Dötlingen ist immer einen Ausflug wert

Die Hunte bei Dötlingen

Die Hunte bei Dötlingen

Manchmal sollte man nicht überlegen, ob es sich lohnt, von Freitagnachmittag bis Samstagmorgen irgendwo hinzufahren, sondern es einfach machen – vor allem, wenn die Wetterprognosen einen wunderschönen Freitagnachmittag versprechen und Regen für den Rest des Wochenendes, die Woche drauf und den kommenden Sonnabend und Sonntag. Also haben wir am letzten Aprilwochenende nicht lange gefackelt, ein paar Sachen fürs Frühstück in den Kühlschrank unseres Kastenwagens gepackt, Wasser aufgefüllt und sind nach Dötlingen gefahren. Oldenburg haben wir auf diese Weise nicht ganz verlassen, da Dötlingen noch zum Landkreis Oldenburg gehört. Die Gemeinde liegt in der Wildeshauser Geest und wird an der gesamten Westseite von der Hunte begrenzt, die hier sehr viel natürlicher ist als man sie in Oldenburg direkt kennt.

Der Fluss war Ziel eines längeren Spaziergangs an diesem schönen Frühlingstag. Nachdem wir den Wagen auf einem Parkplatz im Ort abgestellt hatten, liefen wir an der Schule und der Kirche vorbei in Richtung Hunte. Wir waren faul und folgten einfach dem ausgeschilderten Huntepadd, der uns zuerst oberhalb des Flusses auf einem sehr netten Weg mitten durch den Wald führte. Dort wären wir fast auf eine Blindschleiche getreten, die sich mitten auf dem Pfad sonnte.

Eine kleine Blindschleiche (Anguis fragilis) beim Sonnenbad

Eine kleine Blindschleiche (Anguis fragilis) beim Sonnenbad


Wohnte ich in Dötlingen, hätte ich eine perfekte, abwechslungsreiche Laufstrecke direkt vor der Tür. Über eine Brücke ging es über die Hunte, um danach einen kleinen Bogen um sie zu machen. Auch wenn wir spazieren gehen, legen wir dabei doch meistens ein relativ flottes Tempo vor. Dennoch fühlten wir uns verfolgt. Wir hörten Stimmen, die immer näher kamen und sahen bunt gekleidete Menschen, die aufholten. Am Rande der Heide, mit Blick auf das Gräberfeld, haben wir dementsprechend eine kurze Pause eingelegt und der Walking-Gruppe die Gelegenheit gegeben, uns zu überholen.

Dötlingen: Teil der zerstörten Großsteingräber, Foto: FrankPoppe (Wikipedia)

Dötlingen: Teil der zerstörten Großsteingräber, Foto: FrankPoppe (Wikipedia)

Dötlingen liegt an der „Straße der Megalithkultur“ und verfügt über insgesamt mehr als 30 Großsteingräber aus dem Neolithikum, der Jungsteinzeit (etwa 3500 bis 2800 v. Chr.). Genau genommen liegen sie in der Gemeinde Wildeshausen – schließlich haben wir die Hunte überquert. Hier in der Heide befindet sich die sogenannte „Glaner Braut“ mit drei Großsteingräbern, die von Schautafeln, die von der EU gefördert wurden, begleitet werden. Es soll übrigens vier geben – uns sind nur drei aufgefallen. Durch unsere Nachbarabteilung in der Ostfriesischen Landschaft, den Archäologischen Dienst, und einige Ausstellungsbesuche zu dem Thema wusste ich, dass diese Megalithanlagen der Trichterbecherkultur zuzurechnen sind. Bei verschiedenen Ausgrabungen wurde weltweit festgestellt, dass den Toten Grabbeigaben wie Trichterbecher und Schmuck mit auf ihre letzte Reise gegeben wurden. Sie gelten als Kennzeichen sozialer Entwicklung. Gerne hätte ich an dieser Stelle auf einen schönen Artikel der Kollegen im Blog zur Ausstellung „Land der Entdeckungen“ verlinkt: Leider ist dieser schon wieder aus dem Netz verschwunden.

Kurz nach dem Gräberfeld auf der Heide kam die nächste Brücke über die Hunte, so dass wir uns über den Bohlenweg, am Pfad der Sinne vorbei schon wieder Richtung Dötlingen bewegten. Gut gefiel mir, dass der Weg in weiten Teilen auch mit dem Rollstuhl oder einem geländegängigen Gehwagen passierbar ist. Im Wald wäre es schwierig gewesen, aber vielleicht hätte es da eine alternative Streckenführung gegeben. Die Strecke ist gute fünf Kilometer lang – die Kondition muss also vorhanden sein. Auf die Überquerung des Gierenbergs, einem früheren Steilhang der Hunte, kann man dann sicher verzichten, obwohl er einen schönen Blick bietet. Hier wird jährlich das Osterfeuer entzündet und ein Hinkelstein lädt zum Anlehnen oder Erklettern ein.

Das Püttenhus in Dötlingen

Das Püttenhus in Dötlingen

Leider haben auch die Nazis Dötlingens Schönheit (ebenso wie die des Sachsenhains bei Verden) für sich entdeckt und die herrlichen Fachwerkhäuser umgenutzt. 1936 erklärten sie Dötlingen zum „Reichsmusterdorf“. Das so genannte Püttenhus diente beispielsweise als Jugendheim der Hitler Jugend (witzigerweise wird auf einem erklärenden Schild nur die Abkürzung HJ genutzt, vielleicht, um ausländische Touristen nicht zu erschrecken).
Gleich neben der schönen St.-Firminuskirche aus Feldsteinen (von innen wider Erwarten sehr dunkel und durch die vielen Emporen und die dunklen Büßerbänke eher ein wenig bedrückend) liegt der Tabkenhof, das größte Fachhallenhaus, auch Niedersachsenhaus genannt, Nordwestdeutschlands. Die Kirche, erste Erwähnung 1270 n. Chr., wurde in den letzten Kriegstagen bei Luftangriffen beschädigt. Sie ist wieder vollständig hergestellt und – wie der ganze Ort – schön anzusehen. Unterhalb der Kirche gibt es Fischteiche – in diesem Fall auch ein netter Anblick.

Ev.-luth. St.-Firminuskirche Dötlingen

Ev.-luth. St.-Firminuskirche Dötlingen

Am Abschluss unserer Tour kamen wir noch an der 1.000-jährige Dorfeiche im Zentrum des Ortes vorbei. Gerne hätten wir im Heuerhaus-Café noch einen Kaffee getrunken, aber das hatte gerade eine Viertelstunde zuvor geschlossen. Stattdessen gab es ein großes Bier auf der Terrasse beim Schützenhof/Unter den Linden etwas weiter die Straße hinauf. Dort konnten wir die letzten Vorbereitungen für die Eröffnung der Georg-Müller-vom-Siel-Kate schräg gegenüber am Tag darauf beobachten. Dort werden Bilder von Namensgeber und Maler Georg Bernhard Müller vom Siel gezeigt. Danach haben wir im Restaurant noch gut gegessen, wobei mich die umfangreiche und lecker klingende vegane Seite der Speisekarte (eigene Herstellung) gefreut hat, obwohl ich mich nicht einmal vegetarisch ernähre. Mein „Rote-Linsen-Kokos-Curry“ mit knackigem Gemüse hat sehr gut geschmeckt, und auch Dirks Schnitzel mit drei Dips (Aioli, Zwiebeln und Salsa) und Bratkartoffeln sah appetitanregend aus.

Anschließend haben wir uns im Kastenwagen noch bei einem Glas Wein den Sonnenuntergang angeschaut und die Umgebung mit schönen Gärten und Häusern genossen. Am nächsten Morgen sind wir trotz des gefüllten Kühlschranks doch die halbe Stunde nach Hause gefahren, da der Regen bereits eingesetzt hatte. Ansonsten wäre der Bäcker fünf Minuten zu Fuß entfernt gewesen. Mit den Rädern hätte sich noch ein größerer Aktionsradius ergeben. Uns reichte das für einen spontanen Freitagnachmittag. Aber es gibt noch andere Routen in und um Dötlingen, die eine Erkundung wert sind.

Was wäre Ihr Tipp für einen Wochenendtrip? Haben wir in Dötlingen noch etwas verpasst?

Noch ein Hunte-Blick aus Dötlingen

Noch ein Hunte-Blick aus Dötlingen

2 Gedanken zu „Dötlingen ist immer einen Ausflug wert

  1. Tim

    Dötlingen lohnt halt immer 😉
    Auf jeden Fall sollten Sie noch einmal mit dem Rad kommen und die ausgeschilderte Fahrradroute ausprobieren, sie ist absolut sehenswert.

    Viele Grüße.
    tmg

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.