Mit dem knallroten Gummiboot auf der Mecklenburgischen Seenplatte

Sommerblumen in Mecklenburg-Vorpommern

Was kann man am ersten richtig schönen Sommer-Wochenende am besten machen? Das knallrote Gummiboot ausprobieren! Wo? Am besten natürlich irgendwo in Skandinavien, alternativ aber vielleicht auf der Mecklenburgischen Seenplatte. Denn auch dort gibt es viele zusammenhängende Gewässer, die man nach Lust und Laune kreuz und quer befahren kann.
Das gefühlte Rentnerparadies Waren kann man dabei getrost außen vor lassen, aber grundsätzlich ist auch diese Ecke Mecklenburg-Vorpommerns wunderschön! Die Natur ist abwechslungsreich, allein die Elde, die uns ab Parchim immer wieder begleitete und zahlreiche Seen in diesem Gebiet durchfließt, sah zum Paddeln schon sehr verlockend aus. Auch ohne Wasser gab es viel zu sehen, denn im Sommer gibt es zur Abwechslung rote, wogende Blütenmeere aus Mohn, flankiert von einem blauen Saum Kornblumen zwischen den goldglänzenden Kornfeldern.

Kanustation Mirow

Die ersten beiden Ziele, die wir uns vorher übers Internet ausgeguckt hatten, haben wir spontan verworfen, da wir nicht als Anfänger auf dem Plauer See, der uns ein wenig rauer erschien, kentern wollten oder uns die Örtlichkeiten einfach nicht zusagten. Mirow mit dem Campingplatz mitten im Wald, mit witzigen Skulpturen und Schnitzereien und der großen Kanustation direkt am See, war die dritte Alternative, die uns sofort gefiel.

Kanustation Mirow: Frisch gestartete Jugendgruppe

Wir hatten sogar das Glück, dass dieses liebevoll angelegte Fleckchen Erde an diesem absoluten Sommer-Wochenende ziemlich leer war, außer uns nur wenige Camper, eher Familien mit Bullis und Zelten, sowie ein Wohnmobil aus der Schweiz, was aufgrund seiner Größe schon fast fehl am Platze schien. Eine große Jugendgruppe war für den Folgetag angekündigt, sollte aber auf die Zeltwiese etwas weiter weg. Auch wenn wir erst einmal nur für eine Nacht eingecheckt hatten, war beiden Seiten klar, dass es dabei nicht bleiben würde.

Unterwegs in nördlicher Richtung

Unser Einstieg: So geht es sogar ohne nasse Füße

Am Folgetag pumpten wir in aller Ruhe unser knallrotes Gummiboot auf, ließen uns vom Platzwart ein paar Tipps geben, prägten uns die Karte ein und paddelten vorsichtig erst einmal Richtung Stirnseite des Mirower Sees. Dabei schauten wir uns interessiert die beiden motorisierten Hausboote, die dort in der Bucht lagen, an. Diese kann man mieten und sogar auf ihnen übernachten. Etwas verborgen lag der Einstieg in einen kleinen Verbindungskanal, der eigentlich für Motorboote – außer denen der Anlieger (ergo für niemanden) – gesperrt war. Wir hatten das Gefühl, durch eine Allee zu paddeln. Einige Äste ragten nett anzusehend ins Wasser hinein. Herrlich! Da möchte man stundenlang sich einfach nur treiben lassen, nein, es weckte Lust auf mehr. Also weiter! Nach einem kurzen Stück kommt der nächste See, der oder das Granzower Möschen. Auch dort gibt es eine große Kanustation, sogar mit schicken Badestegen mitten im See und dementsprechend Trubel. Für uns ging es weiter durch eine Verengung, von der aus es in einiger Entfernung zahlreiche Wasservögel zu beobachten gab. Einige Bootstouristen zückten die Ferngläser und Kameras. So weit waren wir noch nicht, auch wenn es vermutlich vollkommen ungefährlich gewesen wäre.

Enten – Taucher – Säger

Schlau wäre es gewesen, vor Fahrtantritt noch einmal auf die Schautafel mit den „Enten, Tauchern und Sägern“ zu schauen: Dann hätte man ein paar der Tiere besser zuordnen können. Besonderen Unterhaltungswert hatten auf jeden Fall die Lappentaucher – ich hätte sie Haubentaucher genannt. Waren sie einmal untergetaucht, konnte man raten, wo sie wieder an die Wasseroberfläche kommen würden – und lag so gut wie jedes Mal daneben. Unter uns flitzten kleine Fischschwärme durchs Wasser. Von oben leuchtete die Sonne vom blauen Himmel. Der Kleine Kotzower See ging über in den Großen, gefolgt vom Mössel, der wiederum mit dem großen Leppin See verbunden ist. Letzterer war ziemlich groß und könnte bei Wind bestimmt ein wenig rauer sein, aber es herrschte angenehme Flaute. Eher wurde es ziemlich warm, sodass wir zwischendurch für eine Trinkpause immer mal wieder die Schatteninseln in Ufernähe aufsuchten. An der rechten Stirnseite befindet sich ein weiterer Campingplatz mit Anleger. Der Kiosk hatte in der großzügigen Mittagszeit leider geschlossen. Ein Kaffee zum Brötchen wäre sonst nett gewesen. Zwischen Mirow und Zietlitz verkehrt die Blau-Weiße-Flotte genau auf der Strecke, die wir auch gepaddelt sind. Sie schafft die Tour in einer Stunde. So viel länger haben wir mit Muskelkraft in unserem knallroten Gummiboot auch nicht gebraucht. Mit Pausen inklusive Schwimm-Unterbrechung waren wir insgesamt rund drei Stunden unterwegs und haben jede Minute davon genossen. Auf der Rücktour wusste man schließlich schon genau, wo man gezielt ein paar Paddelschläge mehr aufwenden sollte und wo man einfach nur genießen konnte.

Mirow

Am Abend war die Besichtigung des Städtchens Mirow mit seiner Schlossinsel dran. Dorthin sind wir allerdings geradelt, um gezielt andere Muskelpartien zu beanspruchen. Das Schloss und die Johanniterkirche sind nett anzuschauen. Auf der Terrasse der Alten Schlossbrauerei genossen wir bei herrlichster Aussicht auf den See ein verdientes Bier und leckeres Essen und überlegten, wo wir am Folgetag langpaddeln könnten. Der Einstieg ins unbekannte Terrain lag quasi vor uns. Am Ende des Mirower Sees – übrigens wird auch auf der Schlossinsel ein Kanuverleih  betrieben – gibt es erneut einen Kanal, der jedoch auch von Wassersportbooten befahren werden darf. Von dort aus kann man über eine Schleuse die Müritz-Havel-Wasserstraße befahren und von dort aus bis zur Müritz paddeln.

Richtung Süden

Mecklenburgische Seenplatte

Die Alternative führt ähnlich schön wie die Tour in nördlicher Richtung aber entgegengesetzt bis nach Brandenburg und über die Havel nach Berlin und weiter. Der Kanal direkt hinter Mirow ist nicht vergleichbar mit den Verbindungskanälen oder Engstellen von der gestrigen Tour. Im Eingangsbereich ist er noch von vielen niedlichen Ferienhäusern gesäumt, die alle ihren eigenen Anleger und Badesteg haben. Die Schleuse Richtung Müritz-Havel-Wasserstraße ließen wir rechts liegen und erfreuten uns der Natur mit ihren Wasservögeln und üppiger Vegetation in Wassernähe. Sobald wir aus dem Wohnbereich raus waren, wurde es einsamer auf dem Wasser. Nur vereinzelt kamen uns Paddler und manche Motorboote entgegen. Der Kanal zieht sich und sieht mit den Holzpfählen, die dem Uferschutz dienen, vergleichsweise langweilig aus. Unsere Tour vom Vortag hatte Maßstäbe gesetzt … Dann kam der Zortensee, wo wir erst einmal eine Schwimm- bzw. Füße-Bade-Pause einlegten, bevor wir das langgestreckte Gewässer durchpaddelten. Der folgende Mössensee sagte mir noch mehr zu. Er ist wieder deutlich enger und erscheint behaglicher: Ich liebe naturnahe Gewässer, von denen man das Ufer aus beobachten kann und entdecke bei so gut wie jedem Blick etwas Neues und kann mich kaum sattsehen. Bis zum Naturcampingplatz „Am Mössensee“ sollte es heute gehen und von dort aus zurück, nachdem wir hier unseren Kaffee bekommen hatten. Wir wollten uns unsere Kräfte einteilen und es nach der langen Tour vom Vortag nicht übertreiben. Verlockend sah der Weg zum Rätzsee allerdings schon aus.

Am Abend machten wir leider den Fehler, mit dem Rad zur Fischhütte, die wir vom Wasser aus in Mirow gesehen hatten, zu fahren, um dort „lecker Fisch“ zu essen. So lecker war der leider nicht. Dafür schmeckte das Bier zum Sonnenuntergang auf der Terrasse der Camping-Gastronomie umso besser. Der See lockte zum Bad, was sich allerdings bekanntlich nicht mit Alkohol verträgt.

Noch einmal in den unbekannten Norden

Mecklenburgische Seenplatte

Einen weiteren Tag mit Paddelmöglichkeit hatten wir uns zusätzlich gegönnt und das Wochenende um den Montag verlängert: eine gute Idee! Erneut ging es Richtung Norden. Auf dem Plan hatten wir entdeckt, dass es hinter dem Leppinsee noch weitergeht. Und mit Paddelbooten darf man hier auch das Naturschutzgebiet befahren. Der Einstieg ist ein wenig versteckt an der Nordseite des Sees. Von dort aus geht es durch einen wahrhaft märchenhaften Kanal, den man instinktiv schweigend befährt und aufpasst, dass einem die im Wasser liegenden Baumstämme nicht das knallrote Gummiboot aufschlitzen, in den Woterfitzsee. Diesen darf man nur entlang der Tonnen befahren, passiert eine Insel, muss bestimmt auch schon mal bei mehr Wind mit Wellen, die ins Boot schwappen, rechnen und gelangt so zum nächsten Verbindungsstück, durch das man auf dem Carpsee wieder herauskommt. Hier warteten schon einige Paddler auf uns. Insgesamt war auf diesem Stück vergleichsweise viel los für einen Montag und für diese entlegenen Ecken, an die viele Miet-Kajak-Paddler vermutlich eher nicht gelangen. Die Erfahrung dieser drei Tage zeigte, dass deren Radius zumeist begrenzt schien. Die Boote tragen Namen und lassen sich den verschiedenen Stationen zuordnen. Man hätte den Carpsee entlang der Betonnung noch weiter bepaddeln können und wäre mittels einer Tragepassage und Schleusung bei der Bolter Schleuse bis zur Müritz gekommen, aber uns reichte es. Schließlich wollten wir ja wieder zurück zum Campingplatz, um das knallrote Gummiboot trocken zu legen, die Luft abzulassen und es sicher bis zur nächsten Paddeltour zu verpacken.

Fazit / Zerkarienalarm

Das waren tolle Touren, die absolut Lust auf mehr gemacht haben. Die Mecklenburgische Seenplatte bietet bestimmt noch mehr, aber Mirow als Ausgangspunkt war für uns an diesem Wochenende genau richtig. Ein kleines Geschenk hat der Mitpaddler sich allerdings mitgenommen und hatte lange seine Freude daran: Zerkarien. Diese possierlichen Tierchen, eine Wurmart, sind mit dem bloßen Auge nicht erkennbar und halten sich mit Vorliebe in Ufernähe auf und zwar in der Nähe von Wasservögeln, die sie bevorzugen. Allerdings machen sie auch vor badenden Menschen nicht Halt und „gehen unter die Haut“. Da sie bei Menschen keine Nahrung finden, sterben sie und wachsen langsam aus den einzelnen Schichten heraus. Solange juckt es aber als hätte man Kontakt mit einem Mückenschwarm gehabt. Da ich ausnahmsweise aufs Schwimmen verzichtet habe, bin ich um diese Bekanntschaft herumgekommen. Vermeiden kann man die subkutane Invasion der Würmchen durch Abtrocknen, sofern man auf seiner Bootstour ein Handtuch dabei hat.

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