten wir Flachlandtiroler genug, waren aber glücklich über die Ausblicke. Schön, dass wir es endlich hierher geschafft haben. Auf der Parzelle gegenüber stand ein junger Portugiese mit einem älteren Wohnmobil, der den Platz kaum verließ: Er schrieb offenbar an einer wichtigen Arbeit. So kann ich mir das demnächst auch vorstellen. Das ist bestimmt ein gutes Arbeitsumfeld: Tagsüber sind die meisten unterwegs und es ist ruhig. WLAN war vorhanden, ebenso Strom. Gefreut habe ich mich, dass er sich abends ein Essen im Restaurant mit portugiesischer Küche auf dem ganzjährig geöffneten Platz gönnte. Für Camper-Verhältnisse wurde das Angebot überdurchschnittlich angenommen. Wir haben sonst häufig die Beobachtung gemacht, dass eher im Wohnmobil gekocht wird. 

Zurück nach Frankreich

Von diesem wunderschönen Fleckchen fuhren wir den angenehmeren Weg Richtung Spanien und dort einige Zeit entlang des teilweise aufgestauten Rio Miño über Ourense bis nach Foz in Galizien. Dort gibt es hinterm Fischmarkt einen Stellplatz für eine Vielzahl an Wohnmobilen. Wenn man mit der Nase aufs Wasser, bzw. das Watt gucken kann, ist das für eine Nacht auszuhalten. 

Der nächste Tag war ein Fahrtag und führte uns bis nach Capbreton in Aquitaine an die französische Atlantikküste. Überraschenderweise war der Stellplatz dort rappeldicke voll. Hauptklientel hier sind offensichtlich Surfer. Schön war der Platz nicht und an der Ver- und Entsorgung war schon abends Stau. Es war windig und kalt und wir hatten keine Vorräte mehr im Wagen und nach der langen Fahrt Hunger bis unter beide Arme. Also liefen wir von dort aus eine halbe Stunde in den Ort und fanden glücklicherweise eine Pizzeria in der Nähe des Rathauses. Die Bedienung war nett und aufmerksam und es wurde witzig. Je mehr Menschen um uns herum sind, die unsere Sprache sprechen, umso leiser werden wir. Je lauter sie werden, desto mehr hört man unbeabsichtigt mit. Ein redseliger Herr mittleren Alters aus Südamerika war gerade auf der Durchreise und versuchte sich auf französisch mit Engländerinnen zu unterhalten. Seine weibliche Begleitung sprach ausschließlich deutsch. Und Alkohol hatten sie alle schon getrunken, sodass die Verständigung immer flüssiger wurde. Jetzt kennen wir nicht nur seine Lebensgeschichte.

Abstecher auf die Île d’Oléron

Im Mai hatte es uns die Île d’Oléron so angetan, dass wir sie nun Ende September noch einmal für drei Tage ansteuerten. Der Campingplatz in Boyardville hatte einen neuen Betreiber, der aber zum Glück bis Ende des Monats durchhalten wollte. Im Gegensatz dazu herrschte im Ort schon fast Totentanz. Die beiden dortigen Plätze waren bereits geschlossen, ebenso fast alle Restaurants. Wir waren froh, dass wir uns zwischendurch mit Gemüse, Öl und Spaghetti eingedeckt hatten. Allerdings gingen uns der Wein und der Orangensaft aus, sodass wir Nachschub brauchten. Der Weinladen mitten im Ort war schnell entdeckt. Der Besitzer erklärte uns auch, welcher Laden noch geöffnet sein könnte und versprach, nicht vor 13:00 Uhr zu schließen. Wirklich damit gerechnet haben, dass wir wiederkommen, wird er nicht, gab es doch in der Superette neben zwei Litern O-Saft und Margarine auch Weinschläuche, aber wir hatten versprochen, bei ihm zu kaufen. Das war auch eine gute Wahl und preislich im Rahmen. 

Dieses Mal hatten wir den Strand und die Fahrradwege fast für uns alleine und haben viel entdeckt und würden gerne wiederkommen. Warum die Saison hier so früh endet, entschließt sich für uns nicht.

Endlose Sandstrände auf der Île d’Oléron

Dinard in der Bretagne

Wenn man noch ein paar Tage unterwegs sein kann und das Wetter in der Bretagne schön ist, sollte man das auf jeden Fall nutzen. Und das sagen wir, die wir nur einen Bruchteil dieser schönen Region kennen. Auch dieses Mal griffen wir auf etwas Bekanntes zurück und steuerten zielgerichtet Dinard an. Aufgrund einer Baustelle am Gezeitenkraftwerk La Rance wurde es zeitlich immer knapper. Um vier vor sechs rollten wir auf die Schranke des Campingplatzes zu und stellten fest: Es ist keiner mehr da. Glücklicherweise hatte das ein Schweizer mitbekommen, der uns sofort anbot, quasi Huckepack mit ihm reinzufahren. Schon wieder eine nette Begegnung, die allerdings das Personal am nächsten Tag nicht so nett fand. Wir haben bezahlt und sind auch einen Tag länger geblieben. Und verraten haben wir ihn natürlich nicht! 

Dieser Ort gefällt uns deshalb so gut, weil man zum einen mit Blick auf die Gezeiten und die vorgelagerten Inselchen auf dem Campingplatz stehen kann und zum anderen, weil man dort wunderbar Fahrrad fahren kann.

Es gibt tolle, landschaftlich schöne Strecken, die man selbst mit Kinderanhänger nutzen könnte. Das Beste sind jedoch die Wanderwege direkt am Wasser entlang. Wir sind fast bis ans Ende in die Bucht von Saint-Malo gelaufen und haben uns das Gezeitenkraftwerk von der Wasserseite aus angeschaut. Diesmal waren wir sogar pünktlich zum Filmfest in Dinard dort und konnten ein bisschen Prominenz und weitere Gäste beobachten. Wir hatten uns gewundert, warum es zu dieser Zeit im Jahr hier so voll ist. Dass uns mehr Zeit hier nicht zur Verfügung stehen würde, war klar. Über den interessanten Ort Bailleul im Nord-pas-de-Calais, das einen deutlich belgischen Touch hat, sind wir dann zurückgefahren. Zwischen Dunkerque und Lille gelegen, gehört diese Ecke zum ehemaligen Französisch-Flandern. Dort haben wir in der Nähe der Bibliothek, mehreren Kirchen und vorm Klöppel-Museum (La maison de la Dentelle) auf einem ruhig gelegenen Stellplatz fast alleine gestanden. Nachts hat sich in die hinterste Ecke noch jemand dazugesellt. Dahinter wäre sogar noch ein Park gewesen, aber wir waren zu spät dort, um diesen noch zu erkunden. 

Wie sich weitere Fahrten künftig gestalten, bleibt spannend. Deshalb haben wir diese ausgedehnte Tour sehr genossen. Ob man als berufstätige Studentin noch weiter entspannt unterwegs sein kann? Wie es gehen könnte, habe ich im Naturpark Peneda-Gerês bei dem jungen Mann gesehen.

2 Gedanken zu „Nordspanien und ein Abstecher nach Portugal

  1. Johanna Willenbring

    Nun sehe ich eine Zeit lang nicht in deinen Blog und schon kann ich einen tollen Bericht über die interessante Reise lesen. Wie immer eine Freude.
    Auf ein Wiedersehen in Aurich und ein kleines Gespräch !
    Liebe Grüße Hanneke

    Antworten
    1. Wibke Hess Beitragsautor

      Liebe Hanneke, so war es ja auch gedacht: als kleine Überraschung, wenn man nach längerer Zeit mal wieder guckt. Schön, dass Du Dich gefreut hast. Ich freue mich darüber und auf ein baldiges Wiedersehen. Liebe Grüße, Wibke

      Antworten

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