Endlich wieder Portugal

Portugal – Atlantik zwischen Caminha und Ancôra

Portugal ist für uns ein Ziel, das wir auch in einem zehntägigen Urlaub ansteuern würden und für das wir auch schon Italien verlassen und dorthin gefahren sind. Glücklicherweise hatten wir im Herbst knapp drei Wochen Zeit. Da ich mich, um dorthin zu kommen, nicht in den Flieger ab Bremen setze, sondern für mich „der Weg das Ziel“ ist, gehört auch die mehrtägige Anreise dazu. Für wen diese nicht interessant ist, kommt hier der Link zum Direkteinstieg in Portugal.

Erste Zwischenstation: Bouillon

Burg Bouillon

Am ersten Tag ging es bis nach Bouillon im Süd-Osten Belgiens, keine zwanzig Kilometer von der französischen Grenze entfernt. Dort gibt es direkt am Ufer der Semois, ein schön mäandrierendes Flüsschen, mit Blick auf die große Festungsanlage einen nett angelegten Stellplatz, von dem aus man zu Fuß in einer guten Viertelstunde im hübschen Ort ist. Die Burg Bouillon stammt aus dem 11. Jahrhundert und wurde im 17. Jahrhundert zur imposanten dreiteiligen Festungsanlage ausgebaut. Auffällig ist die doppelte Zugbrücke. Vor dem Burgtor tummelten sich trotz der Nachsaison noch einige Besucher verschiedener Nationen.
Im Städtchen gab es an diesem Abend nur zwei geöffnete Lokale, die etwas zu essen anboten. Wir entschieden uns für das mit dem schöneren Blick auf den Fluss und der einladenden Terrasse. Dort wurde die Pizza im Außenofen in unserem Rücken gebacken. Leider mussten wir dank der personellen Unterbesetzung zwei Stunden auf unser Essen warten, was aber durch die Aussicht und die unterhaltsamen Reaktionen der anderen Gäste nicht dramatisch war, abgesehen davon, dass es frisch wurde. Der Verdauungsspaziergang zum Aufwärmen zurück zum Kastenwagen führte uns den längeren Weg um die Stadt herum immer am Fluss entlang. Von Bouillon aus kann man schöne Wanderungen unternehmen (Touren sind ausgeschildert), per Kanu oder Kajak (Verleihstation in Fußentfernung) den Fluss erkunden oder sogar ein Bad in ihm nehmen und die Dusche sparen.

Valençay mit Bœuf Bourguignon

Valençay

Wir wollten uns diesmal nicht übermäßig lange in Frankreich aufhalten, sondern uns relativ zügig unserem Ziel Portugal nähern. So war auf der Hinfahrt der Stellplatz in Valençay unsere einzige Zwischenstation, nachdem wir den in Vierzon am Kanal angesteuert, aber aufgrund der nächtlichen möglichen Beschallung durch den Zirkus in unmittelbarer Nachbarschaft wieder verlassen hatten (im ACSI wurde bereits vor „Lärmbelästigung“ gewarnt). In Valençay erwartete uns ein eher schlichter Parkplatz mit Neigung direkt hinter dem Office du Tourisme in der Nähe zum Schloss und zur Innenstadt (gut ausgeschildert). Nachdem wir alle Gassen im Stadtkern abgelaufen hatten, landeten wir auf der Suche nach etwas Essbarem wieder am zentralen Platz und guckten erneut auf die kleine Karte des Cafés, auf der aber nur Kleinigkeiten draufstanden. Der Kellner war ausnehmend freundlich und hatte großes Verständnis dafür, dass wir mehr als nur ein Sandwich essen wollten und bot an, uns einen Platz in einem Restaurant zu reservieren. Höflich wollten wir das abbiegen, aber er ließ sich nicht beirren und wurde von seinen Gästen unterstützt. Und so kamen wir zu unserem ersten Bœuf Bourguignon in Frankreich, das Alex vom „Au Bon Coin“ zwei Kilometer die D4 hinab für uns brutzelte. Vorweg gab es einen leckeren Salat. Ehrlicherweise muss ich sagen, dass ich nicht weiß, ob wir ohne diese wahnsinnig nette Unterstützung einerseits das Lokal am äußersten Ende des Ortes gefunden und auch noch betreten hätten. An der Theke stand die übliche Gang, die sich vermutlich jeden Abend auf ein Bierchen, einen Schnaps und die Zigarette trifft und uns Neuankömmlinge amüsiert begrüßte. Alex war sehr bemüht, und sein Essen schmeckte gut. Der Rückweg sorgte für ausgelüftete Klamotten und führte uns noch einmal auf den Platz, wo im Café gerade ausgefegt wurde. Wir haben uns noch einmal herzlich für die Vermittlung bedankt, was sehr gut ankam. Toll, dass es Menschen gibt, die selbstlos dusselige Touristen unterstützen. Vielleicht sollte ich mehr an meiner Langmut arbeiten!

Noch einmal Nordspanien

Blick auf Hondaribbia und Frankreich

Wir waren schon mehrere Male in Portugal und haben zumeist die Route durch den nördlichen Teil des Landes über Burgos genommen. Nachdem wir vor zwei Jahren von der Nordspanischen Küste geflohen waren, wollten wir es nun in der Nebensaison noch einmal wissen und die „richtige“ Nordroute entlang der Küste befahren. Erste Station war Hondarribia, direkt hinter der Grenze. Auch wenn wir ihn länger suchen mussten, fanden wir am späten Nachmittag den Campingplatz „Faro de higuer“ und checkten ein. Auch wenn es viele Dauercamper gibt, ist es ein schöner Platz neben besagtem Leuchtturm. Für Wohnmobile gibt es einen Platz direkt vorm Waschhaus mit Blick aufs Wasser. Entgegen der Angaben an der Rezeption hatte das Restaurant auf dem Platz geschlossen und das mit den leckeren Gerichten auf der Speisekarte am Leuchtturm ebenfalls, sodass es erstmalig auf dieser Fahrt Spagetti gab. Gibt es etwas Schöneres, als die bei einem Glas Wein im Kerzenlicht mit Blick auf den Sonnenuntergang über den Klippen im Wagen zu genießen?

Durch unsere Sommer-Erfahrungen wussten wir, dass wir uns die Camping- und Stellplätze an der Küste bis Santander sparen konnten. Natürlich wird es auch dort noch ein paar versteckte Kleinode geben, aber für uns war es nützlich, dass wir uns auf den Teil danach konzentrieren konnten. Auf der Autobahn kannten wir bis Santander fast jeden Namen, da wir dort einiges angesteuert hatten. Hätten wir uns nicht schon dermaßen auf Portugal eingeschossen, wären zwischen Llanes und A Coruña bestimmt einige Ziele in Frage gekommen. Das, was wir allein vom Wagen aus unterwegs sahen, machte schon Lust auf mehr. Je weiter wir allerdings nach Westen vordrangen, desto diesiger und feuchter wurde es, sodass wir doch wieder weiterfuhren als ursprünglich gedacht. In Ribadeo hätte es einen Stellplatz am Fluss beim Hafen gegeben mit Blick auf die Brücke. Leider war es zu spät, abzudrehen, als ich diesen erspähte.

Fels mit blauem Stuhl und andächtigen Surfern in Barreiros

Aber in Barreiros (Lugo) war noch ein Campingplatz ausgeschildert, sogar noch, nachdem wir die Hauptstraße verlassen hatten. Viele Surfer standen mit ihren Bullis und Kastenwagen frei am Straßenrand oder auf den Parkplätzen: Bei dem Wetter treibt sich da sonst auch kaum jemand rum. Auf dem Camping Gaivota machten wir leider den Fehler, uns im Restaurant für abends anzukündigen. So mag man ja nicht spontan wieder absagen. Erst einmal erkundeten wir aber die Gegend, bis wir so durchgepustet waren, dass wir auf ein Bier irgendwo an der Straße einkehrten und dem Surfer-Treiben zuguckten. Wieder zurück, „genossen“ wir auf der liebevoll angelegten und begrünten Restaurant-Terrasse eine Tiefkühl-Pizza nach Wahl. Die war leider richtig schlecht und lag im Magen wie Beton. Im Anschluss stand dementsprechend ein weiterer Spaziergang in die andere Richtung an. Bis zum Ortseingang von Foz sind wir an der Straße entlanggelaufen, wo wir von weitem einige Restaurants erkennen konnten. Besser wäre es gewesen, sich aufs Rad zu setzen und gleich nach Foz zu fahren. Entschädigt hat uns auf jeden Fall der Rückweg barfuß durch den Sand und ein paar Priele bis zum Campingplatz zurück. Wenn man von der Pizza einmal absieht, ist es nett dort!

Schon in Frankreich hatten wir die ersten Pilger gesehen, und auch in Spanien kreuzten wir mehrfach den Jakobsweg. Nun waren wir schon am anderen Ende Nordspaniens angelangt: Dann kann man auch noch bis Fisterra (manchmal auch Finisterra), dem absoluten Endpunkt des Pilgerweges hinter Santiago de Compostela, fahren. Entlang ausgetrockneter oder zumindest sehr entwässerter Stauseen ging es dem Ende der Welt entgegen. Je näher wir diesem Ziel kamen, desto höher wurde das Pilgeraufkommen. Auch wir wurden auf dem Parkplatz unterhalb des Leuchtturms bei unserer Kaffeepause immer wieder freundlich gegrüßt und antworteten mit „buen camino“.

In dieser Ecke Spaniens gibt es wieder einmal ein paar bauliche Besonderheiten. Fast jedes ältere Anwesen hatte eine Art hochgelegten Schuppen, in dem vermutlich irgendetwas, vielleicht Heu, getrocknet wird. Da es leider zwischenzeitlich in Strömen goss, war es nicht so einfach, diese interessanten Speicher aufs Foto zu bekommen.

Auf dem Weg nach Portugal sahen wir entlang der Autobahn erste Anzeichen der diesjährigen verheerenden Waldbrände, kurz hinter der Grenze bei Valença weitere. Ich möchte nicht wissen, wie es in dem tollen Naturschutzgebiet Peneda-Gerês an der Grenze zu Spanien aussieht.

Endlich Portugal

Caminha – Cristelo: Blick auf die Festung Forte de Insúa

Vor drei Jahren waren wir das letzte Mal in Portugal. Für mich ist dieses Land inklusive Sprache und Leuten eines der schönsten Europas! Gerade der grüne Norden mit seinen Flüssen und kilometerlangen Sandstränden, sprühender Gischt unter einem häufig leuchtend blauen Himmel, duftenden Pflanzen und attraktiven Radwegen hat es mir angetan. Caminha, direkt an der Mündung des Rio Minho mit Blick auf Spanien, gefällt mir besonders. In einem Wäldchen zwischen Meer und Fluss liegt dort ein großer Orbitur-Campingplatz, der zu meinen Favoriten dieser Gattung gehört. Von dort aus führt ein Bohlenweg direkt an der tidebeeinflussten Flussmündung entlang in die Stadt. Bei Ebbe liegen hier die Boote auf dem Trockenen. Im Sommer pendeln vom Hafen aus Boote auf die gegenüberliegende Seite. Direkt am Fluss entlang führt eine vor einigen Jahren neu angelegte „eco pista“, ein Fahrradweg. Auch am Atlantik entlang kann man mittlerweile bis Esposende überwiegend direkt mit Meerblick entlang hervorragend radeln. Das konnte man vor drei Jahren auch schon, allerdings habe ich mir da noch an der Buckelpiste mit dem Mountainbike mein Knie an einem Findling aufgeschlagen, während Sohn und Mann genüsslich über Stock und Stein pedalierten. Mittlerweile kommt man über befestigte Wege, zwischendurch auch Bohlenstege, auch mit dem „lekkeren Gazelle fiets“ mit geringerer Anstrengung zumindest bis Viana do Castelo.

Grüße aus der Heimat: ENERCON-Anlage in Viana do Castelo. Es fehlt der grüne Sockel.

Dort fühlt man sich als Nordlicht neben der ENERCON-Halle am Hafen gleich heimisch. Nördlich von Lanheses, ein Stück den Fluss hinauf, befindet sich das portugiesische Werk des Windenergieanlagenherstellers mit Hauptsitz in Aurich (Ostfriesland). Auf dem Weg nach Viana passiert man mehrere traumhafte Strände, alle mit relativ vielen Parkmöglichkeiten, auf denen teilweise mehr oder weniger legal auch Wohnmobile stehen. Überall sind alte kleinere Festungsanlagen an den Atlantik gebaut. Vor Viana stehen einige „alte“ Mühlen. Die Strecke, oder Abschnitte davon, bieten sich zum Laufen und mittlerweile sogar zum Rennrad fahren an. Der Camino Portugues von Porto oder Lissabon nach Santiago de Compostela führt ebenfalls über diese Strecke. Dirk war während unserer Radtour so freundlich, zwei jungen Damen den Weg Richtung Caminha zu zeigen und fragte neugierig, wo es denn hingehen solle. Auf diese Frage gab es leicht irritierte Gesichter, zwei vermutlich niederländische Pilgerinnen, die das Weite suchten und von mir ein „Buen Camino“ mit breitem Grinsen hinter der nächsten Biegung ernteten.

In Caminha selbst war zu dieser Jahreszeit noch relativ viel los. Später sollte sich zeigen, dass ganz Portugal hinsichtlich des Besucherstroms aus östlichen Ländern deutlich ausgelasteter war als noch vor drei Jahren. Dazu habe ich ja eine Theorie. Aber zurück zu dem kleinen Städtchen mit den Wurzeln aus dem 5. Jahrhundert: Glücklicherweise steht der historische Ortskern komplett unter Denkmalschutz, was nicht überall so ganz offensichtlich ist. Geht man jedoch an die Außenkanten, sieht man seit Jahren den Verfall einiger ehemals schöner alter Herrenhäuser. Einige im Stadtkern sind aber sehenswert, ebenso wie die zahlreichen Kirchlein an jeder Ecke. Schön ist auch der Praça Concelheiro Silva Torres, an dem einige Cafés und Restaurant gelegen sind.

Vom Strand direkt hinter dem Campismo hat man den perfekten Blick auf die Forte de Insúa, eine Festung vor der Küste, sowie auf den spanischen Berg auf der Nachbarseite. Im Herbst herrscht manchmal noch herrliches Strandwetter, das sich samt Sonnenbad lesend perfekt genießen lässt. Wer es lieber noch einsamer hat, läuft oder radelt Richtung Praia de Ancôra weiter und findet sein Plätzchen. Mir als Blindfisch ist das Bad im Atlantik zu riskant. Andere wagten sich auch nicht wirklich ins Wasser.

Weiter Richtung Süden

Blick vom Stellplatz in Darque auf Viana do Castelo

Nach drei Tagen brachen wir Richtung Süden auf. Wir wollten unbedingt mal in Viana do Castelo den Campingplatz aufsuchen, der im Reiseführer so angepriesen wurde und den wir vom Leuchtturm aus schon liegen sehen hatten. Als wir auf der anderen Flussseite in Darque fast in den kleinen Gässchen steckenblieben und dann beim Kreisel hinter der Kanustation wieder ausgespuckt wurden, hatte ich ein Déjà-Vu und konnte den Fahrer meines Vertrauens kurzerhand zum Traumplatz am Ende einer dunklen Sackgasse leiten, wo gleich zwei Campingplätze nebeneinander liegen, die wir schon vor einigen Jahren als unattraktiv abgeschrieben hatten. Auch der Stellplatz im Hafen an der Anlegestelle des Flussfährbootes lockte uns jetzt nicht zum Bleiben, vor allem nicht der Blick auf die Öl- oder Gas-Tanks nebenan. Wenn Viana, wäre die andere Flussseite spannender. Schließlich befindet sich dort die reizvolle Altstadt.
Waren wir bis Viana noch mautfrei durch Portugal gekommen, war uns nun klar, dass wir uns ins EASYtoll-System einloggen mussten, wenn wir keinen Ärger bekommen wollten. Also, ran an die Erkennungsstelle, Kennzeichen registrieren und Kreditkarte einlesen lassen: nichts passiert. Karte umdrehen: Kann nicht gelesen werden. Schwitz. Wir wollten gerade aufgeben, als es doch noch klappte. Man bekommt dann einen Bon, auf dem das Kennzeichen notiert ist. Dieser ist einen Monat lang gültig. Dann muss man sich erneut registrieren. Die Mautgebühr wird automatisch der Karte belastet. Dieses System gab es vor drei Jahren auch schon, aber wir hatten damals noch keine Registrierungsmöglichkeit entdeckt, sodass wir auf dem Weg aus Portugal heraus mit einem blöden Gefühl im Bauch vermutlich ein paar Kilometer die Maut geprellt haben werden.

Unterwegs fielen uns erneut zahlreiche Miet-Camper à la Indie-Camper o. ä. auf: minimalistische Kastenwagen mit Bett, aber ohne Bad, die für Familien mit kleinen Kindern und vor allem Surfer besonders interessant zu sein schienen. Schon in Caminha im Wäldchen vor dem Campingplatz als auch auf zahlreichen Stellplätzen sahen wir sie stehen oder unterwegs fahren. Die Fahrzeuge sind allerdings alle ausschließlich mit einem aufstellbaren Oberlicht und sonst keinen Fenstern ausgestattet: vermutlich, damit man sie am Strand nicht einfach aufbrechen kann, während der Mieter im Wasser ist. Wir loben uns unsere Fenster im Kastenwagen, die uns stets den Überblick behalten lassen.
Eine unglaublich hässliche Stadt fiel mir von der Autobahn ins Auge und ich wusste, dass wir bei unserer ersten Portugalfahrt mit dem Bulli vor gut zehn Jahren dort durchgefahren waren. Diesmal ließen wir sie rechts liegen. Wenn ich das richtig rekonstruiere, könnte das Vila do Conde gewesen sein. Ganz bestimmt gibt es auch dort einen schönen historischen Ortskern, aber das Drumherum fand ich gerade für Nordportugal eher abschreckend.

Der legendäre Campismo de Angeiras bei Matosinhos – oder eben auch nicht

Wir näherten uns Porto. „Da gibt es doch so einen tollen Campingplatz!“ Der Orbitur-Platz bei Matosinhos gehört ebenfalls seit mehr als zehn Jahren zu den nicht auffindbaren Phantomen, denen wir in Portugal hinterher jagen. Diesmal haben wir ihn gefunden, indem wir rechtzeitig die Koordinaten ins Navi eingegeben haben. Als wir vor den Toren standen, mussten wir lachen. Das ist nun wirklich kein Traumplatz, und mit Porto hat er auch nichts zu tun. Nicht einmal mit dem legendären Matosinhos, wo man das ursprüngliche Portugal spüren und leckeren Fisch im Hafenviertel essen können soll. Denn das befindet sich etwa knapp zehn Kilometer südlich von Lavra. Nun weiß ich auch, warum der nette Schwede in Caminha, mit dem ich mich über schöne Plätze auf dem Weg in den Süden unterhalten hatte, gleich abgewunken hatte. Da soll es seiner Meinung nach einen deutlich besseren geben, den mit S.! Aber den heben wir uns für unseren nächsten Portugal-Urlaub auf.

Als nächstes steuerten wir Mira, bzw. den Praia do Mira an. Das Navi führte uns über abenteuerliche Waldwege und wollte uns schließlich übers Feld jagen. Also sind wir lieber frei Schnauze gefahren. Mira lag bereits bei unserer ersten Bulli-Tour 2006 auf unserer Route. Und auch hier hatte ich das Gefühl eines Déjà-Vus. Der Orbitur-Campingplatz hatte – entgegen der Angaben im Reiseführer – immer noch nicht ganzjährig geöffnet. Den anderen Platz in Fußentfernung zum Ort mochte Dirk nicht. Damals waren wir eine Nacht lang dort geblieben, aber wir hatten ja noch den damals Kurzen dabei, der Auslauf brauchte. Unterhalb der Dünen gibt es einen großen Stellplatz mit komischen Holzkonstruktionen – vielleicht für Schatten oder zum Trocknen der Neoprenanzüge. Ich ließ es mir jedenfalls nicht nehmen, nach unserem Kaffee dort einen Blick aufs Wasser zu werfen. Windig ist es hier auf jeden Fall immer noch. Es gibt sogar noch einen dritten Platz hier, hinter dem See, ein Stück weiter ins Landesinnere. So muss es doch Menschen geben, die dieses Fleckchen Erde mögen!

Neuentdeckung

Foz do Arelho (Caldas da Rainha, Lagoa de Obidos)

Den Surfspot mit den Riesen-Wellen in Nazaré wollten wir dieses Jahr bewusst nicht ansteuern, obwohl es dort zwei passable Campingplätze gibt. Uns war aber nicht nach Touristenfang-Maßnahmen im Ort, und die eher langweiligen Radrouten hatten wir ebenfalls bereits erkundet. Stattdessen suchten wir uns zumindest einen neuen Ort aus. Da ich keine Lust mehr hatte, immer den Schwarzen Peter für die „schlechten Plätze“ zu bekommen, durfte jemand anders ran. Der hatte allerdings mit seinem Campingplatz bei Foz de Arelho auch kein Glück. Uns ist ja die Nähe zum Wasser, sei es Meer, Fluss oder See, angenehm. Dort oben war davon weit und breit nichts zu sehen. Um diese Zeit sind zumeist selbst die Pools bereits geleert. Also schweigend weiter, wenigstens einmal auf den Fluss gucken. Die Lagoa de Obidos erstreckt sich von Foz de Arelho bis Obidos, ungefähr fünf Kilometer im Landesinneren. Direkt am Ufer gibt es einen Parque Autocaravanas, der ganzjährig geöffnet ist. Dort kann man für 3,00 Euro den ganzen Tag parken. Strom gibt es glaube ich keinen, was für so manches Dickschiff ein Problem darstellen könnte. Hier steht man zwar Flanke an Flanke, und wir haben auch tatsächlich den letzten freien Platz mit Blick aufs Wasser ergattert, aber es lohnt sich dennoch, wenn man das Drumherum ein wenig auszublenden vermag. Einen Moment haben wir doch geschluckt, als wir an so vielen Wohnmobilen auf einem Platz vorbeifuhren. Der Blick aufs Wasser war jedoch unschlagbar! Wir haben im Restaurant am Parkplatz vor dem Stellplatz gut gegessen und fasziniert dem Farbenspiel über dem Wasser zugeschaut. Manchmal wünschte ich, ich könnte malen oder zumindest gut fotografieren. Hier hätte man zahlreiche Vorlagen gehabt. Von sanften Goldtönen bis zu allen Rotschattierungen war einiges Schönes, manches Kitschiges dabei. Am nächsten Morgen ließen sich die Veränderung zwischen Niedrig- und Hochwasser beobachten und wie die Angler das für sich auszunutzen wussten. Zwischenzeitlich hatte man das Gefühl, die Lagune durchwaten zu können.

Vila Nova de Milfontes

Vila Nova de Milfontes: Blick auf die Festung am Fluss

Welches Ziel nun auf unserer Route liegen würde, war nach einem Blick auf die Karte klar: Vila Nova de Milfontes ist ein perfektes Ziel für Erholung, Strand und Sport. Es liegt ein bisschen abseits der gängigen Routen, was möglicherweise erklärt, dass die beiden Campingplätze im Ort noch reichlich Platz boten. Es gibt einen Abschnitt auf dem Weg dorthin, den man umgehen sollte. Wir hofften, dass sich daran mittlerweile etwas geändert hätte, wurden aber eines Besseren belehrt. Wer also den Stoßdämpfern seines Kastenwagens oder Wohnmobils etwas Gutes tun möchte, fährt nicht in Alcacér do Sal (übrigens auch eine nette Durchgangsstation mit Campingplatz, guter Infrastruktur und nettem Blick über den Fluss mit zahlreichen Störchen) von der Autobahn ab und folgt der kleineren Straße – eine Buckelpiste mit zahlreichen Baumwurzeln, die auf der Straße wachsen und etlichen Löchern, die nach Möglichkeit Slalom-Fahrt erfordert. Besser ist es, auf der Autobahn zu bleiben und dann der IP 8 zu folgen (über Cercal). So erspart man sich auch die Fahrt entlang der neuen, ausgebauten A 26 / IP 4, die bei Sines sogar vierspurig ist. Allerdings ist die linke Spur gesperrt, die Geschwindigkeit ist begrenzt und bald wird sich die Natur einen Teil des Ausbaus zurückerobert haben. In Sines herrscht hohe Arbeitslosigkeit. Große Hoffnung wurde auf den Ausbau der Straßen sowie des Hafens gesetzt. Leider wurden diese von der Krise zerschlagen. „Wir Sineeser wollen arbeiten!“ ist an den Brücken und anderswo zu lesen. Sines ist bekannt für seine Ölraffinerien und für den Sohn der Stadt und Seefahrer, Vasco da Gama. Die Straße führt entlang des Kohlekraftwerkes, in dessen unmittelbarer Nähe sich bei Porto Covo ein Campingplatz befindet, der noch so schön sein mag, mir aber zu nahe den Industriebauten liegt.

Versteckte Bucht am trilho dos pescadores in der Gemeinde Odemira

Nachdem wir uns auf unserem Camping Milfontes eingerichtet hatten (Wagen parken, Platz suchen, einchecken, parken, Dachluken auf, Tisch zurechtrücken – fertig!), haben wir uns erst einmal aufs Rad geschwungen. Wir mussten ein paar Vorräte auffüllen und wollten Meer sehen. Entlang der gesamten Costa Vicentina gibt es wunderschöne Strände und eine faszinierende Natur. Eine Neuentdeckung war für uns in diesem Jahr der Fischerspfad, der trilho dos pescadores, der sich auf 111 km zwischen Porto Covo und Odeceixe erstreckt. Wem das noch nicht reicht, empfehle ich die Erweiterung um den caminho histórico von Santiago do Cácem bis bis zum Cabo São Vicente, immerhin insgesamt 230 km – und Pilgern ist weiterhin stark im Kommen! Immer den blau-grünen Zeichnungen folgend, geht es direkt am Wasser entlang. In Milfontes, aber auch an anderer Stelle folgten wir ihm gerne einige Kilometer Richtung Sines, fast bis Porto Covo. Bestimmt kein Highlight auf dieser Wanderung sind jedoch die Flussüberquerungen, wenn man erst zahlreiche Kilometer an der einen Seite entlang der staubigen Hauptstraßen ins Landesinnere bis zur nächsten Brücke überbrücken und dann auf der anderen zurück muss. Dabei geht viel Zeit verloren. Aber an der Küstenlinie entdeckt man schöne, versteckte Strände. Uns kamen aus beiden Richtungen zahlreiche Pilger entgegen, die alle so aussahen, als gefiele ihnen dieser Weg ausnehmend gut. Im Vergleich zum Jakobsweg würde er bei mir auch deutlich besser abschneiden.

Unser gedachter Strandtag wurde zum Sonnenbad im Nebel. Selbst die Figuren am Franquia-Strand ließen sich kaum noch erkennen. Zwischendurch brach der Himmel auf und es wurde erträglich. Mein Buch war spannend genug, und man kann sich mit seinem Liegehandtuch zur Not auch wärmen.

Ausflug an die Algarve

Mittags manchmal in bestimmten Bereichen menschenleer: Der Camping Milfontes

Nach drei Tagen auf dem gleichen Platz wurden wir wieder unruhig. Die Frage, ob wir doch noch einmal an der Algarve gucken wollen, stand im Raum. Eigentlich hatten wir beim letzten Besuch beschlossen, dass wir diese Ecke eher meiden wollten, da sie immer touristischer wurde. Aber es gibt ja unterwegs auch viele schöne Entdeckungen. Immer wieder nett ist das am Fluss gelegene Örtchen mit der Festung oben auf dem Berg in Aljezur. Oder die Strecke durch die Wälder, die Buckelpisten entlang des Wassers mit Blick auf die Stellplätze, wo sich in diesem Jahr auffallend viele Wohnmobilisten, aber auch Surfer tummelten. An einigen Stellen wurde schön zwischen Weißwaren und „Freaks“ unterschieden. Ob die wohl in diesem Jahr erstmalig aneinander geraten? Irgendwie beschlich mich das Gefühl, dass all die sonnenhungrigen Rentner und die, die es sich leisten konnten, 2016 Richtung Spanien-Portugal aufgebrochen waren und dafür Griechenland und Italien möglicherweise aus „Angst vor Flüchtlingen“ mieden.  Es mag eine Unterstellung sein, aber so voll habe ich es hier in dieser absoluten Nebensaison noch nicht erlebt. Das Wetter wird nicht schuld sein.

Der südwestlichste Zipfel Europas

Auch den südwestlichsten Zipfel Europas haben wir besucht, die Bude mit der „letzten Bratwurst von Amerika“ jedoch nicht. Der Blick aufs Wasser kann schon süchtig machen. Unseren ersten gemeinsamen Auto-Urlaub haben wir 2005 gemacht: Deutschland, Frankreich, Spanien, Portugal, Frankreich, Belgien, Niederlande, Deutschland – in knapp zwei Wochen. Einzig in Lagos sind wir damals ein paar Tage am Stück geblieben, im Motel Ancôra, dem ein Swimmingpool mit 50-Meter-Bahnen (!) angeschlossen war. Leider war letzterer nur einen Tag unseres Aufenthaltes zur Nutzung freigegeben und man musste sich warm schwimmen. Dementsprechend zog es uns doch noch einmal nach Lagos, um zu gucken, wie sich das Städtchen so entwickelt hat. Den wunderschönen Campingplatz an der Steilküste mit den Marmorbädern gab es schon damals nicht mehr, aber wir waren im Anschluss schon ein paar Mal auf dem städtischen in zentrumsnähe. Den steuerten wir auch diesmal an. Glücklicherweise haben wir nicht gleich eingecheckt, sondern durften rauffahren und gucken. Die Umrahmung durch die Hochhäuser hinter dem den Platz umgebenden Mäuerchen war schon immer gewöhnungsbedürftig, aber so langsam kommt er in die Jahre (*s. Fotogalerie am Ende des Beitrags). Auch die Klientel verhieß eher Trubel, denn Erholung. Die Touristen, die uns aus der Stadt entgegen kamen, machten alle einen jungen, hippen Eindruck: Ich bin zwar noch lange nicht im Rentenalter, aber irgendwie kam selbst ich mir hier fehl am Platze vor. Es blieb nur der Rückzug.

Salema

Salema: Früher konnte man hinterm Waschhaus auf der ersten Ebene prima mit dem Kastenwagen stehen.

Der Camping Quinta dos Carriços einer durchsetzungsfähigen Holländerin mit einem Händchen für das Anlegen eines großen Platzes mit verschiedenen Ebenen und liebevoller Bepflanzung inklusive intelligentem Bewässerungssystems in der Nähe von Salema ist vor einigen wenigen Jahren übernommen worden und heißt jetzt Salema Eco Camp mit dem Zusatz Surf and Nature. Die Zielgruppe ist eine andere geworden, die Philosophie auch. Noch ist der Platz schön und man ist bemüht und setzt auf Ökologie. Im Gegensatz dazu stehen jedoch die stinkenden Diesel-Karren, mit denen die Angestellten über den Platz heizen. Auch hier trafen wir wieder einige der Indie-Mietcamper-Vans, aber auch zahlreiche Familien. Der Versuch, wie früher mit dem Kastenwagen auf eine höher gelegene Ebene zu fahren, scheiterte: Diese war bereits von Campern mit Auto und Zelt besetzt, sodass wir rückwärts durch die zugewachsene Zufahrt wieder runter mussten. Es hat Spuren hinterlassen. Die größeren Mobile haben sich nun ausschließlich unten aufzuhalten. Bis wir einen Platz fanden, der uns zusagte, verging Zeit. Im Anschluss liefen wir zielgerichtet und zügig ins Dorf, um rechtzeitig vor dem Ansturm einen Platz im Restaurant Bóia Bar mit Blick aufs Wasser zu ergattern. Freundlichkeit und Anstand setzen sich glücklicherweise häufig durch: Der beste Platz gehörte uns, die Jungs hatten Spaß und bedienten uns zuvorkommend. Wir genossen den Sonnenuntergang mit dem Blick auf die Felsen. Das einzige, was ich bedauerte war, dass klar war, dass wir gleich morgens wieder zurück nach Milfontes fahren würden. Damit war ich sehr einverstanden, da mir der Campingplatz in Salema einfach so nicht mehr gefiel. Der Strand mit dem Zugang mittels Kletterpartie hätte mich schon gereizt.

Langsam vorbereiten auf die Rückfahrt

Stierkampfarena von Alcacér do Sal

Nach unseren Erfahrungen an der Algarve – zu laut, zu voll, zu hipp – verbrachten wir noch zwei weitere Tage in Milfontes mit Wandern, Radeln und Gucken und machten uns langsam Gedanken über die Rückreise. Zwischendurch war die Überlegung, von der Algarve aus an einigen der Stauseen entlang langsam durch Portugals Binnenland zurückzufahren. Durch unseren Rückzug an die Costa Vicentina entfiel das. Also gab es das schmalere Programm. Grandôla wurde diesmal umschifft, aber ich wollte in Alcacér do Sal unbedingt Störche mit der Kamera einfangen. So richtig wollte mir das leider nicht gelingen.

Störche
Mein Sohn war vor ein paar Jahren mal in einer Storchenstation in Norddeutschland. Dort wurde ihm und seinen Klassenkameraden erzählt, dass Windräder, Strommasten und vor allem Plastikmüll eine große Gefahr für diese Tiere darstellen. Natürlich kann ich das nachvollziehen. Wenn ich allerdings in Spanien und Portugal Massen von Störchen sehe, die mehrere Nester auf einen Strommast bauen, egal, ob versucht wird, sie daran zu hindern, und diese auch noch mit Plastik zurecht zurren, damit sie halten, dann hätte ich doch gerne solche Bilder als Gegenbeweis. Das hat natürlich nicht geklappt, obwohl Alcacér do Sal dafür einige Möglichkeiten bietet. Ich bin noch nie durch den Ort, bzw. an ihm vorbei gefahren, ohne einen, bzw. mehrere Störche zu sehen.

Korkeichen
Geht der Korkeichenbestand in Portugal doch merklich zurück – vor allem in der Nähe von Sines sind bis zu 30 % der Bäume aus unbekannten Gründen erkrankt – findet man im Binnenland auch 2016 noch frisch geschälte Stämme. Als Flaschenverschluss wird Kork immer weniger eingesetzt und mir ist derzeit niemand bekannt, der sich einen Korkfußboden hat legen lassen. Wie es wohl um die Zukunft dieser Kulturlandschaft bestellt ist?

Marvão

Santa Maria de Marvão: Formidable Festung mit spektakulärer Festivalatmosphäre

Gerade im Binnenland gibt es in vielen Orten Portugals hübsche kleine Burgen, die zumeist oben auf einem Berg thronen. Einige sind bereits stark beschädigt, andere werden liebevoll restauriert. Bekannt sind die größeren Anlagen wie in Evôra, Obidos und Estremoz. Eine weitere Festung befindet sich in Marvão in der Nähe zur spanischen Grenze, die von dort aus perfekt bewacht werden konnte. Direkt neben dem Kloster vor der Burganlage befindet sich ein Stellplatz, von dem aus sich das Gelände sehr gut erkunden lässt. Dort standen zwar einige Mobile, sogar zur Abwechslung mal ein kleineres als unseres, aber in der Festung waren wir fast alleine, was möglicherweise dem kühlen Wind geschuldet war. Beeindrucken ist der Zustand der alten Festung, die kontinuierlich weiter liebevoll restauriert wird. Im Gegensatz dazu verfallen leider mehr und mehr Häuser im Ortskern. Im Sommer findet dort übrigens das Marvão International Music Festival von Christoph Poppen (Dirigent und Violinist) statt, der mit seiner Frau (Sopranistin Juliane Banse) ein Ferienhaus in der Nähe hat. So entkommt man auch während des Urlaubs nicht ganz der Arbeit: Christoph Poppen und Juliane Banse werden im Sommer 2017 bei den Gezeitenkonzerten auftreten. Und das Programm der vergangenen Saison haben wir im Anschluss an unsere Besichtigung aufmerksam studiert und sind darin auf weitere bekannte Namen gestoßen.
Eine Überraschung gab es am nächsten Morgen: Um kurz vor neun kam der Bäckerwagen vorbei, sodass wir sogar noch in Marvão frühstücken konnten und nicht unterwegs von der Strecke abfahren mussten, um Brot zu kaufen. Es war klar, dass wir zumindest den nächsten Tag fast nur auf der Autobahn verbringen würden.
Für uns war es die letzte Station in Portugal, dafür eine würdige. Und auch wenn ich von den Ratten geträumt habe, die uns auf unserem nächtlichen Fußmarsch zum Kastenwagen begleitet hatten, sprang der Wagen glücklicherweise an, und sie hatten sich nicht im Motorraum eingenistet.

Heimweg

Früher gab es nach Sichtung von drei Stieren ein Eis: Die Zeiten sind vorbei!

Am nächsten Morgen ging es bei kühlen Temperaturen und Nieselregen über die spanische Grenze und erst einmal noch durch schöne Gegenden mit Stauseen und Flüssen via Cacéres. Auffällig war auch hier wieder die extreme Trockenheit: Ich habe weder Nordportugal noch diesen Teil Spaniens je so trocken erlebt. Es muss Monate lang nicht geregnet haben. Gut, dass es nur zu Beginn unserer Fahrt nur nieselte. Bei einem richtigen Regen hätte es massive Probleme nicht nur im Straßenverkehr gegeben. Der Boden war dermaßen ausgetrocknet, dass er kein Wasser hätte aufnehmen können. Unser Übernachtungsziel in Spanien war der Campingplatz in Haro, einer Weinstadt im Rioja, einem idealen Durchgangsplatz auf dem Weg von oder nach Spanien. Dieser liegt an einem kleinen Flüsschen, mit Wasserablauf und Betonbrücke direkt vor der Zufahrt. Wäre bereits für den Abend oder den kommenden Morgen Regen angesagt gewesen, hätte das meine Platzwahl beeinflusst, aus Angst vor den Wassermassen, die nirgendwo hinkönnen. Dieser war jedoch erst zum Abend des Folgetages angekündigt. Da waren wir bereits in Frankreich auf der Suche nach dem nächsten Stellplatz, nicht ohne in Haro einen Rotwein-Schlauch der Rebsorte Rioja in den Kastenwagen geladen zu haben.

Zurück in Frankreich

großer Stellplatz bei Moulismes

Nachdem wir zuvor zwei schöne Stellplätze angesehen und wieder verworfen hatten, da der Fahrer keinen Appetit auf Spagetti im Wagen zu einem zu frühen Zeitpunkt hatte, sind wir bis Moulismes, 45 km südlich von Poitiers gefahren. Einen Moment lang hatte ich schon mit dem Camping beim Futuroscope und der leckeren Pizzeria im Ort geliebäugelt, das wäre jedoch zu spät geworden. Außerdem ist er aus dem ACSI 2016 verschwunden.
Dieser Stellplatz – ausschließlich für PKW im vorderen und Wohnmobile im hinteren Bereich – liegt abseits der Straße mit Blick auf einen kleinen Teich mit allerhand Federvieh. Ein Stück weiter Richtung Ort liegt ein LKW-Parkplatz und direkt gegenüber ist das „Chez Fred“, in dem wir gegessen haben. Waren wir die ersten Gäste als wir kamen, war diese gastronomische Einrichtung gut gefüllt als wir gingen, auch wenn das Angebot uns nicht vom Hocker gerissen hat.

Blick vom Stellplatz auf die Kirche in Esternay

Gerne wären wir bis Belgien gekommen, aber in der Nähe von Reims wurde uns klar, dass es so langsam für diesen Tag reichen sollte. Von diesem Teil Franreichs aus ist der Rest schließlich an einem Tag zu schaffen. Dementsprechend steuerten wir den Stellplatz in Esternay in der Champagne-Ardenne an. Dieser war mit den Koordinaten der Schule angegeben, liegt aber direkt neben der Kirche. Ver- und Entsorgung brauchten wir dringend, da wir Wassertechnisch auf dem letzten Tropfen fuhren. Nach dem freundlichen Hinweis der Belgier aus dem anderen Wohnmobil am Platz fanden wir diese Einrichtungen auf der anderen Seite hinter der Kirche. Jetons gibt es beispielsweise beim Bäcker an der Straße vor der Kirche. Gerade vor der Dämmerung hatten wir alles erledigt und gönnten uns beim Döner-Mann neben der Bäckerei eine leckere Pizza, machten einer Roma-Familie Platz, die sich überschwänglich bedankte und hatten einen netten letzten Abend „unterwegs“.
Der Folgetag war ein Freitag: ein toller Tag für die Rückfahrt, vor allem, wenn man bestimmte Wegpunkte setzt, die man sich hätte sparen sollen. So wussten wir im Anschluss, dass es Riesenstaus vor der für Fahrzeuge ab 3,5 Tonnen gesperrte Medwedebrug in den Niederlanden gab, irgendwo entweder Ferienbeginn- oder Ende war und man besser über Liège und Maastricht hätte fahren können. Diese Fahrt hat dafür dann Nerven gekostet, sodass wir doch froh waren, wieder nach Hause zu kommen.

Stellplatz Bouillon (Bulen)
Der Platz ist kostenfrei. Strom gibt es nur mit den entsprechenden Jetons. Ver- und Entsorgung möglich. Im ACSI 2016 waren die falschen Koordinaten eingetragen, die einen mitten im Ort steckenblieben ließen. Sinnvoll ist es, dem Fluss in Richtung Festung zu folgen. Über die schöne alte Steinbrücke geht es über den Fluss. Der Platz ist hinter den Spiel- und Sportanlagen auf der linken Seite gelegen. Für Fahrten Richtung Frankreich ist er als Zwischenstation zumindest auf unseren Routen sehr gut geeignet.

Stellplatz Valençay
Kostenfreier Parkplatz für zehn Mobile mit Neigung (Unterlegkeile erforderlich). Ver- und Entsorgung sollen möglich sein. Die Koordinaten waren auch hier im ACSI 2016 nicht korrekt: korrigiert 2017: N 47°9’37“ O 1°33’45“ oder 47.16067°N 1.56216°O

Campingplatz Faro de higuer, Hondarribia
Viele Dauercamper, einzelne Parzellen in der Nebensaison dennoch frei. Betonplatte vorm Waschhaus für Wohnmobile als Kurzzeitparker. Kostenpunkt: 20,80 € ohne alles in der Nebensaison.
www.campingfarodehiguer.es

Campingplatz Gaivota, Praia de Barreiros – Lugo
Mit ACSI-Card 17,01 € inklusive Kurtaxe, Strom und zwei Personen sowie Ver- und Entsorgung, liebevoll angelegter und bepflanzter Platz, WLAN um das Restaurant herum.
www.campingpobladogaivota.com

Campismo Orbitur, Caminha
12,20 € pro Nacht und Wohnmobil < 6 m ohne Strom inklusive zwei Personen, bei längerem Aufenthalt Rabatt. Für mich einer der schönsten Campingplätze.
www.orbitur.pt

Parque de Autocaravanas Foz o Arelho
3,00 € für 24 Stunden, es gibt alles, außer Strom! Dafür WiFi, vernünftige Ver- und Entsorgung und sogar Duschen (kosten extra). N 39°25’42,6“ W 9°13’16,7“

Camping Milfontes, Vila Nova de Milfontes
ab drei Tagen Rabatt (10 %), keine ACSI-Card o. ä.. Wir haben für drei Tage ohne Strom keine 25 Euro bezahlt. Ver- und Entsorgung möglich
www.campingmilfontes.com

Salema Eco-Camp Surf & Nature, Salema (Budens)
Mit ACSI-Card 11,00 € inkl. Strom, Ver- und Entsorgung. Vorsicht mit großen Wohnmobilen
www.salemaecocamp.com

Stellplatz Marvão
Platz am Ortseingang mit Blick auf die Umgebung für zwölf Reisemobile (kostenfrei), vorm Kloster. Wasser vorhanden, ebenso Grillplatz und Abwaschmöglichkeit, (Entsorgung nicht gesehen, soll vorhanden sein). Festungsanlage (ca. 300 m) für WoMos nicht befahrbar (enge Gassen, Verbot).

Campingred de Haro, Haro
Am Fluss, einige Dauercamper, perfekter Durchgangscampingplatz, parzelliert plus freie Stellmöglichkeiten im hinteren Bereich. Mit ACSI-Card 19,00 €, Ver- und Entsorgung gut. Waschhäuser auch. Städtchen in Fußentfernung, tagsüber sehr touristisch, viele Bodegas.
www.campingdeharo.com

Stellplatz Moulismes, Vienne
Keine 50 km von Poitiers entfernt an der Durchgangsstraße, viele LKW, aber verhältnismäßig ruhig. Platz für 50 Wohnmobile (auch große), für einige mit Blick auf den See, kostenfrei, Ver- und Entsorgung, kein Strom, weitere Versorgung im Ort (Restaurants, Bäcker, Laden).

Stellplatz Esternay, Marne, Champagne-Ardennes
Ruhiger Platz hinter vor der Kirche direkt im Ort, Koordinaten im ACSI 2016 führen zur Schule, Ver- und Entsorgung auf der anderen Seite der Kirche (Jetons gibt es beim Bäcker, Fleischer und dem Office du Tourisme), kostenfrei, für ca. zehn Mobile

2 Gedanken zu „Endlich wieder Portugal

  1. willenbring johanna

    Dieser Blogbeitrag hat wieder sehr viel Vergnügen gemacht. Die Beschreibung der Route, die Beobachtungen haben mich die Reise miterleben lassen. Ich habe Reiselust bekommen!
    Freue mich auf den nächsten Bericht.

    Antworten
    1. Wibke Hess Beitragsautor

      Das war Sinn und Zweck des Beitrags. Schön, dass es mir gelungen ist! Der nächste Reisebericht muss leider noch ein bisschen warten. Erst einmal wird gearbeitet! Vielleicht gibt es aber andere kleine Begebenheiten, über die ich berichten kann.

      Antworten

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