Frankreich-Rundtour Frühjahr 2015

Verspätete Abfahrt zu Beginn

Typische Bauweise in der Normandie

Typische Bauweise in der Normandie

Seit Anfang des Jahres dürfen bei Kastenwagen die Gasflaschen innen nicht mehr im Wagen befüllt werden, sondern benötigen einen extra eingebauten Außenanschluss. „Nützt ja nichts!“, sagt man bei uns so schön. Und es gibt da ja den Kastenwagenmann unseres Vertrauens, der diesen flugs einbauen kann. Womit wir nicht gerechnet hatten, waren Überbelastung und verdiente Urlaubstage des TÜV-Prüfers, der diesen Einbau abnehmen musste. So verkürzte sich unser Urlaub mal eben um eine Woche, die wir gerne genutzt hätten, um bis nach Portugal zu fahren, wo die Wetterprognosen uns Temperaturen um die 25°C und reichlich Sonne versprachen. Also wurde in der Wartezeit umdisponiert, ein Museum besucht und die Reiseführer für Frankreich hervorgekramt.

Erste Übernachtung in Wachtendonk

Am Mittwoch konnten wir unseren Kastenwagen endlich abholen. Auf dem Rückweg haben wir aufgrund des Starkwindes die Huntebrücke mal rechts liegen lassen und sind außen rum gefahren, was auch gut war, da ein Lieferwagen in der gleichen Kampfklasse dort spontan Kontakt zur Autobahn-Leitplanke gesucht hatte und die Strecke für die Bergung gesperrt werden musste. Bei Regen und Wind wurde zügig gepackt. Gegen Nachmittag erreichte Sturmtief Niklas seinen Höhepunkt, brachte den Zugverkehr streckenweise zum Erliegen und behinderte durch umstürzende Bäume etc. den Verkehr auf den Straßen. Um halb fünf wollten wir nicht länger warten und machten uns auf den Weg. Als erstes Ziel hatten wir Wachtendonk in der Nähe von Venlo gewählt, was sich noch so gerade im Hellen erreichen ließ. Dort gibt es einen netten Stellplatz (5,00 Euro) in Fußentfernung zum alten Ortskern, wo wir bei Büskens noch eine Kleinigkeit gegessen und getrunken haben. Trotz Gewitters haben wir auf dem befestigten Platz kurz vor dem Freibad und an der Nette gelegen, gut geschlafen.

Über Sedan – Reims – Troyes nach Chaource

Die Kirche in Chaource mit ihren reichen Verzierungen

Die Kirche in Chaource mit ihren reichen Verzierungen

Zwar steht bei mir als Warnung in meinem Heftchen für Notizen, dass man Maastricht (Niederlande) aufgrund der Riesenbaustelle „Groener Loeper“ (Fern- und Durchgangsverkehr bekommen angeblich bis 2016 einen Tunnel mitten unter der Stadt) meiden sollte, aber wir fallen regelmäßig dennoch darauf rein und gucken uns den Fortschritt an. Diesmal kamen wir relativ gut durch. Weiter ging es durch Belgien nach Frankreich, wo wir über Sedan und Attigny (sehr schöner Ort an der L’Aisne und dem Canal des Ardennes, sogar mit bereits geöffnetem Campingplatz) die Durchfahrt durch Paris vermieden. Die Strecke war interessant, kannten wir doch bislang das „Monument de la ferme de Navarin“ an der D977 mit den drei Soldaten an der Spitze einer Pyramide genauso wenig wie die nach wenigen Kilometern bei Suippes (östlich von Reims) folgende Gedenkstätte „Centre Marne 14-18“ noch nicht, obwohl es nicht unsere erste Fahrt durch die Champagne-Ardenne war. Beide sind häufig angesteuerte Ziele, u. a. auch von Schulklassen. Leider ist das Foto verschwunden. Châlons-en-Champagne an der Marne mit seinem Triumphbogen war ebenfalls nett anzusehen. So langsam war die Etappe lang genug, um einen Stellplatz anzusteuern. Gelandet sind wir in Chaource, ca. 30 km südlich von Troyes. Auf einer Wiese war hier mitten in einem kleinen Örtchen mit kleinem Laden und immerhin zwei Bäckern auf einer Wiese ein Stellplatz angelegt worden, wo man ganzjährig alles, was das Herz begehrt, bekommen kann, sofern denn die Mairie (Rathaus) oder die beiden Bäcker die entsprechenden Jetons zur Strom- oder Wasserentnahme vorrätig haben. Die „Auberge sans nom“ hatte bereits seit Jahren geschlossen, aber die Pizzeria gegenüber war okay. Andere Gäste des Platzes hatten sich zum etwas außerhalb gelegenen Restaurant beim Ortseingang begeben. Da es noch relativ früh war, haben wir uns den Ort noch etwas genauer angeguckt: die Kirche mit ihren witzigen Figuren von außen, das lange geschlossene Spielzeugmuseum, das Klärwerk in der Nähe des Flusses – und das war es dann auch schon, wenn man mal von den poussierlichen Tierchen mit den langen Schwänzen im Bach absieht.

Zwischenstopp in Sévérac-le-Château

Sévérac-le-Château

Sévérac-le-Château

Bei Regen und Temperaturen um die zwölf Grad ging es am nächsten Morgen weiter durch die Champagne bis ins Languedoc. Als nächstes kamen wir durch Auxerre, Hauptort des Départements Yonne in der Bourgogne, eine wunderschöne Kleinstadt, die bestimmt einen Stopp lohnt. In der Rue Etienne Dolet soll es einen kostenfreien Stellplatz geben. Die Kathedrale nimmt den Blick jedenfalls schnell gefangen, bevor es über die Yonne aus der Stadt herausgeht. Chablis mit seinen Weinbergen ist bestimmt etwas für die Weißweinliebhaber: Die Weinbauern haben auch schon das Potenzial der Wohnmobilfahrer erkannt und bieten Stellplätze mit Weinverkostung und –verkauf an. In Sévérac-le-Château gibt es einen kleinen Campingplatz mit schönem Blick auf ein Schloss hoch oben über dem Ort. Es gibt dort übrigens ganz in der Nähe einen Stellplatz direkt an der Autobahn (steuern wir aus Sicherheitsgründen nicht mehr an) und einen weiteren Campingplatz in Sévérac l’Église. Nachdem wir uns nun alle drei Übernachtungsmöglichkeiten angeguckt und beide Campingplätze ausprobiert haben, wissen wir ganz klar, dass dieser in Sévérac-le-Château unser Favorit ist. Die Betreiber sind nett, und es herrscht eine angenehme Atmosphäre. Brot vorbestellen war möglich, sodass das Frühstück gesichert war. Sogar der überdachte Pool war bereits gefüllt und wartete auf Besucher. Wenn man von dort aus zu Fuß über den Berg in den nahegelegenen Ort marschiert, bekommt man auch ein wenig Bewegung. Dort gibt es neben einem Bäcker und einem Tabac-Laden einen Bahnhof, eine Pizzeria und ein Hotel-Restaurant, in dem allerdings nichts los war. Also gab es mal wieder Pizza und im Wagen noch ein Glas Wein. Aufgrund der Außentemperaturen haben wir sogar ausnahmsweise mal eingeheizt.

Auf einmal Agde

Der Blick auf Agde am Hérault

Der Blick auf Agde am Hérault

Als Hauptziel hatten wir uns Narbonne überlegt, da die Wettervorhersage für die Region Languedoc-Roussillon vielversprechend schien. Im Sommer bekommt man dort vermutlich kein Bein an die Erde. Mehr als einmal sind wir dort am Mittelmeer auf der Durchreise langgefahren und fanden die Ecke sehr reizvoll. Gespannt fuhren wir also mautfrei weiter über die A 75 (von Clermont-Ferrand bis Béziers) Richtung Süden. Nach Möglichkeit verzichten wir aus Kostengründen auf Mautstraßen und folgen dem Motto „Der Weg ist das Ziel“. Eine sinnvolle Ausnahme gibt es jedoch: Wenn man Millau am Tarn schon einmal gesehen hat, sollte man die Mautgebühr (11,20 Euro) für die Brückennutzung (viaduc de Millau, sehenswert) investieren und nicht mitten durch die Stadt und anschließend eine halbe Stunde durch die Serpentinen kurven.

Kurz vorm Campingplatz: Der Blick auf den Hérault von einer Bank aus

Kurz vorm Campingplatz: Der Blick auf den Hérault von einer Bank aus

Gegen Mittag standen wir auf einmal in Agde, kurvten durch das Städtchen, standen Navi bedingt zweimal vor der für den Kastenwagen zu niedrigen Eisenbahnbrücke und machten dann direkt am Fluss Hérault mit Blick auf einen Campingplatz an der gegenüberliegenden Seite halt, um auf die Karte zu schauen. Dann guckten wir uns jedoch an und überlegten laut, Agde noch eine weitere Chance zu geben. Einmal waren wir im Herbst auf der Durchreise hier. Da wehte es so stark, dass der Herr Sohn damals nicht einmal die Bulli-Tür öffnen konnte. Das andere Mal haben wir eine Nacht vor einem Campingplatz irgendwo in einem Urlauberviertel verbracht und fanden das sehr uncharmant. Der Blick auf den Fluss machte aber Lust auf mehr, und das Wetter war endlich auch hier gut. So landeten wir auf dem Camping La Pépinière in Grau d’Agde, direkt neben einem Winterquartier für Boote. Schließlich hätten wir von hier aus immer noch weiter nach Narbonne fahren können. Es gefiel uns aber ausnehmend gut hier. Dank der frühen Ankunft konnten wir uns gleich auf die Räder schwingen und alles näher in Augenschein nehmen. Ich mag Flüsse, und ich mag das Meer. Hier gab es beides. Sicherlich: Einige Straßen, deren Häuser ausschließlich in der Hauptsaison bewohnt sind, kann man meiden. Aber die „Fressmeile“ an der Flussmündung war bereits aufgebaut, dort gab es auch in zweiter Reihe einen kleinen Marktplatz mit netten Geschäften und einem Bäcker. Das Fischlokal auf dem Weg in die Stadt machte zwar einen netten Eindruck, aber unsere beiden Fische waren nicht sauber ausgenommen, und die Besitzerin bekundete ihre Sympathie mit Marine Le Pen. Und es gab Fahrradwege an der Küste entlang. Geblieben sind wir in Agde vier Tage. An einem war es sehr stürmisch, aber warm. Strandwetter gab es nicht, aber genug Möglichkeiten für Radtouren bis zum legendären Cap d’Agde mit dem riesigen FKK-Campingplatz, über den Michel Houellebecq in seinem bekannten Buch „Elementarteilchen“ schreibt, durch die Berge oder entlang des Héraults zum Restaurant „La Guinguette“ an einem Nebenfluss u.v.m.

La Guinguette an einer der Schleusen

La Guinguette an einer der Schleusen

Auch Béziers hätte gelockt, aber dafür sind wir nicht lange genug geblieben. Stattdessen haben wir uns überlegt, an der Atlantikküste weiter Richtung Norden zu fahren. Am letzten Morgen machte Dirk sich noch einmal kurz unbeliebt, indem er einem englischen Pärchen, das mit seinem Wohnmobil lange mit laufenden Motor über der Grauwasser-Ablassstelle stand, in aller Ruhe Frischwasser nachtankte und andere Sachen machte, die vor einer langen Weiterreise so sinnvoll sind, mit bösem Blick ein Zeichen mache, den Motor abzuschalten. Gefühlt sagte er: „Turn off your engine or I’ll switch off your lights!“. Erschrocken leistete der Mann Folge. Im Anschluss habe ich mir dann erlaubt, ihn aufzuklären, dass man Briten gegenüber immer “very polite” begegnet. Im Grunde hatte er aber Recht und ich insgeheim meinen Spaß.
Sympathisch war auch die Aussage der Campingplatz-Inhaberin als ich sagte, wir bräuchten keine Rechnung: „Wo kommen wir denn hin, wenn niemand mehr Rechnungen erstellt und abrechnet? Wir wollen doch alle unsere Steuern noch bezahlen können. Das mag ja in manchen Ländern Europas bei Barzahlung häufiger vorkommen, aber das ist doch nicht richtig!“ Der Normalpreis für den Platz lag übrigens nur unwesentlich über dem ACSI-Tarif!

Neues französisches Radwegnetz

Auf der Fahrt von Agde Richtung Atlantik ist uns mehrfach der Hinweis auf die „voies vertes“, die Fahrradrennbahnen über stillgelegte Bahntrassen, aufgefallen. Insgesamt sind es über 800 km Radweg „Canal des deux mers à vélo“ die – in diesem Fall – von Agde bis Royan nördlich von Bordeaux gehen und sehr einladend aussehen. Die Lücken scheinen just zu Saisonbeginn 2015 geschlossen worden zu sein. Gerade zwischen Toulouse und Montauban gibt es viele Parkplätze, die zu Etappen einladen. Eifrig genutzt wurden die Pisten von älteren E-Bike-Fahrern. Mich würden sie mit viel Zeit im Rücken und Gepäcktransport auch reizen, allerdings ohne E. Hier kann man sich ja sogar das Fahrradfahren mit Kind vorstellen, was ich bislang in den meisten Teilen Frankreichs immer etwas anspruchsvoller fand, aufgrund fehlender Radwege. Und ich teile mir die Fahrbahn ungern mit einheimischen Autofahrern, die gar nicht mit Fahrradfahrern rechnen.

Weniger gelungene Stopps

In Biscarosse legten wir den ersten Zwischenstopp ein. Dort gibt es einen großen Campingplatz (Mayotte Vacances) direkt am See und wir hatten das Gefühl, wir wären mitten im Nirgendwo. Der See ist schön. Auf dem Platz gab es auch etwas zu essen, und es war verhältnismäßig viel los, sogar so viel, dass die Gastronomie schon sehr abgegrast war. Irgendwie war es lustig und die Bedienung sehr nett. Sogar der Koch ließ sich blicken und entschuldigte sich. Bevor wir auf den Platz fuhren, hatten wir mit dem Auto noch ein paar Schlenker durch den Ort und die Umgebung gemacht und das Manöver am nächsten Morgen noch einmal wiederholt. Warum so viele – gerade Deutsche – diese Gegend so toll finden, hat sich uns nicht erschlossen. Aber vielleicht waren wir an der falschen Stelle. Etwas besser gefiel uns noch der Stellplatz (kostenpflichtig) an der Marina etwa einen Kilometer entfernt, den wir bei einem Spaziergang durch den Wald (direkt am See zu laufen, war nicht möglich) entdeckt hatten.
Über Bordeaux ging es dann bei La Rochelle wieder an die Küste. Dort gefiel es uns eigentlich ganz gut, aber es wurde voll, und wir konnten dem Stau auf der Strecke Richtung Innenstadt und Insel im letzten Moment entkommen. Sicherlich hätte man dort auch ein nettes Plätzchen zum Übernachten finden können, aber nicht an diesem Wochenende. Also haben wir uns weiter entlang der Küste vorgearbeitet. Einiges war nett, aber nicht verlockend genug, um zu bleiben, andere Orte und Plätze sprachen uns überhaupt nicht an. Grundsätzlich war es sehr entspannend fürs Auge, durch fruchtbares Land, immer wieder von Flüsschen unterbrochen und mit Blick aufs Meer zu fahren. In Brem-sur-Mer haben wir die Reißleine gezogen und den Campingplatz Le Chaponnet dort angesteuert. Nach der Pizza in der Platzgastronomie wollten wir noch einen Spaziergang ans Meer machen. Durch Siedlungen hindurch in Richtung eines anderen Campingplatzes und dann durch ein Wäldchen, über einen Acker, durch die Heide versuchten wir uns vorzutasten, mussten aber dann dank der hereinbrechenden Dunkelheit, das Meer hörend, abbrechen. Vielleicht gelingt es beim nächsten Mal. Wir sehen ja viele unserer Fahrten erst einmal als Erkundungstour, bei der man sich bestimmte Orte merkt. Da unsere Zeit nun einmal begrenzt ist, haben wir uns dazu entschlossen, die Küste eine Weile zu verlassen und über Nantes nach Dinard in der Nordbretagne zu fahren.

Dinard – Bretagne

Strand unterhalb des Campingplatzes La Touesse westlich von Dinard

Strand unterhalb des Campingplatzes La Touesse westlich von Dinard

Über den ACSI-Stellplatzführer hatten wir uns zunächst einen Platz oberhalb des Dorfes auf einer Wiese ausgesucht: La Touesse. Dort wurde unter Hochdruck an einem Swimmingpool-Bereich gearbeitet. An der Rezeption gab es eine aussagekräftige Karte, leider nur als Leihgabe, weil sie vergriffen war. Mit deren Hilfe haben wir uns schnell zu Fuß zum Meer aufgemacht – endlich mal wieder Gezeiten! Tolle Villen stehen dort überall an der Küste und gucken aufs Wasser und kleine Inseln, teilweise bewohnt. Entlang der Küstenlinie führt einer der großen Wanderwege u. a. in den Ort. Gemäß App haben wir an diesem Abend diverse Stockwerke erklommen und knappe zehn Kilometer zurückgelegt. In Dinard führte der Weg direkt an einem Campingplatz mit Meerblick „port blanc“ (ich ahnte schon, was im Verlauf des Abends noch kommen würde) entlang. Schon im 19. Jahrhundert war das Städtchen als Tourismusort bekannt. Es galt für die Engländer als chic, eine Stadtvilla zu besitzen. Mittlerweile sind diese eher wieder in den Händen der Franzosen, aber es gibt immer noch viele englische Gäste. Das machte sich gleich in dem von uns ausgewählten Restaurant „Vents et Marées“ bemerkbar, wo wir auf Englisch begrüßt wurden. Erst als ich französisch antwortete, wurde erstaunt umgeschwenkt. Selbst wenn ich nicht alles verstehe, konnte ich mich noch nie an die englischen Ausdrücke für die Gerichte gewöhnen und kann die Fischsorten nicht zuordnen. Lecker war’s und interessant, die anderen Gäste, darunter viele Engländer, zu beobachten. Die Campingplätze sollen im Sommer jedoch laut Michael-Müller-Reiseführer fest in den Händen der Franzosen sein.

Pompöse Villen in Dinard

Pompöse Villen in Dinard

Am Folgetag haben wir auf den Camping Municipal mit den schönen Stellplätzen mit Blick aufs Wasser (und „meine“ Insel) gewechselt und dort für zwei Tage gebucht. Mehr war dann ohnehin nicht mehr drin. Aber die Zeit haben wir sehr genossen. Von Dinard führt eine schöne schöne „voie verte“ nach Dinan. Der Einstieg ist ein wenig versteckt, doch die Route selbst sehr lohnenswert. Von dort aus lässt sich über die normalen Straßen auch ein Rundparcours fahren, wenn man von Pleurtuit aus Richtung Saint-Lunaire und von dort aus zurück nach Dinard radelt. So haben wir in drei Tagen doch noch ein kleines Sportprogramm eingebaut, was auch dringend notwendig war. Diese Ecke hat uns so gut gefallen, dass wir gerne noch einmal wiederkommen wollen. Die Bretagne hat ja noch einiges zu bieten, und wir haben nur einen Bruchteil davon gesehen.
Leider mussten wir St.-Malo dieses Mal links liegen lassen, haben aber natürlich den Damm mit dem Gezeitenkraftwerk „La Rance“ überquert. Schon 1967 wurde Strom ins Netz eingespeist. Somit war dieses Gezeitenkraftwerk das erste kommerziell genutzte der Welt. Namensgeber ist der Fluss Rance.

Le Mont-Saint-Michel

Le Mont-Saint-Michel

Le Mont-Saint-Michel

Wenn man schon einmal in der Nebensaison in der Gegend ist, muss man die Gelegenheit nutzen, sich den Mont-Saint-Michel anzuschauen. Dieses imposante Kloster, gebaut ab dem 11. Jahrhundert auf einer Felseninsel etwa einen Kilometer vom Ufer entfernt, ist seit 1979 Weltkulturerbe und Touristenmagnet. Mittlerweile gibt es einen riesigen kostenpflichtigen Parkplatz mit Busshuttle über den nachträglich angelegten Damm. Als kleines Kind hatte ich ein französisches Bilderbuch, in dem sehr schön beschrieben wurde, was es für eine Plackerei gewesen sein muss, dieses Kloster aufzubauen. Uns reichte der Blick aus der Ferne, da dort selbst zu dieser Zeit viele Touristen unterwegs waren. Die zahlreichen Campinglätze deuteten an, was in der Hauptsaison so los sein könnte. Vor über dreißig Jahren gab es neben dem Bilderbuch irgendwann um Pfingsten herum einmal Salzwiesenlamm mit Minze irgendwo in der Basse-Normandie, als meine Mutter, mein Vater und ich im Golf I kurzfristig hierher aufgebrochen waren und im Auto übernachtet haben.

Die Normandie

Les Falaises - die Klippen bei St.-Pierre-en-Port

Les Falaises – die Klippen bei St.-Pierre-en-Port

Saint-Pierre-en-Port mit dem Campingplatz La Falaise war unser letzter Zwischenstopp in der Normandie. Der Empfang auf dem Platz war sehr nett. Wir haben uns einen Platz etwas außerhalb des Normalbetriebs (viele Langzeit-Camper) auf einer Wiese mit Blick auf die Klippen gesucht und zu Fuß die Gegend erkundet. An den Klippen gab es immer noch einige Bunker, teilweise mit einem kleinen Teich davor. Auch hier trafen wir wieder auf den großen gelb markierten Wanderweg, wollten aber lieber zurück in den Ort, um zu gucken, ob wir kochen müssen oder irgendwo etwas zu essen bekommen. Interessant fand ich die Bauweise in der Normandie mit den relativ flachen Fachwerkhäusern.

Haus in St.-Pierre-en-Port

Haus in St.-Pierre-en-Port

Es gab sogar eine Tourist-Information, die tatsächlich besetzt war; allerdings war der junge Mann nicht besonders willig, uns einen Tipp zu geben. Schräg gegenüber gab es letztendlich das Saint-Pierre, in dem wir uns für halb sieben einen Tisch und gleich das Essen reservierten: der Treffpunkt des Ortes. Unser Fleischgericht vom Schlachter nebenan war lecker, die Atmosphäre witzig und garantiert „Touri-frei“, wenn man von uns beiden absah. Mein Rückweg bot mir noch einen Blick auf den Zugang zum Wasser. Da der Regen einsetzte und der Weg steil abfiel, habe ich jedoch auf das Gekraxel verzichtet. Ein wenig befremdlich fand ich die Hinweise auf die Möglichkeit einer nuklearen Katastrophe und die Jod-Tabletten, die man ggf. zu sich nehmen soll. Grund dafür ist das keine zwanzig Kilometer entfernte Kernkraftwerk Paluel. Im Juli 2015 gab es dort übrigens einen Brand in einem Kondensator, der jedoch innerhalb von sechs Stunden gelöscht werden konnte. Radioaktivität ist dabei sicherlich nicht ausgetreten.
Bei wiederum 13°C und Regen ging es am Folgetag auf dem direkten Weg zurück. Wir hatten noch mit einem Zwischenstopp in Holland geliebäugelt, aber als wir kurz vor dem ausgewiesenen Stellplatz an einer Marina auf einen Kühlturm blickten, sind wir dann doch lieber durchgefahren.

Toller Ausblick auf Stellplatz und Kühlturm - dann doch lieber direkt nach Hause

Toller Ausblick auf Stellplatz und Kühlturm – dann doch lieber direkt nach Hause

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