Angekommen in Neu-Donnerschwee

Neu-Donnerschwee Haus 17

Neu-Donnerschwee Haus 17 im September 2015

Nachdem ich schon hier in meinem privaten Blog gefragt wurde, wie es denn nun in Neu-Donnerschwee sei, poste ich nun ein Update. Das passt ohnehin gut; ein halbes Jahr ist um. Zu diesem Zeitpunkt können wir drei Bewohner einer Wohnung eines L-Blockes auf dem ehemaligen Kasernengelände in Oldenburg uneingeschränkt sagen: Wir fühlen uns wohl! Später dazu mehr.

Die Bauarbeiten an unserem L-Block begannen im April 2016. Der frühestmögliche Bezugstermin sollte der 1. April 2017 sein. Wie in Warten auf Neu-Donnerschwee beschrieben, verfolgen wir aufmerksam die Entwicklungen auf dem Gelände der ehemaligen Donnerschwee Kaserne, wo zurzeit noch die letzten drei Häuser komplett saniert werden. Bis zum Juni 2018 werden insgesamt 750 neue Wohneinheiten im alten Bestand entstehen, und eine davon gehört zwar noch lange der Bank, aber irgendwann mal uns. Gute 80 Quadratmeter mit einer großen Wohnküche, so geschnitten, dass sich drei Personen nicht auf die Nerven gehen: Das waren unsere Vorgaben.

Wasserturm Donnerschwee

Immer im Blick: Der Wasserturm Donnerschwee

Einen Einfluss darauf, wo sich unsere Wohnung befinden würde, hatten wir nicht. Im Gegenteil: Wir hatten eigentlich mit Block 15 gegenüber geliebäugelt. Leider wurde dieser komplett an einen Investor verkauft. Auf Basis unserer Vorgaben wurde uns dann jedoch von unserem Vermittler eine Wohnung oben in Haus 17 vorgeschlagen. Erstmalig von innen gesehen haben wir diese im Dezember 2015 als wir uns, gemeinsam mit anderen, die über unseren Makler in Neu-Donnerschwee gelandet sind, bzw. noch landen werden, in der Musterwohnung auf dem Gelände getroffen haben. Damals waren die Türen zu den Häusern alle noch stets verschlossen. Als wir oben unter dem Dach standen, waren wir sehr schweigsam: Es war ziemlich finster, sodass wir uns überhaupt nicht vorstellen konnten, wie da Licht reinkommen sollte.
Glücklicherweise war von außen schnell ersichtlich, dass die alten Gauben rausgebrochen wurden. Dazu mussten die Splitterschutzdecken – Schwerstarbeit für die Bauarbeiter, die sich an unserem L-Block zuerst mit der Thematik auseinandersetzen durften – ausgeschnitten werden, um Platz für die neuen Fenster- und Balkonausschnitte zu schaffen. Das Dach wurde komplett neu gedeckt. Dann jedoch konnte man leider von unten kaum noch etwas sehen, abgesehen davon, dass auf einmal das Dach in der Mitte zwischenzeitlich wieder von den Ziegeln befreit wurde. Das hing offenbar mit der Brandschutzmauer zusammen. Lange Zeit konnte man vom Nordeingang bis zu uns im Süden durchlaufen, sah dann aber genau, wo später die solide Feuerschutzwand entstehen sollte.

Zugegeben, sonntags, wenn auf dem Gelände nicht gearbeitet wurde, haben wir uns gerne, sofern möglich, nach oben geschlichen, um den Baufortschritt unserer Wohnung anzuschauen. Für uns war es immer interessant, zu sehen, was sich wo tat, sei es die Vorbereitung der Wasserinstallation, der Einbau der Trockenbauwände, verbunden mit der Frage, ob die ausreichend dick sind, um die Nachbarn nicht zu stören. Unser erstes Highlight war, nachdem wir bei unserer Erstbesichtigung befürchteten, künftig im Dunkeln zu sitzen, der Einbau der Balkonfenster in der Wohnküche. Da lichtete sich das Ganze schon ein wenig. Dann kamen die weiteren Fenster – es wurden sogar drei Velux-Fenster, statt zwei wie in der ursprünglichen Zeichnung.

Während unsere Wohnung noch fertiggestellt wurde, konnten die im vorderen Bereich des Areals rund um Thomasblock, Alte Wache, die Häuser 2 und 2b sowie 6 und danach so langsam ab dem Frühjahr 2017 auch Haus 8 des Vereins Kreaktiv Wohnen e. V. Oldenburg schon längst bezogen werden. Es gibt sogar schon wieder Fluktuation. Die Kindertagesstätte An der Beverbäke wurde tatsächlich am 1. Februar 2017 eröffnet, obwohl die Außenarbeiten erst rund ein halbes Jahr später abgeschlossen werden konnten. Aber schön ist sie geworden.

Am Wochenende vor unserem Festival, den Gezeitenkonzerten in Ostfriesland, wollten wir Mitte Juni einen letzten Blick auf den Fortschritt der Bauarbeiten werfen, wurden aber enttäuscht. Ein neues Schloss verhinderte das unbefugte Eintreten. Natürlich war das grundsätzlich richtig, denn wir hätten selbst ja auch nicht gewollt, dass irgendwelche Menschen rücksichtslos über unseren frisch gefliesten Flur trampeln und Spuren hinterlassen. So wurde unserer „Überwachung der Fortschritte“ bereits eine Woche früher als gedacht ein P vorgesetzt. Dafür gab es drei Wochen später die Nachricht, dass nach dem 20. August, knapp einen Monat später als garantiert, die Bauabnahme durchgeführt werden könne. Wir waren zu kritisch, als das wir zum 1. September gleich hätten einziehen können. Aber unsere Kritikpunkte wurden ohne Murren behoben. Und wir hatten die Verspätung instinktiv mit unserem Vermieter zur beiderseitigen Zufriedenheit abgesprochen.

Blick auf Neu-Donnerschwee

Blick auf Haus 22 und das Containerdorf auf dem Fenster in Neu-Donnerschwee

Im September waren wir die ersten, die eine Wohnung im südlichen Bereich von Haus 17 bezogen, das Pärchen mit dem Nordeingang hat es geschafft, uns noch um ein paar Wochen zu überholen. Zu dem Zeitpunkt wusste man noch nicht, ob man abends seinen Parkplatz erreichen kann und wenn ja, auf welchem Weg. Straßen, geschweige denn die Beschilderung, waren nur ansatzweise vorhanden. Aber das machte nichts, wenn man nicht gerade Post oder gar eine Lieferung per LKW erwartete. Einen Monat später ging es auch im Nachbarblock los. Am letzten Januarwochenende gab es im nordwestlichen Block plötzliche Umzugsaktivitäten an allen Eingängen. Diese Entwicklung hatten wir Bewohner gar nicht zu diesem frühen Zeitpunkt vermutet. Der noch verbleibende L-Block soll teilweise Anfang Mai, der Rest einen Monat später bezugsfertig sein. Aktuell wird dort noch gepflastert und die Innenarbeiten stehen an. Mag bei uns im Haus noch eine Wohnung frei sein, laufen die Vermietungen für alle weiteren auf dem Gelände gut an. In Haus 14 sind auf der einen Seite lediglich zwei Klingelschilder noch nicht mit Namen versehen.
Im Februar wurde das Containerdorf, auf das wir gucken, teilweise abgebaut. Mir werden die Jungs mit ihrer Feierlaune am Wochenende, die im T-Shirt bei Minusgraden telefonierend draußen stehen, fehlen.

Funkturm Neu-Donnerschwee

Am 27. Januar schrieb ich in einem sozialen Netzwerk: „Genau vor einem Jahr stand er noch, der Funkturm auf dem Kasernengelände Neu-Donnerschwee. Eine Woche später wurde er demontiert. Nur noch drei Häuser auf dem Gelände sind noch nicht ganz fertig: Es füllt sich.

Beim Stöbern in meiner umfangreichen Fotosammlung habe ich genau ein Jahr nach dessen Abriss ein Foto des ehemaligen Funkturms gefunden und dieses aus nostalgischen Gründen bei Facebook geposted. Daraufhin kam ein Kommentar von jemandem, den ich nicht wirklich kenne, bei dem ich nicht genau wusste, wie ich ihn verstehen sollte: „Stimmt! Ich habe die Ecke nie ganz verstanden…..“
Da ich diese Ecke sehr liebe und mich über die aktuelle Entwicklung freue, habe ich, aus dem Bauch heraus, spontan folgendermaßen geantwortet ohne ihn bei Facebook zu veröffentlichen:
„Das tut mir leid. Aber vielleicht solltest Du Dir, wenn Du mal wieder in Oldenburg bist, ein eigenes Bild von Neu-Donnerschwee machen. Ich bin immer wieder fasziniert von diesem „Mikrokosmos“, der innerhalb weniger Jahre auf dem alten Kasernengelände entstanden ist. Schon lange vor allen anderen gab es die Jugendkulturwerkstatt und die Rollsportarena auf dem Areal. Letztere muss leider aus baurechtlichen Gründen- jedoch auch zu Gunsten des alten GLOBE-Kinos, das nicht nur als Kino, sondern zusätzlich für Theatervorstellungen, Konzerte etc. wieder in Betrieb genommen werden soll, weichen. Hinzugekommen ist Wohnraum für über 1.000 Menschen, wenn man die Neubauten auf dem ehemaligen Hubschrauberlandeplatz dazu nimmt, darunter auch Sozialwohnungen und Pflegeeinrichtungen, bzw. -wohngemeinschaften. Du hast hier vom Neugeborenen bis zum Hochbetagten alle Altersstufen, darunter überraschend viele Studenten. Zwei Mehrgenerationenhäuser (Kreaktiv) oder zumindest ein gemischtes, alternatives Wohnprojekt sind auch dabei. Wie könnte die Umgestaltung von „Schwertern zu Pflugscharen“ besser umgesetzt werden, und was ist daran schwer zu verstehen?“

Funkturm Neu-Donnerschwee zerlegt

Anfang Februar wurde er komplett zerlegt, der Funkturm, ein „Wahrzeichen“ von Neu-Donnerschwee

Wie geschrieben: Ich habe ihn nicht dort veröffentlicht, aber das ist meine Meinung und ein Grund dafür, dass ich mich hier wohlfühle! Selbstverständlich gibt es, wenn 44 Parteien unter einem Dach wohnen, auch Konflikte. Die Müllsituation und das Parken (es gibt keine Besucherparkplätze) gehören dazu. Letzteres wird manchmal zur Freude vieler und zum Leidwesen des Halters mittels des Abschleppunternehmens R. aus O. gelöst. Und ich als Deichkind, das schon mit der Muttermilch aufgesogen hat, dass man Menschen, die man kennt, grüßt, finde es komisch, wenn Mitbewohner lieber dem Blick und dem Gruß ausweichen und sich schnell mit ihrem Smartphone beschäftigen. Grinsen muss ich über die häufige Nutzung des Aufzugs gerade durch jüngere Semester, die ihn der Treppe vorziehen. Für mich ist die Treppe und jeder weitere Schritt der Ersatz fürs Fitnessstudio.

Was uns jetzt noch fehlt und wofür es immer noch keinen Baubeginn gibt, ist die avisierte Markthalle mit Café gegenüber von der Alten Wache. Aber sämtliche Einkaufsmöglichkeiten sind in fußläufiger Entfernung, bzw. gut mit dem Auto erreichbar. Dort gibt es sogar Parkplätze.

Spielstraßen-Schild

Ein sehr wichtiges Verkehrsschild auf dem Gelände, das leider zu wenig Beachtung findet

3 Gedanken zu „Angekommen in Neu-Donnerschwee

  1. willenbring johanna

    Moin, das Lesen der Fortsetzung hat wieder Spaß gemacht.
    Freut mich, dass du dich in dem „neuen Leben“ wohl fühlst.
    Tschüß, liebe Grüße
    Hanneke

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