Man müsste mal wieder ins Museum gehen!

Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte | Oldenburger Schloss

Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte | Oldenburger Schloss

An einem regnerischen Samstagmittag im April haben wir dem Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Oldenburg einen Besuch abgestattet. Lange schon war dieser geplant; schließlich m u s s man als Oldenburger auch die Oldenburger Museen kennen. Gerne hätten wir ihn bereits gemeinsam mit unserer französischen Austauschschülerin Elia unternommen, die ein paar Tage zuvor abgereist war. Nachdem man ihr innerhalb von acht Tagen acht Ausstellungen in den Zeitplan gedrückt hatte, war sie aber schon ein wenig museumsgeschädigt, vor allem, weil bis auf die Ausnahme des Klimahauses in Bremerhaven für sie und ihre Gruppe alle „langweilig“ waren.

Vorweg: Ganz bestimmt will ich mit meinem Beitrag niemandem auf die Füße treten. Durch meine Arbeit im Kulturbereich weiß ich, wie viel Arbeit hinter der Organisation einer Ausstellung steckt. Allerdings habe ich leider immer wieder festgestellt, dass mein persönlicher Anspruch (!) und die Wirklichkeit hinsichtlich musealer Ausstellungen weit auseinander klaffen. Glücklicherweise ist das bei Kunstausstellungen anders.

Zwei Stunden haben wir in dem drei Stockwerke umfassenden Schloss zugebracht. Von archäologischen Funden aus dem Mittelalter bis hin zu Möbeln, Deko, Geschirr und Radiogeräten aus den 70er-Jahren reichten die Exponate. Einige von ihnen fehlten an ihrem Platz in der Dauerausstellung und tauchten dafür in der Sonderausstellung „Martin Luther und die Welt der Bilder“ (noch zu sehen bis zum 12. Juli) auf. Diese wichtige Ausstellung zum Thema „Reformation“ war mit den entsprechenden Vorkenntnissen durchaus interessant. Für junge Austauschschüler, vielleicht auch noch ohne Konfession und Kenntnisse, wäre sie mehr als nur „langweilig“ gewesen.

Insgesamt war sicherlich einiges an diesem Museumsbesuch aufschlussreich, vielleicht war es einfach zu viel auf einmal. Höhepunkte des Besuches im Oldenburger Schloss sind laut Beschreibung die historischen Prunkräume der von Graf Anton Günther ab 1607 zum repräsentativen Residenzschloss umgebauten, ursprünglich mittelalterlichen, Burg. Am interessantesten fand ich den Ausblick auf die Nazi-Zeit und die Vertreibung der Juden aus der erstaunlich braunen Stadt Oldenburg, weil diese Seite meines mittlerweile eher bunten Wohnorts so gar nicht zu meiner Vorstellung passt.

Ansonsten muss ich zugeben, dass ich im Anschluss wusste, warum ich so lange mit meinem Museumsbesuch gewartet hatte. Natürlich gibt es wunderschöne und/oder interessante Exponate (eines davon sogar gleich im ersten Raum) in diesem durchaus beeindruckenden Haus. Für mich war die Fülle ein wenig erschlagend. Mir sind sofort einige Personen in meinem näheren Umfeld eingefallen, die mit Ausdauer und Genuss noch wesentlich tiefer als wir in diese Ausstellungen eingetaucht wären: Vermutlich bin ich ja doch einfach nur ein Banause, und Museumsbesuche sind eher etwas fürs Bildungsbürgertum? Natürlich ist der Grundsatz von Museen „sammeln, forschen, ausstellen, bewahren“, das weiß ich nicht zuletzt von meiner Übersetzung einiger Texte aus dem Dänischen für die Publikation „Ent-Sammeln – Neue Wege in der Sammlungspolitik von Museen“ von Dirk Heisig. Aber gerade bei den großen Häusern habe ich den Eindruck, dass es unheimlich schwer ist, die Exponate so zu präsentieren, dass auch diejenigen, die wie ich ins Museum gehen, weil sie den Häusern eine Chance geben wollen, ein Aha-Erlebnis beim Museumsbesuch haben.

Alfred Ehrhardt: "Das Watt"

Alfred Ehrhardt: „Das Watt“

Mein persönliches Highlight im Landesmuseum, etwas schwer zu finden, war die Sonderausstellung mit Werken von Alfred Ehrhardt im Obergeschoss mit dem Titel „Das Watt“. Zwischenzeitlich hatte ich mit dem Gedanken gespielt, über diesen Besuch einen Artikel für den Gezeitenblog zu schreiben, hatte es aber verworfen, weil ich befürchtete, zu viele negative Einflüsse aus dem restlichen Museumsbesuch mit einfließen zu lassen. Außerdem war ich erst hier auf die Idee gekommen, dass man heutzutage in Museen vielleicht auch fotografieren darf. In den anderen Bereichen wäre das sogar erlaubt gewesen, hier jedoch leider nicht, wie mich einer der Wärter freundlich belehrte.
Alfred Ehrhardt (1901-1984), Fotograf und Dokumentarfilmer, hat in den Jahren 1933 bis 1936 verschiedenste Facetten des Wattenmeers – Prile, Ebbe, Flut, Sturm – eingefangen und diese Aufnahmen kompositorisch in Szene gesetzt. Den studierten Organisten und späteren Bauhausschüler verband eine Freundschaft mit Wassily Kandinsky. 1934 trat er eine Stelle als Organist und Chorleiter in Cuxhaven an – vermutlich entstanden die meisten seiner Exponate im dortigen Watt. Diese Ausstellung ist noch bis zum 17. Mai in Oldenburg zu sehen. Sie war der Abschluss unseres Rundganges. Mit unserer Eintrittskarte hätten wir zwar noch freien Eintritt im Prinzenpalais gehabt, den Besuch haben wir uns jedoch (erst einmal?) gespart.

Weil ich mit mir selbst und meiner Meinung über diesen Museumsbesuch unzufrieden war, habe ich mich im Anschluss gefragt, welche museale Ausstellung mir bislang am besten gefallen hat. Durch meine Arbeit kenne ich viele Häuser und nutze auch gerne mal im Urlaub die Gelegenheit, mir etwas anzuschauen. Als Kind fand ich Museen zum Thema Landwirtschaft und dem Wohnen auf dem Lande spannend. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir da Åsle Tå in der Nähe von Falköping in Schweden, in dem es mehrere Häuser aus dem 17. und 18. Jahrhundert mit der ursprünglichen Einrichtung und Informationen zum harten Landleben gab – nichts besonders anspruchsvolles, aber wenigstens nicht langweilig und verstaubt, sondern Fantasie beflügelnd. Auch das Landesmuseum für Natur und Mensch in Oldenburg hat mich nicht so begeistert, obwohl ich weiß, dass beide Landesmuseen zu den wichtigen Häusern in Niedersachsen gehören. Mir gefällt dann eher das Ostfriesische Landwirtschaftsmuseum Campen, wo viele der Exponate sogar angefasst werden dürfen und viele Aktionen rund um die beiden Höfe angeboten werden. In den letzten fünfzehn Jahren hat mich nachhaltig die Ausstellung „Hel en Hemel“ im Groninger Museum beeindruckt, die manch deutschem Museumskundler zu verspielt und zu sehr auf den jüngeren Ausstellungsbesucher ausgelegt war. Zumindest war sie spannend und glich mehr einer Inszenierung. Thema war das Mittelalter in den nördlichen Niederlanden, und man hatte den walisischen Filmregisseur Peter Greenaway mit der Umsetzung der Konzeption des Buchwissenschaftlers und Kunsthistorikers Jos Hermans von der Reichsuniversität Groningen beauftragt. Es gab sogar Licht- und Soundeffekte!

Gut gefallen hat mir unser Besuch in der Neuen Pinakothek und der Städtischen Galerie im Lenbachhaus anlässlich einer Klassenfahrt nach München. Das ist nun schon zwanzig Jahre her, und dort gab es wieder Bilder, u. a. von Wassily Kandinsky, Franz Marc sowie August Macke, die wir ausführlich besprochen haben. Genauso haben mich die Akt-, Munch- und Jawlensky-Ausstellungen in der Kunsthalle Emden sehr beeindruckt, ebenso der „Blaue Reiter“ in der Kunsthalle Bremen oder „Von Kirchner bis Kandinsky“ im Groninger Museum. Und natürlich war ich mehr als einmal im Horst-Janssen-Museum in Oldenburg. Kunsthallen-Plakate zierten lange meine Wohnung und befinden sich immer noch in meinem Fundus. Künftig werde ich mich besser auf die Bildende Kunst beschränken – bis ich mal wieder denke: „Man müsste auch mal wieder ins Museum gehen!“ Aber dann suche ich hoffentlich etwas aus, was zu mir passt und gehe nicht spontan, sondern informiere mich vorab ausgiebig im Internet. Vorgenommen habe ich mir für dieses Jahr noch die Ausstellung „Fahrrad und Mobilität„, die es seit Februar dieses Jahres im Museumsdorf Cloppenburg zu sehen gibt. Wenn ich jetzt nicht „niedergeknüppelt“ werde, weil ich mich erdreistet habe, einen kritischen Blogpost zu meinem letzten Museumsbesuch zu schreiben, werde ich es im Anschluss noch einmal versuchen.

Welche Ausstellungen haben Sie beeindruckt? Was schwebt Ihnen vor, und welche Themen interessieren Sie? Oder haben Sie die Museumsbesuche bereits komplett aufgegeben?

Ein Gedanke zu „Man müsste mal wieder ins Museum gehen!

  1. Pingback: Frankreich-Rundtour Frühjahr 2015 - Wibke Heß

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