Auf dem Landweg nach Griechenland und zurück

Im Frühjahr dieses Jahres waren wir zu zweit mit dem Kastenwagen gut zwei Wochen unterwegs. So viele Länder wie auf dieser Tour, haben wir bislang noch nicht besucht. Von Deutschland aus ging es über Österreich, Slowenien, Kroatien, Montenegro, Bosnien und Herzegowina und Albanien nach Griechenland und auf dem gleichen Weg wieder zurück.

Ionische Inseln, Griechenland

Ionische Inseln, Griechenland

Doch der Reihe nach: Schon im Herbst hatten wir ein bisschen gesponnen, dass man ja auch auf dem Landweg nach Griechenland fahren kann. Vor ein paar Jahren waren wir das erste Mal auf Lefkas (Ionische Inseln), haben aber von Italien mit dem Schiff übergesetzt. Das war zwar auch ein Erlebnis, vor allem die Hinfahrt von Venedig aus, aber angesichts der massiven Probleme, die für diese wunderschöne Stadt mit dem Schiffsverkehr solcher Riesen verbunden sind, konnte zumindest ich das nicht noch einmal mit meinem Gewissen vereinbaren. Bei unserer letzten Station in Griechenland auf einem Campingplatz in der Nähe von Igoumenitsa trafen wir vor ca. drei Jahren auf den Engländer Mark, der mit seinem total verstaubten Wohnmobil gerade aus Albanien kam: Er war total erschöpft und entsetzt, nachdem er die Nacht auf einem so genannten Camping-Platz umgeben von hohen Mauern und Stacheldraht in Albanien verbracht hatte. Hunde hinderten ihn daran, seinen Wagen zu verlassen. Vor lauter Angst hatte er die ganze Nacht über kein Auge zubekommen. Und die Fahrt über die Schlaglochpisten („no signs, no streets – nothing“) war für ihn die Hölle. „Never drive through Albania!„, war seine eindringliche Warnung, die von einem Blick in seine großen braunen Augen noch unterstrichen wurde.

Etappenziel 1: Grafenrheinfeld

Die 14-Tages-Wetterprognose war gut – sonst hätten wir kurzerhand noch eine andere Richtung eingeschlagen. So ging es an einem Donnerstag im April wärmeren Gefilden entgegen. Da wir nicht zu den „frühesten Vögeln“ gehören, am Vortag noch gearbeitet hatten und den Kastenwagen noch packen mussten, kamen wir am ersten Tag nur bis nach Grafenrheinfeld. Dort haben wir auf einem 2011 nett angelegten WoMo-Stellplatz (6,00 Euro inkl. 1,00 Euro Gastlichkeitsbonus) am Natur-Badesee neben einer Reithalle glücklicherweise ganz alleine (wir sind keine Fans vom Engtanz mit Wohnmobilen) mit Blick auf zwei Kühl-, zwei Kirch- und als Kontrast zwei Windenergieanlagen-Türme genächtigt. Das AKW wird voraussichtlich Ende 2015 stillgelegt. Als Zwischenstation war der Platz für uns ideal, verkehrsgünstig gelegen und deutlich netter als die drei, die wir uns vorher angeschaut hatten. Nach einem leckeren Frühstück ging es Freitag relativ früh weiter, da klar war, dass ich aus beruflichen Gründen am Samstagmorgen eine konstante Stromversorgung und möglichst stabiles WLAN brauchen würde, da ich von 09:00 Uhr bis 14:00 Uhr an einem Webinar zur Weiterbildung teilnehmen wollte (80 % Anwesenheitspflicht beim IHK-Zertifikatslehrgang). Dafür hatten wir uns Camp Sirena in Novigrad, Kroatien, ausgesucht (von Grafenrheinfeld noch rund 820 Kilometer entfernt).

Über Österreich und Slowenien nach Kroatien

Also ging es von Grafenrheinfeld über München und dann durch den Tauerntunnel an der A 10 zwischen Salzburg und Villach (11,00 Euro Maut + 10-Tages-Vignette für 8,50 Euro für Österreich) durch den Karawankentunnel (7,00 Euro) nach Slowenien (10-Tages-Maut für Wohnmobile 15,00 Euro). Dort gab es eine halbe Stunde Wartezeit, dann ging es in Blockabfertigung weiter. Slowenien gefiel mir ausnehmend gut: sanft hügelig, viel Landwirtschaft und deutlich ursprünglicher und entschleunigter als Deutschland und Österreich. Bedrückend waren die deutlichen Spuren des katastrophalen Eisregens vom Februar 2014, der in Süddeutschland und Österreich, vor allem aber in Slowenien zu dem so genannten „Eisbruch“ an Wald und Infrastruktur geführt hat. Fast die Hälfte des Waldes in Slowenien soll dabei Schaden genommen haben. Irgendwo hatte ich gelesen, dass es dort so tolle Mountainbike-Strecken geben soll: Die sind auf lange Zeit sicherlich vielfach nicht nutzbar.

Gesehen an einer Tankstelle in Kroatien

An der kroatischen Grenze gab es erstmalig – das sollte sich ab dort bis nach Griechenland fortsetzen – umfangreiche Grenzkontrollen mit beiden Personalausweisen (klar), Fahrzeugschein, grüner Versicherungskarte und Wartezeit. Allerdings wurden wir überall ausnehmend freundlich und eher neugierig behandelt! Gut ist es, wenn man zumindest „Hallo“ und bitte und danke in der jeweiligen Landessprache sagen kann: Das öffnet Tür und Tor! Was ich gerade erst nachgelesen habe, ist, dass man z. B. mitgeführte Notebooks bei der Frage, ob man etwas zu verzollen habe, angeben sollte (Hinweis Auswärtiges Amt).

Novigrad

Das Camp Sirena war dank Navi gut zu finden, direkt an der westlichen Küste Istriens gelegen, hatte auch noch reichlich Platz: In der Vorsaison ist das selten ein Problem. Leider war es doch recht spät geworden, sodass wir Hunger bis unter beide Arme hatten und nur ganz kurz überprüft haben, ob ausreichend WLAN-Empfang vorhanden ist und uns dann nach etwas Essbarem umgeschaut haben. Naheliegend war das zum Campingplatz dazugehörige „à la Carte Restaurant mit reichhaltigem Angebot an istrischen und internationalen Speisen“, was uns leider so gar nicht überzeugen konnte. Das Buffet (wurde bevorzugt von den Hotelgästen genutzt) war zwar reichhaltig, sah aber nicht so appetitlich aus, sodass wir uns mit einem Gericht und einem Bier begnügt haben. Im Gegensatz zu anderen Gästen, die weiter hinten im Restaurant saßen, wurde uns auch keine Karte angeboten. Überraschend schwierig gestaltete sich die Bezahlung. Im Restaurant war niemand zu finden, sodass wir uns an die Rezeption im Erdgeschoss gewandt haben. Dort wusste man auch nicht weiter und schickte uns zum Campingplatz (?), wo uns natürlich auch nicht geholfen werden konnte. Also sind wir wieder zurück zum Restaurant und dort bis in die Küche: Eine Bezahlung war nicht möglich. Dementsprechend haben wir unbeabsichtigt erstmalig in unserem Leben die Zeche geprellt.
Mit Blick aufs Wasser konnte ich am nächsten Tag meinem Webinar folgen. Das war eine interessante Erfahrung, da wir uns im Vorfeld nicht ganz so sicher waren, ob das auf dem engen Raum funktionieren würde. Schließlich ist der Platz im Kastenwagen knapp bemessen. Dazu kam noch, dass das Wetter nicht ideal war, sodass Dirk sich nicht einmal großartig verziehen konnte. Ich habe mich möglichst klein gemacht am Tisch, und er hat hinten auf dem Bett gelesen. Nachmittags haben wir gemeinsam einen Spaziergang am Wasser entlang nach Novigrad gemacht: Ein hübsches kleines Städtchen mit viel Tourismus drumherum. Unangenehm aufgefallen sind uns die Deutschen, die in einer der Anlagen Tennis spielten und sich auf den engen Wegen doch deutlich breiter machten als nötig. Das sind dann immer die Gelegenheiten zum Fremdschämen.

Da es leicht nieselte, haben wir uns dann recht schnell zum Wagen verzogen. Ich bin dann noch eine Runde gelaufen, da ich auf der Karte gesehen hatte, dass in der Nähe ein netter See und eine Fahrradstrecke ausgewiesen waren. Laufen war leider nur neben der viel befahrenen Hauptstraße (die Küstenstrecke war durch Zäune abgeriegelt) Richtung Süden möglich und nach Erreichen des Sees Mirna war es mir zu riskant, dieser Piste weiter zu folgen. Hinter der Leitplanke ging es steil bergab und auf der Fahrbahn war es mir zu riskant. Abends haben wir noch einmal geguckt, ob wir denn unser Geld fürs gestrige Essen noch an den Mann oder die Frau bringen können: Fehlanzeige.

Dirk, Rizén und Wibke – Erinnerungsfoto

In einem Restaurant mit Meerblick auf dem Weg nach Novigrad wurden wir von Rizén, dem gebürtigen Bosnier, der perfekt Niederländisch, Deutsch, Russisch und noch weitere Sprachen spricht, mit einem Fisch aus dem Ofen (dank seiner sympathischen Überzeugungskünste) verwöhnt. Der hatte natürlich seinen Preis, aber verteilt auf zwei Tage relativierte sich das ja schnell wieder, und er war wirklich sehr saftig und lecker mit viel Gemüse. Gratis-Tipps für Ausflüge in die Region gab es auch: Die historische Stadt Motovun auf einem Berg gelegen mit wundervoller Aussicht über die istrische Küste und den Fluss Mirna sowie Hum, die kleinste Stadt der Welt, mit seinem historischen Stadtbild eine schöne Touristenattraktion.

Entlang der kroatischen Adria-Küste

Am nächsten Tag ging es weiter. So spannend fanden wir den Campingplatz nicht, das Wetter war nicht berauschend, die spektakulären Ausblicke auf die kroatische Küste lockten. Und die lassen sich vom Auto aus selbst bei kühlem Wind perfekt genießen. Die Autobahnen sind mautpflichtig und fern der Küste. Sicherlich kommt man dort schneller voran, aber wenn man nach dem Motto „Der Weg ist das Ziel!“ unterwegs ist und keinen quengelnden Teenager dabei hat, der selbiges nicht mehr hören kann, ist das für uns eindeutig die schönere Art zu reisen. Von Istrien aus ging es über Rijeka und Senj weiter Richtung Süden. Zwischendurch gab es Blicke auf die Inseln Krk, Rab und Pak sowie auf zahllose kleinere. Und immer wieder das faszinierende blaue Wasser in den verschiedensten Farbspektren. Im Naturpark Paklenica fanden wir in Starigrad unsere nächste Zwischenstation im Autocamp Plantaza (16,00 Euro mit ACSI-Karte). Als Autocamp werden übrigens auch Plätze bezeichnet, die aussehen wie eine kleine Grasfläche am Wasser mit anspruchsvoller Zufahrt. Alles, was geht, wird für Vermietungen genutzt, ähnlich wie zu besten Zeiten in Ostfriesland.

Sonnenuntergang bei Starigrad-Pakleniza

Sonnenuntergang bei Starigrad-Pakleniza

Dieser Platz war jedoch sehr nett: Wir standen vorne direkt am Wasser, wo leuchtend grüne (!) kleine Geckos über die Steine flitzten. Der Seniorchef spricht deutsch, hat sich aber über unsere Bemühung, ein paar kroatische Worte radezubrechen, gefreut. Das Waschhaus schien ziemlich neu zu sein. Schade fanden wir, dass das Restaurant auf dem Platz noch geschlossen war. Das wäre sonst bestimmt interessant gewesen, zumal noch weitere europäische Gäste vor Ort waren, deren Eindrücken man hätte lauschen können. Für uns ist das unterwegs immer etwas Besonderes, abends essen zu gehen, da man dort mit den Einheimischen in Kontakt kommen kann, was angesichts der Sprachbarriere nicht überall möglich ist. Wenn wir merken, dass wir finanziell über die Stränge geschlagen haben oder es schlicht und ergreifend irgendwo im nirgendwo nichts Brauchbares gibt („Schweinefraß“ à la Fastfood ist für uns ausgeschlossen, was so gut wie jede Autobahnraststätte durchfallen lässt), kochen wir. In Starigrad, erreichbar über einen schönen Weg am Wasser, war nur eine Pizzeria geöffnet, wo das Bestellen auf Englisch schon anspruchsvoll war. Mir gefällt es aber deutlich besser, wenn ich mich um Verständigung bemühen muss als wenn ich überall mit Deutsch durchkomme. Wie in fast allen Küstenorten muss hier im Sommer „der Bär steppen“. Dann sind die Holzbuden zum Imbiss umfunktioniert, und die zahlreich vorhandenen Restaurants legen vermutlich nicht einmal einen Ruhetag ein.

Kastenwagen vom Wasser aus auf dem Autocamp Plantaza bei Starigrad

Kastenwagen vom Wasser aus auf dem Autocamp Plantaza bei Starigrad

Auf dem Platz oberhalb von uns stand ein schwedisches Pärchen, eigentlich noch nicht im Rentenalter, aber wohl deutlich länger unterwegs als wir, bei dem ich irgendwie bemerkt hatte, dass sie sich über uns unterhalten haben mussten. Also habe ich mir den Spaß gegönnt und mich ein wenig doof gestellt, was das Finden der Müllbehälter angeht, sodass ich sie im feinsten Schwedisch danach fragen konnte. Die Reaktion war herrlich, denn fast wären sie mit ihren beiden Campingstühlen beide gleichzeitig nach hinten rüber gefallen. „Was, bist Du etwa Schwedin? Wir dachten, Ihr seid deutsch!“ Tja, man ist auch im tiefsten Ausland nicht davor gefeit, dass nicht mal einer die Landessprache spricht: Gefühl bestätigt! You made my day!

Paklenica wäre sicherlich auch einen längeren Aufenthalt geeignet. Es scheint direkt von Starigrad aus Touren (150 km Wanderwege) in den Nationalpark zu geben. Hierbei ist es ratsam, die ausgewiesenen Wege nicht zu verlassen, da es immer noch zahlreiche Minen gibt. Die höchsten Gipfel des Velebit-Gebirgsmassivs sind über 1.700 m hoch. In den steilen Karstfelsen gibt es zahlreiche Höhlen. Außerdem treiben sich dort u. a. Bären, Luchse sowie verschiedene Schlangen, die Nahrung für die Schlangenadler und Gänsegeier bieten, herum. Schade, dass wir nicht zu anderen Zeiten und länger Urlaub in diesem Gebiet machen können. Spätestens ab Mai ist hier bestimmt allerhand los.

Für uns ging es am Folgetag weiter. Unsere Tour führte uns jetzt zwischendurch auch durchs Binnenland, wo deutlich mehr Häuser Einschusslöcher aufwiesen und immer wieder verlassene, zerstörte Häuser zu sehen waren. An der Küste bekommt man von den Kriegsfolgen nicht mehr so viel mit. Wenn man dann durch Gebiete fährt, wo beiderseits der Straße die Hinweisschilder auf Minen stehen, beschleicht einen doch ein ungutes Gefühl.
Da freut man sich dann über den alten Fuchs, der direkt vor einem langsam über die Straße trottet und dem man über die kargen Felsen noch lange mit dem Blick folgen kann.

Zurück an der Küste faszinierte neben den vielen Buchten Primošten, der zauberhafte Inselort (durch einen Deich mit dem Festland verbunden) mit Kirche und Stadtmauer, der sehr einladend aussieht. Zwischen Trogir und Split gibt es einige hübsche Burgen. Ursprünglich hatten wir Omiš ansteuern wollen, aber der dortige Campingplatz gefiel uns nicht so gut. Der nächste bei Podaca, hatte noch geschlossen, was aber erst deutlich wurde, als man direkt hinterm Zementmischer stand. Eigentlich hätte ab dem 1. April geöffnet sein sollen. Er wäre bestimmt ganz nett gewesen, wieder mit Blick aufs Meer. Allerdings wurden wir freundlich auf den nächsten, einfach die schmale Küstenstraße runter in Zaostrog, verwiesen. Dort gab es mehrere, ausgesucht haben wir uns das Autocamp Viter, wo wir freundlich empfangen wurden (viele Holländer und ein paar Franzosen). Der Blick aufs Wasser wurde uns hier allerdings auch gewährt. Im Sommer ist in dem kleinen Örtchen bestimmt einiges los, und die Küstenstraße ist gesäumt von Läden und Restaurants. Wir bekamen zähes Hähnchen mit Pommes von Mutti, die in ihrer Garage auch für die Bauarbeiter kocht, die oben die Hauptstraße auf einer ansehnlichen Länge erneuert haben, wo wir uns zuvor durch die Baustelle gequält hatten. Kulinarisch war es keine Offenbarung, aber witzig, da man hier auch mit Englisch nicht weiterkam. Anschließend gab es ein mitgebrachtes Bier direkt am Strand zum Sonnenuntergang.

Über Bosnien und Herzegowina sowie Montenegro nach Albanien

Kleine Überraschung für uns, da wir es anders vermutet hatten, fuhren wir schon vor Dubrovnik ein paar Kilometer durch Bosnien und Herzegowina, der einzige Zugang zum Wasser des Landes. Das Stück war aber so kurz, dass sich das Wegpacken der Papiere kaum gelohnt hat. Dann waren wir wieder in Kroatien und passierten Dubrovnik, UNESCO Weltnaturerbe, und genossen einen grandiosen Blick vom Parkplatz auf dem Hausberg Srđ hinter der Stadt auf die historische Altstadt, umgeben von einer bis zu 25 m hohen Stadtmauer, in der alle Straßen auf dem Stradun-Platz münden. George Bernard Shaw sagte über Dubrovnik, es sei das Paradies auf Erden. Leider ist Anfang der 1990er-Jahre ein wenig Glanz von der schönen Stadt abgebrochen, hat sie doch einiges im Krieg abbekommen. Wenige Kilometer später ging es Richtung Landesinnere, wo wir bei Ivanica erneut die Grenze zu Bosnien und Herzegowina überquerten. Hier dauerte es etwas länger. Der Hund der Grenzstation musste gefüttert werden, und aus der Gegenrichtung kam auch jemand.

Slansko Jezero in Montenegro

Slansko Jezero in Montenegro

Vor Velusi reisten wir nach Montenegro ein, alles immer mit dem gesamten Papierspektakel. Abgesehen von dem großen See Slansko Jezero kurz vor Nikšić fanden wir Montenegro recht düster und karg. Leider gab es genau bei diesen Seen erneut eine Baustelle, wo Dirk sich durch sein zügiges Durchfahren genau am Straßenrand Pause machenden Arbeitern durch seine Staubwolke Freunde machte. Mir hatte sie zuvor die Möglichkeit zum Fotografieren geboten. Eine knappe halbe Stunde hinter Podgorica fuhren wir am Wasser entlang. Ein Blick auf die Karte verriet später, dass das bereits ein Teil des Shkodra Sees war.
Bei Hani i Hotit fuhren wir über die Grenze nach Albanien (Shqiperia). Auffällig waren hier die vielen Menschen, die offensichtlich an der Straße wohnten und gemeinsam mit Hunden und Katzen die Müllberge nach Brauchbarem durchsuchten. Einiges an Fernverkehr scheint hier durchzugehen, was angesichts der schmalen Straße verwundert. Irgendwann kamen wir an einen Kreisel und auf eine ausgebaute, neue Straße, wo uns gleich ein vollbeladenes Eselgespann mit einem älteren Paar entgegen kam. Am nächsten Kreisel war es ein Schweizer mit seinem Pickup mit Wohnkabine: Er war der einzige „Camper“, der uns fahrenderweise hinter Kroatien begegnete und sollte es auch bis Griechenland bleiben.

Von hier aus fuhren wir vielleicht noch zwanzig Minuten, bis wir rechts über den Bahndamm in Richtung Lake Shkodra Resort auf eine Schotterpiste zum See abbogen. Selbst auf diesem kleinen Stück fiel auf, dass dieses kleine Land (noch) so ganz anders ist als die anderen, denen wir unterwegs begegnet sind: grün, viel Wasser, die Felder werden überwiegend tatsächlich noch von Hand, bzw. mit tierischer Unterstützung bestellt.

Lake Shkodra Resort

Die englischen Campingbetreiber des Lake Shkodra Resort haben ihr gesamtes Anwesen umzäunt und mit einem Tor mit Klingel versehen, auch das Wohnhaus ist noch einmal von einer Mauer umgeben. Außer uns waren noch zwei Kastenwagen auf dem Platz: ein englischer und ein deutscher, dessen Besitzer beide nicht kontaktfreudig waren, was uns nicht störte. Wir konnten unseren Standort auf dem, dem See zugeneigten Teil, frei wählen und hielten größtmögliche Entfernung zu den Mitcampern und suchten die Nähe zum Wasser. Die junge Familie muss eine Menge Arbeit und Geld hier in diesen liebevoll gestalteten Platz investiert haben: Neben den zahlreichen Stellplätzen gibt es einen neuen Sanitärbereich, in dem augenscheinlich keine Billigware verbaut ist. Dahinter gibt es ein schickes hölzernes Lodge – ich ärgere mich wirklich, dass ich vergessen habe, Fotos zu machen. Davon gibt es aber einige auf der Homepage. In einem weiteren Bereich wurden gerade Bäume angepflanzt: Auch dort hat man augenscheinlich noch etwas vor. Und die Lage direkt am See ist natürlich sehr schön. Es gibt einen extra aufgeschütteten Strand mit Liegen, und man soll gut baden können. Touren in die Umgebung werden auch angeboten (4×4), ebenso wie ein Kanu- und Fahrradverleih. Vor der Rezeption hing eine große Albanienkarte mit schwarzen, blauen und roten Markierungen (schwarz = fahrbar, blau = fahrbar mit Einschränkungen, rot = 4×4 only). Sie entsprechen den Hinweisen aus dem „Schulz-Reiseführer“ von Volker Grundmann und sind sehr hilfreich für die Streckenplanung!
Zu essen gab es Fisch im beheizten Innenraum des Restaurants mit Blick auf den Sonnenuntergang über dem Shkodra-See. Leider waren wir die einzigen Gäste – gut, dass wir vorher gefragt hatten, ob es bereits geöffnet ist. Einheimische werden sich wohl nicht hierher verirren.

Gerade im Gegensatz zum eher kargen Montenegro (der Name ist Programm) ist Albanien gleich wieder deutlich grüner und schöner. In wenigen Jahren wird das, was in unseren Augen noch besonders scheint, vermutlich auch aus Albanien verschwunden sein; noch ist es anders, ursprünglich und an manchen Stellen für uns auch witzig. Wo sonst kommen einem auf der Autobahn, die überall fleißig (aus-)gebaut werden, auf dem Seitenstreifen, der nicht als solcher markiert ist, da es keine Markierungen gibt, Eselskarren entgegen, fahren Radfahrer oder warten Menschen auf die kleinen Sammeltaxis? Manche treiben auch ihre Tiere dort entlang. Leitplanken gibt es nicht, man fährt nach Gefühl; bei Bedarf werden die zwei Spuren auf drei erweitert. Um Schlaglöcher wird drum herum gefahren. Es klingt chaotisch, aber es kommt einem schnell normal und nicht beängstigend vor. Es gibt sehr viele Polizeikontrollen, inklusive Geschwindigkeitsmessungen. Wir wurden jedoch nie angehalten. Zugegeben: Bei der Fahrt mitten durch die Hauptstadt Tirana hätte ich nicht so gerne am Steuer gesessen, weil auch hier „Fahren nach Gefühl“ die Devise ist. Stattdessen habe ich mir lieber die Stände entlang der Straßen mit Fisch-Aquarien, vorwiegend Forellen, oder Schafe, manche tot, andere lebendig, und natürlich die Menschen angeschaut. Selbst wird man als offensichtlich Fremder natürlich beäugt, aber nicht unangenehm, eher belustigt, interessiert.

Die Beschilderungen sind abenteuerlich oder nicht vorhanden, auf sein Navi darf man sich nur bedingt verlassen. Der Fahrer sollte sich tunlichst auf die Straße konzentrieren, da sich dort doch manchmal im wahrsten Sinne des Wortes Abgründe auftun. 90 % der Einheimischen fahren einen Mercedes, gerne ca. dreißig Jahre alt. Man sieht aber auch dicke BMW oder Touareg, die allerdings vorwiegend ausländische (englische) Kennzeichen tragen.
Interessanterweise mitten in den Bergen, weit weg vom Meer, überquerte eine Schildkröte die Fahrbahn. Vorher meinte ich bereits, leere Panzer dieser Reptilien am Straßenrand gesehen zu haben. Ob im Wald, am Strand oder auf der Wiese: Überall sieht man die zwischen 1972 und 1984 unter der Herrschaft von Enver Hoxha zahlreich entstandenen Bunker, die mittlerweile jedoch sinnvoll als Ziegenstall oder manche auch als Hotel genutzt werden.
Die Vegetation ist sehr abwechslungsreich, überall plätschern kleine Flüsschen, an denen geangelt wird. Vielfach sieht man interessante Brückenkonstruktionen, mal alt, mal neu.

Über den Llogora-Pass nach Ksamil

Neben wunderschönen alten Kirchen, Moscheen und interessanten Burgruinen gibt es dann, gerade in den großen Städten wie Tirana oder auch Vlores, furchtbar hässliche mehrgeschossige Wohnkomplexe. Auch die Hotelanlagen sehen leider sehr klotzig und nicht wirklich einladend aus. Hinter Vlora verläuft die Strecke bis Orikum wieder direkt an der Küste, die allerdings vielfach bedauerlicherweise zubetoniert ist. Aber es gibt vereinzelt auch wunderschöne Strände, die meisten von ihnen eher im Süden Albaniens. Potenzial ist vorhanden. Hinter Orikum wurde es spannend. Vor uns lag der Llogora-Pass. Im Reiseführer steht: „Die Straße bis Saranda, in der Vergangenheit Schrecken aller Mobiltouristen, bietet sich seit 2010 saniert. Einfach zu befahren ist sie dennoch nicht.“ Vor allem nicht, wenn die Temperaturen unterwegs auf die 0°-Grad-Grenze runtergehen und es leicht nieselt. Zwischendurch bieten sich spektakuläre Ausblicke auf die Strecke und übers Meer. Wer sich jedoch nicht sicher ist, ob seine Bremsen voll und ganz funktionieren, hat hier eigentlich nichts verloren.
Ursprünglich hatten wir angedacht, in Saranda Station zu machen, wo es bei einem Hotel auch Stellplätze geben soll. Wir sind dreimal die Straße auf und ab gefahren und haben die Suche dann aufgegeben, was sich als gute Entscheidung entpuppte. Irgendwie wäre uns im Hinterhof eines Riesenhotels (eher dunkel und wenig einladend, so unsere Vermutung) auch nicht so wohl gewesen. Stattdessen sind wir noch ein Stück weitergefahren, bis Ksamil, was uns gut gefiel, auch wenn es dort drei Campingplätze geben soll, von denen einer nicht geöffnet und zwei nicht zu finden waren, bzw. wir uns nicht vorstellen konnten, wo sie sich verbergen sollten. So haben wir uns zu einem älteren österreichischen Pärchen (80+, nur der Mann fuhr) auf den Parkplatz vor der Disko Eldorado gesellt und in der nahegelegenen Pizzeria gefragt, ob etwas dagegen spräche, wenn wir dort über Nacht stehen blieben. Natürlich haben wir dort auch gegessen. Hinter der Disko war eine große Rasenfläche, die zu anderen Zeiten sicherlich ebenfalls als Campingplatz dient. Nun war sie durch eine Schranke versperrt.

Ksamil - Die Ruhe nach dem Sturm

Ksamil – Die Ruhe nach dem Sturm

Es war ein schöner Abend. Auch diesmal standen wir direkt oberhalb des Wassers, das wir unter uns sanft gurgeln hörten. Wir genossen den Blick auf ein sehr schiefes Haus mitten im Ort bei einem Glas Wein im Wagen. Die Dorfjugend kam uns kurz mit Mofas besuchen, trollte sich dann aber glücklicherweise. Beim Schmökern im Reiseführer haben wir dann festgestellt, dass in Butrint der Grenzübergang markiert durch den Vivar-Kanal mittels einer „zerschrammten Blech-Ponton-Fähre, die irgendwo im letzten Urwald-Winkel Afrikas geklaut zu sein scheint“ (Volker Grundmann in: „Mit dem Wohnmobil nach Albanien“) überquert wird. Das lasen wir, während draußen Glühwürmchen durch die Nacht schwirrten. Nachts frischte der Wind auf, es blitzte, donnerte kraftvoll und goss anschließend in Strömen. Waren wir froh, dass wir nicht hinter der Disko auf der Wiese standen – da wären wir vermutlich abgesoffen. Morgens las ich noch einmal nach, ob ich die weitere Anmerkung aus dem Reiseführer richtig im Kopf hatte: „Der Fährmann ist nicht immer helle.“, stand dort schwarz auf weiß. Daraufhin entschieden wir, auch, weil der Wind noch nicht vollends nachgelassen hatte und die Gischt bis zu uns hoch über die Mauer sprühte, doch zurück über Sarande und auf dem Landweg zum Grenzübergang Qafë Botë bei Konispol zu fahren. Ein Teil der Strecke führt auch hier durchs Wasser, allerdings über einen Damm. Hier sahen wir zum ersten Mal eine versprengte Gruppe Fahrradfahrer (sowohl männlich als auch weiblich, unterschiedlichen Alters), die sich mit Mountainbikes mehr oder weniger mutig die Straße herabrollen ließen: Wie Albaner sahen sie nicht aus, und Shuttle-Service hatten sie zuvor auch genossen.

Wie kann man sich Butrint entgehen lassen?

Sicherlich hätte sich der Weg nach Butrint dennoch gelohnt, da der dortige Archäologiepark zum UNESCO Welt-Kulturerbe zählt. Erstaunlich gut erhalten sind das Amphitheater und das Baptisterium mit tollen Mosaiken. Vorige Woche habe ich auf 3SAT anlässlich des 30-jährigen Geburtstags des Senders eine Sendung über u. a. Butrint gesehen: Eigentlich hätten wir die paar Kilometer von Ksamil aus trotzdem fahren müssen. Nicht nur, dass man von der antiken Hafenstadt in der Lagune aus über die Meerenge bis Korfu gucken kann, nein, hier gibt es derart viele steinerne Zeugnisse aus über 2.000 Jahren Geschichte, von Festungen, zahlreichen Toren – hermetisch abgeriegelt – über Tempel, Brunnen und Theater und den Sitz von Ali Pascha, von dem nur eine Ruine übrig geblieben ist, zu sehen, dass man eigentlich dort hätte Station machen müssen. Offiziell war dort kein Platz ausgewiesen, sodass wir das gar nicht auf dem Schirm hatten. Butrint heißt übrigens „verwundeter Stier“.

Ab nach Griechenland | Meteora-Klöster

Die längste Wartezeit gab es tatsächlich am Grenzübergang nach Griechenland, wo u. a. zwei vollbesetzte Busse auf ihre Abfertigung warteten. Eifrige Verkäufer versuchten, in der Schlange Mobilfunkverträge an den Mann oder die Frau zu bringen, teilweise wurde gebettelt. Als wir endlich nach der Durchfahrt eines Wasserbassins (Desinfektion? Staub abspülen?) an der Reihe waren, war der Grenzbeamte glücklich, seine Deutschkenntnisse anbringen zu können und fragte, ob er mal einen Blick in unseren Kastenwagen werfen dürfte: Klar! Er freute sich auf seinen kommenden Lehrgang mit seinem Schäferhund in Deutschland.

Geschenk vom Campingplatz Vrachos Kastraki als Erinnerung © Editions Tsarouchas Bros - Kalambaka

Geschenk vom Campingplatz Vrachos Kastraki als Erinnerung © Editions Tsarouchas Bros – Kalambaka

Nun waren wir also glücklich im sonnenverwöhnten Griechenland, wo manche sogar schon im März baden gehen. Wir fuhren in die Berge und zwanzig Minuten hinter der Grenze fing es an zu schneien und zwar richtig. Dann war auch noch die Pass-Straße gesperrt. Zwischenziel sollte Camping Vrachos in Trikala bei den Meteora-Klöstern sein. Wir durften dann, statt die Querverbindung zu nehmen, über Flórina Richtung Kozáni und weiter nach Kalambáka fahren. Eine schöne Strecke, aber mal eben ein Umweg von 60 km. Wölfe oder gar Bären, die uns per Schild angekündigt wurden, haben wir nicht gesehen, obwohl durchaus vorstellbar war, dass sich da einer der großen braunen Gesellen sein Nachmittagsmahl aus einem der Flüsse greift. Trotzdem blieb uns noch Zeit, einige der Klöster (das sind die, die auch Schauplatz im James-Bond-Film „In tödlicher Mission“ mit Roger Moore zu sehen sind) aus der Nähe zu sehen. Am nächsten Tag wäre es zu diesig gewesen, sie überhaupt erkennen zu können. Es ist schon beeindruckend, wenn man sich vorstellt, wie sie entstanden sind. Es verwundert nicht, dass auch sie UNESCO Weltkulturerbe sind. Alle 24 haben wir nicht gesehen, vielleicht die sechs, die noch bewohnt sind. Einige sind leider einsturzgefährdet. Als Geschenk vom Campingplatz Vrachos Kastraki gab es neben der Postkarte auch eine Übersichtskarte, auf der alle Klöster verzeichnet sind. Dieser Platz war zur Abwechslung mal für die Jahreszeit gut belegt: Wie mag das wohl im Sommer aussehen?

Kato Gatzea am Pilion

Blick vom Campingplatz Sikía auf Kato Gatzea

Blick vom Campingplatz Sikía auf Kato Gatzea

Weiter ging es am nächsten Tag zum Pilion über Larissa, die heißeste Stadt Griechenlands. Unser Navi machte aus der Strecke von Volos nach Kato Gatzea, die normalerweise an der Küste entlang führt und zwanzig Minuten dauert, mal eben eine Rundtour (zwei Stunden) über die gesamte Halbinsel – wunderschön. Wir haben alle Dörfer gesehen und wussten später, wovon die Dauercamper, die bereits seit über dreißig Jahren immer wieder hierher kommen, reden.

Gelandet sind wir auf dem Campingplatz Sikía. Die Bucht gefiel uns gut, auch das nahe gelegene Örtchen Kato Gatzea mit Tavernen und Einkaufsmöglichkeiten machte einen angenehmen Eindruck – und ich liebe den Blick aufs türkisfarbene Wasser. Hier liegen zwei Plätze genau nebeneinander. Die Betreiber des Nachbarplatzes Hellas International hatten leider in diesem Jahr durch Krankheitsfälle und die allgemein schlechte wirtschaftliche Lage sich erstmalig das Geld für die „Anzeige“ im ACSI-Reiseführer gespart und wurden dementsprechend dort nicht aufgeführt, hätten aber den Rabatt, den die Karteninhaber bekommen, genauso gewährt.

Manchmal könnte man echt Studien treiben

Als wir ankamen, war auf unserer Ebene gähnende Leere, sodass wir uns mitten rein gestellt und uns über die Aussicht über die Bucht gefreut haben. Einen Tag später bekamen wir Besuch: Sandra und Michael aus dem Westerwald breiteten sich mit ihrem nagelneuen Camper, Riesenvorzelt und Hund fast bis auf unsere Parzelle aus und würdigten uns kaum eines Blickes. Wahrscheinlich stehen sie schon seit zig Jahren immer auf haargenau dieser Parzelle. Für uns waren diese beiden Frohnaturen der Grund, unseren Kaffee und den Fisch abends lieber auf dem Nachbarplatz zu uns zu nehmen. Dort wurden wir mit allerhand Informationen der dortigen Dauercamper versorgt, was uns in diesem Fall ausnahmsweise mal eher belustigte.

In Kato Gatzea

In Kato Gatzea

Wenn wir auf einem Campingplatz mit freier Platzwahl landen, stellen wir uns nach Möglichkeit so hin, dass rechts und links von uns Platz bleibt und wir niemandem auf die Pelle rücken. Ansonsten nehmen wir den zugewiesenen und stellen bei gutem Wetter Tisch und zwei Stühle raus. Selbst auf Stellplätzen halten wir möglichst Abstand und kuscheln nicht automatisch mit den Nachbarn. Über dieses Phänomen wird in den verschiedensten Foren des Öfteren berichtet, vielleicht rutscht mir dazu bei Gelegenheit noch einmal etwas raus. Im Moment habe ich mich im Griff. Schon mehrfach haben wir nun erlebt, dass es Camper gibt, die weder über Feingefühl noch Respekt verfügen und ihre Heringe quasi hinterm Vorderreifen einschlagen. Da wir ja selten mehrere Tage an einem Ort bleiben, sondern eher auf der Flucht, nein Fahrt, sind, stört uns das meistens nicht. Hier hatten wir das Gefühl, unsere Nachbarn, beide schwerhörig, dementsprechend laut, und leider haben sie sich nichts zu sagen, reden aber die ganze Zeit, hätten uns verfolgt. Und blöderweise verlassen ja viele dieser Langzeit-Camper den Platz seltsamerweise nur zum Einkaufen.
Oberhalb stand Spanner-Hans mit seinem „Riesenkoffer“ in grün und beobachtete mit seinem Octocopter („Drohne“) die Bucht und vor allem vermutlich seinen ehemaligen Mitcamper Willi, der auf dem Nachbarplatz den sehr netten Betreibern seine helfende Hand bei der Instandhaltung der sanitären Anlagen lieh. Früher waren die beiden nämlich zumindest von März bis Oktober in Griechenland Nachbarn, bis der eine den Kürzeren zog und des Platzes verwiesen wurde. Aber da gibt es ja einen zweiten… Alles verstanden? Nein? Wir auch nicht. Aber die Bucht ist schön, das Wetter war angenehmer, und wir wollten nicht mehr fahren, sondern ein wenig – nach Möglichkeit – entspannen. Dank einiger netter Menschen und leckerem Essen gelang uns das. Sogar die Delfine ließen sich mehrmals blicken. Beide Plätze waren übrigens für die Jahreszeit gut frequentiert. Selbst ein russischer Gast reiste mit seinem Motorrad an. Die schönen Plätze, die bereits so früh im Jahr geöffnet sind, haben vermutlich alle ihre Sandra, ihren Michael, Willi oder Hans. Vier Tage und Nächte haben wir uns gegen unsere Nachbarn zur Wehr gesetzt, dann haben wir Reißaus genommen. Außerdem neigte sich unsere freie Zeit ohnehin dem Ende zu.

Der Ohrid-See und der Thana-Pass in Albanien

Über Albanien haben wir uns langsam auf den Rückweg gemacht. Diesmal ging es über den Grenzübergang Tre Ure, wo man durch eine schöne Landschaft parallel zum Fluss Vjosa fährt, in der man auch Bären, Luchse oder Wölfe vermuten könnte, dann durch Korça und Pogradec am Südufer des Ohrid-Sees und dann an diesem entlang bis zum Camping Peshku bei Udenisht (auch Hudënisht). Dort wurde der Platz – wieder mit direktem Blick aufs Wasser – gerade um einige Stellplätze mit Strom erweitert. Den brauchten wir nicht, aber wir konnten uns quasi unsere Forellen selbst aus der Züchtung aussuchen, die in einem Wasserlauf (gespeist aus dem Ohrid-See) zwischen Platz und Restaurant Peshku schwammen. Was haben wir nach Genuss des wirklich leckeren Essens gut geschlafen, allerdings als einzige Gäste auf dem Platz.
Morgens hatten wir das Gefühl, es kann noch nicht so spät sein. Es war sehr dunkel und sehr ruhig. Warum, merkte Dirk als er pinkeln ging und ihm ein Schrei entfuhr. Nachts hatte es geschneit. Da gingen uns gleich mehrere Gedanken im Kopf herum.

Camping Peshku am Abend

Camping Peshku am Abend

Als erstes haben wir die Heizung eingeschaltet, um unser Trinkwasser nicht zu verlieren und den Wagen aufzutauen. Vor uns lag der Thana-Pass (oder Qafë Thana). Sollte der so anspruchsvoll sein wie der Llogorapass auf der Westseite? Den hätten wir in der Gegenrichtung bei den Witterungsverhältnissen nicht passieren mögen. Zur Not hätten wir noch einen Tag Puffer, aber ist Udenisht so einladend, dass man bleiben möchte? Über unser mobiles WLAN haben wir nach dem Pass geforscht: Müsste machbar sein! Das Duschen in den weniger einladenden Sanitärs haben wir uns spontan verkniffen. Kommen wir überhaupt vom Platz? Der war schon vorher relativ nass, mit einigem Rangieren waren wir frei. Bezahlt hatten wir schon am Vorabend (10,00 Euro), die Schranke ließ sich durch uns öffnen. Weiter ging es durch die Baustelle. Die Strecke zwischen Pogradec und Lin war fast über die gesamte Länge eine Schlagloch-Piste, was bei diesen Witterungsverhältnissen natürlich spannend war. Sie gilt als Transitstrecke und wird irgendwann vermutlich gut befahrbar sein – bei uns waren durchschnittlich etwa 10 km/h drin.

... und am Morgen danach

… und am Morgen danach

Als wir dann Richtung Qukes abbogen und gleich hinter der ersten Kuppe einen Golffahrer sahen, der seine Schneeketten anlegte, wurde uns doch ein wenig mulmig. Ganzjahresreifen sind da doch etwas anderes. Langsam und vorsichtig ging es weiter; selbst die meisten Einheimischen hatten sich dem Wetter angepasst. Schon auf der Strecke entlang des Shkumbin-Flusses Richtung Elbasan war vom Schnee nichts mehr zu sehen, und auch die Temperaturen kletterten wieder nach oben: Glück gehabt! Ob die Bahnstrecke, der die Straße lange Zeit folge, wohl irgendwann mal im Betrieb war? Geziert wurde sie zumindest von schönen Tunneln und Brücken.
In Elbasan führte uns das Navi wieder mitten durch die nette, quirlige Studentenstadt. Um Tirana herum haben wir uns an einem Teilstück der neuen Autobahn versucht, die dann kurz danach endete, sodass wir uns mal wieder „blind“ vorantasten mussten. Das ging aber gut. So hat man doch noch ein bisschen mehr von Land und Leuten gesehen. Da wir ja nicht wussten, wie lange wir bei dem Wetter durch Albanien brauchen würden, wäre Shkoder wieder eine Übernachtungsoption gewesen. Dort wären wir am frühen Nachmittag gewesen, sodass wir spontan umdisponiert haben und lieber Montenegro noch ein paar schöne Seiten abgewinnen wollten. Zu Albanien lässt sich im Nachhinein lässt sich sagen, dass die Küstenseite noch ursprünglicher als die entlang des Ohrid-Sees ist.

Blick auf Mazedonien auf der gegenüberliegenden Seite vom Ohrid-See

Blick auf Mazedonien auf der gegenüberliegenden Seite vom Ohrid-See

Die Bucht von Kotor

Hatten wir auf der Hinfahrt die Bucht von Kotor (Montenegro) noch links liegen lassen, bot sich auf der Rücktour nun die Gelegenheit, diese anzuschauen. Die fast 30 km lange, fjordartige Bucht der Adriaküste ist von hohen, steilen Bergen umgeben, was zuweilen eine fast unheimliche Stimmung hervorruft. Ihr dunkeltürkisfarbenes Wasser wirkt jedoch beruhigend und ist ein schöner Kontrast zu vor allem Kotor mit seiner vier Kilometer langen Festungsmauer, erbaut zum Schutz vor den Türken, und die Marinestadt Perast mit ihrem hohen, von weit her sichtbaren Kirchturm (gleichzeitig Peilort für die Seefahrer), aber eben auch ausdrücklich den anderen Dörfern mit ihren historischen Ortskernen, teilweise Wehranlagen und Stadtmauern am Ufer. Auch die Bucht gehört zum UNESCO Welterbe; zwischenzeitlich auf der der gefährdeten, da die Region Erdbebengebiet ist und 1979 bei einem Beben zwei Drittel der Baudenkmäler beschädigt wurden. Relativ im Norden gibt es zwei Inselchen, die nahe beieinander liegen. Auf Sveti Đorđe, dem „Heiligen Georg“, steht ein Benediktinerkloster aus dem 12. Jahrhundert. Die andere, Gospa Od Skrpjela, ist eine künstlich angelegte Insel, ebenfalls mit einem Gotteshaus.

Wieder in Kroatien

Autokamp Monika mit Blick auf die Bucht und Molunat

Autokamp Monika mit Blick auf die Bucht und Molunat

Von Herceg Novi auf der anderen Seite der Bucht ging es dann zum nächsten Etappenziel auf abenteuerlichen Wegen zurück nach Kroatien. In einem kleinen Ort schickte uns das Navi links von der Hauptstrecke eine kleine Straße den Berg hoch. Nach wenigen Kilometern waren wir auf einmal an der Grenze – ein sehr kleiner Grenzübergang. Wenn ich es richtig nachvollzogen habe, war es Pločice. Zwanzig Minuten später, nach einem kleinen Abstecher in einen im Nichts endenden Feldweg, war dann der Campingplatz Monika in Molunat richtig ausgeschildert. Dort waren außer uns noch weitere Gäste, alle deutsch. Wir hatten ja auch lange keine Camper mehr gesehen; die letzten in Griechenland – weit vor der albanischen Grenze. Der Platz ist offiziell ganzjährig geöffnet, allerdings ließ sich abends niemand mehr blicken. Die Nachbarn waren freundlich und erklärten, dass zwischendurch jemand käme.
Ein Spaziergang durch den Küstenort in einer Bucht mit vorgelagerter Insel machte deutlich: Heute gibt es Spaghetti! Jegliche Gastronomie war noch im Winterschlaf.

Neugierige Schafe lassen weder Waschräume noch Zelte aus - gut, dass der Bewohner den Reißverschluss zugemacht hatte

Neugierige Schafe lassen weder Waschräume noch Zelte aus – gut, dass der Bewohner den Reißverschluss zugemacht hatte

Beim Kochen konnten wir die Schafe beobachten, die fast durch die sanitären Anlagen galoppierten. Dirk kam mit den Nachbarn ins Gespräch, ein Pärchen mit Bulli und Wohnwagen, er LKW-Fahrer. Die beiden hatten auch schon einen Anlauf Richtung Albanien gestartet, mussten aber wegen Schneefalls umkehren.
Am nächsten Morgen kam die deutsch-kroatische Tochter zum Kassieren (16,00 Euro mit ACSI-Card).

Die kroatischen Seen im Binnenland lockten uns. Gerne hätten wir dort auch eine Zwischenstation eingelegt, aber der erste Platz war zu weit weg vom See und von Holländern übervölkert. Und nachdem wir außer bei den Meteora-Klöstern jede Nacht am Wasser verbracht hatten, wollten wir das gerne so beibehalten. Der nächste Platz, den wir uns angeschaut haben, mag zwar im Sommer einer sein, im Frühjahr war er nicht einmal als solcher erkennbar. Eher sah es aus als wäre es eine Rasenfläche, die zum Wohnhaus gehört. Auch er lag weit oberhalb der Seen. Also haben fuhren wir weiter, durch schöne Landschaften, an einem schönen Fluss entlang und landeten letztendlich zum zweiten Mal in Starigrad. Es war schon ein bisschen wärmer und voller als beim ersten Besuch. Mittlerweile waren im Ort auch noch weitere Restaurants geöffnet, die überwiegend von Österreichern bevölkert wurden. Für uns gab es statt Pizza Fisch, andere labten sich am Spanferkel, dass wir durchs Fenster beim Grillen beobachten konnten.

Dirk auf Krk

Autokamp Glavotok, Krk, mit Blick aufs Festland

Autokamp Glavotok, Krk, mit Blick aufs Festland

Kurz vor der letzten Möglichkeit, auf die Insel Krk zu gelangen, kam Dirk auf die Idee, dass wir uns dieses hochgerühmte Ziel auch noch einmal anschauen sollten, wo wir gerade da sind und noch Zeit haben. Ich hatte an eine Übernachtung an der slowenischen Küste bei Ankaran gedacht. Na, ja. Unterhalb der mautpflichtigen Brücke standen einige Wohnmobile, ausschließlich Weißware. Der erste Campingplatz war so ein Riesenteil mit Senioren- und Familien-Wellness, der uns beide schlagartig abschreckte. Der zweite Versuch war dann das ökologische Autokamp Glavotok, das laut ACSI-Stellplatzführer gerade geöffnet haben sollte (16,00 Euro mit ACSI-Karte). Die Straße dorthin war zwar noch nicht fertig (enge Baustelle mit Wartezeiten – für größere Wohnmobile vermutlich nicht passierbar), und auf dem Platz wurde ebenfalls noch gearbeitet, aber er füllte sich und war auch ganz nett. Im oberen Teil bauten gerade sehr viele junge Slowenier ihr Sommer- und Wochenend-Domizil auf. Wir hatten wieder einen schönen Platz mit Meerblick, ein wenig erhöht, am äußeren Ende, eine Etage über einer deutschen Familie, die mutig in der kleinen Bucht baden ging. Hinter dem Campingplatz schrie lauthals ein Esel sich die Seele aus dem Leib, obwohl es ihm eigentlich an nichts mangelte. Ein Spaziergang führte uns noch ein Stück am Wasser entlang und dann auf Pfaden durch den Wald. Im Restaurant auf dem Platz gab es für uns das letzte Mal auf dieser Tour leckeren kroatischen Fisch. Die Duschen, kostenpflichtig, am nächsten Tag waren eine Überraschung: kochend heiß! Gut, dass ich kein Kind mehr duschen muss…

Zum Abschluss der Chiemsee

Blick auf den Chiemsee von der Terrasse

Schon oft sind wir am Chiemsee entlang gefahren und haben gehört, wie nett es dort sein soll. Es sah auch immer sehr einladend aus. Also haben wir die Autobahn verlassen und uns an seinem Ufer entlang getastet. Viele der Campingplätze waren tatsächlich schon voll belegt. Wir hatten uns einen etwas abgelegenen ausgesucht und haben auf dem Campingplatz Seehäusl bei Chieming-Stöttham den letzten Platz (18,00 Euro mit ACSI-Karte plus Kurtaxe) – mit Blick auf den See – bekommen: sehr voll, irgendwie witzig (mag mit der Mundart zusammenhängen). Im Restaurant gab es für Dirk ein dickes Steak und für mich eine Pizza, allerdings nur draußen, drinnen war Live-Musik angesagt. Der Weg um den See wurde eifrig von Läufern und Radlern frequentiert. Ich war richtig neidisch, denn eigentlich hätte auch ich mich nach der langen Fahrt gerne noch ein wenig bewegt. Ehrlich gesagt, war ich gleichzeitig aber zu kaputt und sehnte mich nach einem großen kalten Bier.
Am nächsten Morgen gab es frische Brötchen, und nach einem ausgiebigen Frühstück ging es dann nach einer tollen Tour vom äußersten Süden zurück in den hohen Norden.

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